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Julian le Play im Interview

Julian le Play im Interview

Wir haben mit Julian le Play (Facebook) vor seinem Konzert am 2.4. im Wiener Chaya Fuera über seine Zukunft und die österreichische Musiklandschaft geplaudert.

Es ist gerade ziemlich knapp vorm Konzert – Bist du eigentlich nervös vor der Show?
Julian: Also im Moment bin ich es nicht. Ich muss sagen in der Früh war schon etwas Nervosität im Bauch. Das habe ich normal eher nicht, aber wir haben jetzt schon länger keine Show in Wien mehr gespielt und heute ist Tour-Start. Jetzt geht es wieder. Sobald man in der Location ist, denkt man an 1000 Dinge, die man vor die Aufregung schiebt. Gerade jetzt fällt mir ein, dass ich meine Gitarre noch von der Bühne nehmen muss.

Dein Debütalbum ist mittlerweile seit ein paar Monaten veröffentlicht. Wie fühlt es sich an?
Julian: Eigentlich ist es noch gar nicht so lange draußen, es sind jetzt sechs Monate. Für mich fühlt es sich länger an, weil die Songs schon zwei bis drei Jahre alt sind. Die Leute kennen es zwar noch nicht lange, trotzdem haben wir schon mit dem zweiten Album begonnen. Ich bin gerade am Schreiben. „Der Wolf“, die neue Single (Anm. d. Red. Veröffentlichung: 26.4.) ist zum Beispiel schon etwas Neues. Wir wollten keine dritte Single vom ersten Album machen, sondern etwas Frisches veröffentlichen.

Wann können wir mit dem neuen Album rechnen?
Julian:  Das dauert noch, es kommt im Jänner 2014. Ich habe es nicht, wie man es klassisch macht, als Single mit gleich anschließender Album-Veröffentlichung gedacht. Jetzt kommt erst einmal nur der Song, weil er im Moment gut passt. Die Hälfte der Songs existieren noch gar nicht und müssen erst geschrieben werden.

Also kannst du uns auch noch nicht viel dazu sagen, in welche Richtung es dann gehen wird, oder?
Julian: Es gibt weniger klassische Popsongs und es wird ein bisschen elektronischer und rauer. Wir haben mehr Synthies und elektronische Pads ausgepackt. Alles wird ein wenig gestylter, mehr 2013/2014.

Julian Le Play im Interview

Musikvideos scheinen dir wichtig zu sein. Wer entwickelt die Ideen dazu?
Julian: Ich mache das. Ich bin zwar kein Videomacher, habe aber immer Ideen zu den Songs. Wie jetzt beim neuen Video zu „Der Wolf“. Da geht es um die Lebensgeschichte einer Ballerina, vom Kindesalter bis zu ihrer großen Audition mit 24 Jahren. Mit diesen Bildern und Stimmungen im Kopf suche ich nach jemandem, der es gut umsetzten kann. Ich finde Videos extrem wichtig, auch wenn viele Leute sagen, youtube und MTV seien tot. Das stimmt einfach nicht. Es ist Gold wert, wenn du ein cooles Video machst, das von Leuten verbreitet wird. Dann ist es auch nicht mehr so wichtig ins Radio zu kommen.

Du bist einer der wenigen nationalen Künstler, der es ins Radio geschafft hat. Wie stehst du zu der Präsenz der österreichischen Musik in den Medien?
Julian: Es ist eigentlich traurig. Es sollte, müsste und könnte um einiges mehr sein. Grade in den letzten zwei Jahren habe ich mich mehr nach Sachen aus Österreich umgehört und gemerkt, dass es so viel Cooles gibt. Es ist überhaupt nicht nötig, alles mit vorproduziertem Zeug aus Amerika vollzuballern und einen Einheitsbrei zu machen.

Wie glaubst du könnte man das ändern?
Julian: Indem ich Radiochef irgendwo werde. (lacht) Man muss sich ein bisschen mehr trauen. Ich glaube, wenn man den Leuten etwas vorspielt, das wirklich Qualität hat – und da gibt es in Österreich genug – würden sie es schätzen lernen. Am Anfang ist es sicher ungewohnt, aber irgendwann wird es dann normal. Genau wie es für die Jungen zu Zeiten des Austropop normal war Ambros, Danzer und Fendrich im Radio zu hören. Auch wenn es für die heutigen jungen Menschen eher komisch ist, österreichische Musik im Radio zu hören, kann es für die nächste Generation wieder normal werden.

Julian Le Play im Interview

Wie kam es zum Entschluss nach „Helden von Morgen“ eine Pause einzulegen und nicht gleich irgendetwas zu veröffentlichen?
Julian: Ich habe mir gedacht, dass es überhaupt nichts bringt, schnell irgendeinen Song rauszuhauen. Es war vor allem, weil ich begonnen habe auf Deutsch zu schreiben. Ich habe erst langsam Menschen kennengelernt, die das mit mir angehen wollten. Dann habe ich länger gebraucht um zu schreiben, einen Sound zu finden und mich mit den Musikern zusammenzusetzen. Man versucht, sich selbst zu finden. Ganz gefunden habe ich mich immer noch nicht. Es wäre auch ein bisschen traurig, wenn man sich beim ersten Album schon selber gefunden hätte.

Also ist die Selbstfindung noch lange nicht abgeschlossen?
Julian: Da gibt es sicher noch einiges zu finden. Ich merke jetzt schon, wie anders das zweite Album klingen wird. Das ist genau, wie sich der eigene Musikgeschmack verändert. Vor drei Jahren bin ich total auf Indie-Rock, wie The Wombats, Radiohead, Muse und The XX, gestanden und jetzt höre ich hauptsächlich deutschen Rap wie Marsimoto, Samy Deluxe und Gerard.

Setzt du dich hin mit der Intention einen Song zu schreiben oder kommen dir deine Ideen eher spontan?
Julian: Das ist ganz gemischt. Manchmal probiere ich es mich gezielt hinzusetzen und einen Song zu schreiben. Das funktioniert nie, oder er wird schlecht. (lacht) Manchmal ist man beispielsweise in einer Bar und es fällt einem plötzlich eine Zeile ein. Die singt man einfach schnell ins Handy. Wenn es gut ist, setzt man sich mit dem Bruchstück hin. Meine Songs beruhen oft auf solchen kleinen Sprachmemos.

Julian Le Play im Interview

Wenn du dein eigenes Festival zusammenstellen könntest, wie sehe das Line-Up aus?
Julian: Das wäre wahrscheinlich ein deutschsprachiges Festival. Da würden unter anderem Clueso, Max Herre, Casper, Xavier Naidoo, Philipp Poisel und Marsimoto auftreten.

In letzter Zeit avanciert Wien zum Promitreffpunkt – Gibt es irgendeinen Star, den du gerne einmal treffen würdest?
Julian: Lana Del Rey. Ich würde gerne hinter die Fassade blicken und sehen, was so dahintersteckt. Sehen, ob sie privat total toll ist, oder ob sie einfach nur herumsitzt und nichts redet. Bei Lady Gaga weiß man zum Beispiel, dass sie eine Kunstfigur ist. Andere wie Robbie Williams sind so, wie sie sind. Dann gibt es aber auch Stars, da ist man sich nicht ganz sicher. Das finde ich am spannendsten.

Dein Ziel ist es, Deutschland zu erobern. Hast du dir schon eine Strategie überlegt, wie du das anstellen könntest?
Julian:  Wir haben im letzten Jahr einige Musikmenschen in Deutschland kennengelernt und jemanden gefunden, der die beste Idee überhaupt hatte. Er meinte, wir sollen uns in einen Tourbus setzen und ganz viel live spielen. Damit werden wir im September beginnen. Es ist klüger als zu versuchen mit einem Song einen Nummer-5-Hit zu landen oder Ähnliches. Zuerst kam auch einiges wie „Mach „Mr. Spielberg“, aber ändere den Refrain!“.

Also wird es keine Deutschland-Anpassung für „Mr. Spielberg“ geben?
Julian: Nein. Das war zwar im Gespräch, aber das wollte ich nicht.

Wir bedanken uns für das nette Gespräch!

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Vanessa Spanbauer

„Stop trying to fit in – when you were born to stand out!“

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