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Lindsey Stirling im Interview

Lindsey Stirling im Interview

Lindsey Stirling hat es vom Youtubestar zum durch die Welt tourenden Musiker geschafft. Vor ihrem Konzert in Wien am 6. Juni in der Arena hat sie schon einmal hier haltgemacht um Interviews zu geben und samt Geige vorzutanzen. Im The Ring Hotel stand uns die sympathische Amerikanerin Rede und Antwort.

 

Enemy.at: Ich kenne dich jetzt schon eine ganze Weile, weil ich immer deine Videos auf Youtube angeschaut habe.

Lindsey Stirling: Oh cool!

Ja, und jetzt bist du auf einmal im Fernsehen, in den Zeitungen, auf Spotify, einfach überall. Wie hast du das gemacht?

Wirklich? YES! (ballt die Faust und lacht) Naja, Youtube ist eine großartige Sache! Es ist verrückt, zum Beispiel habe ich gerade herausgefunden, dass mein Konzert hier ausverkauft ist, obwohl ich noch nie vorher in Wien war. Es ist einfach unglaublich, wie das Internet dazu beiträgt, weil Leute meine Videos teilen und auf Facebook posten. Und jetzt, seit mein Album vor ein paar Monaten von Universal veröffentlicht wurde, ist das einfach eine große Hilfe, meine Musik unter die Leute zu bringen. Das ist alles sehr aufregend, irgendwie verrückt.

Lindsey Stirling im Interview mit enemy.at

Du hast deinen beiden Geigen Namen gegeben. Deine Geige auf der Bühne heißt Excalibur, deine „Stunt-Violine“ in den Musikvideos nennst du Ingrid. Was steckt denn da dahinter?

Excalibur ist das Schwert, dass König Artur aus dem Stein gezogen hat – es ist eine magische Waffe. Und so sehe ich auch diese Geige – als magische Waffe. Aber ich habe jetzt eine Neue, die ich auf der Bühne spiele. Excalibur ist ungefähr 100 Jahre alt und ich war besorgt, weil ich sie ja immer mit auf Tour dabei hatte. Jetzt ist Nero meine „Stage-Violin“. Und Ingrid – ach ja, ich habe unlängst herausgefunden, dass das ein deutscher Name ist – ich bin mir gar nicht mehr sicher, warum ich sie gerade Ingrid getauft habe. Das ist die Geige, die ich in meinen Musikvideos spiele, wenn es zum Beispiel regnet. Es klingt schrecklich, aber die hab ich für gerade mal 40$ im Internet gekauft.

Siehst du dich künstlerisch selbst als Virtuosin? Willst du alles perfektionieren?

Ich glaube, ich habe einen anderen Stil. Ich habe mit der Klassik die Geige erlernt, aber ich weiß definitiv, dass ich traurigerweise nicht die talentierteste Violinistin der Welt bin. Aber ich arbeite sehr hart und versuche so gut wie möglich zu sein. Ich glaube ich habe eine tolle Balance gefunden, ich habe viele Dinge, die ich liebe, in eine Kunstform zusammengemischt. Also ich kann sagen, ich bin die beste tanzende Violinistin der Welt, wahrscheinlich weil ich die Einzige bin (lacht). Aber ja, ich versuche immer besser zu werden. Denn ich glaube, wenn du einmal denkst, du bist auf der Spitze des Berges, ist das der Moment, wo du zu fallen beginnst. Es gibt immer die Möglichkeit sich zu verbessern, also hoffe ich, dass ich auch weiterhin immer besser werde.

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Der Youtuber Devin Supertramp hat einige deiner Musikvideos gedreht und sie auf seinem Kanal mit über einer Million Abonnenten veröffentlicht. Wie wichtig war er für deine Karriere?

Oh mein Gott, Devin war ein riesiger Teil meiner Karriere! Ich kann ihm nicht genug danken für alles, was er für mich getan hat! Er war derjenige, der mir Youtube erst nähergebracht hat. Ich hab nicht einmal gewusst, dass das eine Plattform sein könnte, um Kunst zu teilen, bis ich ihn getroffen habe. Er hat mir seinen Channel gezeigt und mir erklärt, wie man ein professioneller Youtuber wird. Und ich dachte mir „WAS! WIRKLICH?“, das war eine neue Idee für mich. Er hat dann anfangs meine Musikvideos gefilmt, ich meine das waren wahrscheinlich 15 Videos, er hat am Anfang alle gemacht. Und er ist noch immer einer meiner besten Freunde, auch wenn wir jetzt beide in unterschiedliche Richtungen gehen. Er ist unglaublich talentiert und ich kann nicht dankbar genug sein.

Mittlerweile produzierst du deine Musikvideos selbst und übernimmst auch die Regie. Wie lange braucht es, bis eines im Kasten ist?

Naja, es kommt drauf an. Einige meiner Musikvideos wurden in wenigen Stunden gedreht, wie zum Beispiel „Shadows“. Da hatten wir nur eine Location, haben das Licht aufgestellt und gedreht. Und ich hab das Lied vorher oft gehört und den Tanz geübt, damit ich es nicht vermassle und die Zeit aller Beteiligten verschwende. Das hat dann nur ein paar Stunden gedauert. Aber manche haben Monate gebraucht! Wie das Zelda-Medley, das ich gemacht habe. Das hat Monate gedauert, weil ich es im Sommer filmen wollte, mit grünen Bäumen, ich wollte es im Herbst filmen, mit den Herbstfarben und ich wollte es im Schnee drehen. Also total verschieden. Manchmal ein paar Tage, manchmal eine ganze Weile.

Lindsey Stirling im Interview mit enemy.at

Magst du den Begriff Crossover?

Eigentlich kümmert mich das nicht. Ich denke eine Menge meiner Musik ist von Klassik beeinflusst, aber Pop ist genauso ein Einfluss für mich. Alle meine Songs folgen einer Popstruktur mit Beats und klingen elektronisch. Es ist wie eine Zusammenkunft von vielen verschiedenen Elementen und vieler verschiedener Musikrichtungen. Sogar Rock beeinflusst meine Musik und den Rhythmus. Aber Crossover stört mich nicht, ich mag, wenn Musikrichtungen sich kreuzen und Grenzen miteinander verschmelzen. Für mich ist es das, was es neu und aufregend macht.

Deine Bühnenperformance ist so aufgedreht und lebendig, du tanzt dauernd wild herum. Woher nimmst du diese Energie?

Sogar als ich ein Kind war, haben meine Eltern gemeint, ich hätte viel zu viel Energie (lacht). Aber ich glaube es ist die Energie, die einfach daher kommt, dass ich wirklich genieße, was ich tue. Und ich liebe, wenn ich sehe, dass das Publikum es auch genießt, da entsteht eine Art Verbindung. Wenn das Publikum aufgeregt ist und mitgeht, performe ich sogar noch verrückter, als ich es sowieso schon tue, weil ich ihre Energie fühle. Es hilft auch sehr eine Band zu haben, weil wir uns gegenseitig aufstacheln. Es geht immer darum, unsere Energie zu teilen.

Vielen Dank fürs Gespräch, Lindsey!

Danke!

 

 

 

 

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