Home   /   Movies  /   Mademoiselle Populaire – Filmkritik

Mademoiselle Populaire – Filmkritik

Mademoiselle Populaire – Filmkritik

Handlung

Schon der Vorspann des Films begrüßt den Zuseher mit beschwingter Musik und stimmt, liebevoll animiert, auf eine Reise ins Frankreich der späten 1950er Jahre ein. Wirtschaftseuphorie, rote Lippen, Swing und Jazz, die aufblühende Konsumkultur –  und eine abgelegene Kleinstadt, in der eine junge Frau von der großen, weiten Welt träumt: Als Tochter des Dorf-Greißlers wird von Rose Pamphyle nicht viel erwartet, außer den Sohn des lokalen Mechanikers zu heiraten. Das reizt sie aber ebenso wenig, wie im väterlichen Geschäft zu arbeiten. Etwas Gutes hat die Greißlerei dann aber doch zu bieten, und zwar die Schreibmaschine im Schaufenster, auf der sie heimlich das Tippen lernt. Denn Rose will, was alle jungen Frauen in dieser Zeit wollen: Sekretärin sein!

MADEMOISELLE POPULAIRE

Und tatsächlich, die tollpatschige, aber schlagfertige Rose kann eine Anstellung in der nächstgrößeren Stadt ergattern. Dabei wirft ihr Chef, Louis Èchard, weniger ein Auge auf ihre entzückende Erscheinung als auf ihre überragende Fähigkeit, Texte in Windeseile und fehlerfrei abzutippen. Louis’ Ehrgeiz ist geschürt: Er will Rose groß rausbringen, und da kommt ihm der nächste Wettbewerb im Schnell-Tippen gerade recht! Um ihren hart erkämpften Job zu behalten, willigt Rose ein, am Wettkampf teilzunehmen, ohne zu ahnen, welche Liga Louis mit ihren Fähigkeiten anstrebt. Das dabei entstehende Trainer–Schüler–Verhältnis zwischen Louis und Rose stellt jedoch beide auf die Probe. Denn wo zwei in Frankreich aufeinandertreffen, dürfen romantische Gefühle natürlich nicht fehlen, und auch nicht die wilden Verstrickungen, die sie nach sich ziehen …

Umsetzung

Déborah François spielt in der Rolle der Rose eine Mixtur aus selbstständig, willensstark und frech, und bleibt dabei doch sympatisch-unschuldig. Ebenso kann Romain Duris die Rolle des ehrgeizigen, aber innerlich vernarbten Louis überzeugend umsetzen. Was allerdings ein wenig abgeht, ist die emotionale Wärme zwischen den beiden, die zwar aus der Handlung abzuleiten ist, aber nicht hundert-prozentig spürbar ist. Ein Juwel am Rande ist Bérénice Bejo als Marie, die bereits in der Hauptrolle von The Artist glänzen konnte. Auch hier ist sie nicht weniger überzeugend!

MademoisellePopulaire_002

Außer Frage steht, dass dieser Film mit liebevollen Details gespickt ist. Kostüme, Make-Up, Innenräume, Autos … hier stimmt einfach alles! Retro-Charme wird verschwenderisch versprüht, und lässt kaum ein Auge trocken. Dabei werden die Requsiten aber wohlüberlegt eingesetzt. Während beispielsweise Rose als Landmädchen in breiten Petticoats mit Blümchenmuster steckt, trägt Marie als Frau eines fortschrittlichen Amerikaners bereits die Mode der angehenden 60er Jahre: Schlicht, eng, sexy, dafür umso mit größerer Frisur.

Ebenso treffsicher ausgewählt ist der Soundtrack, der sich nicht nur der typischen Swing, Jazz und frühen Rock&Roll Musik bedient, sondern auch stimmungsvolle Ausflüge zu impressionistischer Klaviermusik von Claude Debussy & Co finden ihren wirkungsvollen Platz. Daumen hoch! Erfreulich, wenn auch verwunderlich, ist es, wie gut das 50er Jahre-Rundherum mit der modernen Kameraführung harmoniert. Gekonnt wird hier die schöne Atmosphäre zeitgemäß in Szene gesetzt und beugt jeder Langatmigkeit vor.

mademoiselle_populaire

Themen

Also, haben wir es hier mit einer weiteren 0815-Romantikkomödie zu tun? Romantik – ja. Komödie – ja. Doch dieser Film kann ein bisschen mehr. Wer aufmerksam zusieht und -hört, dem wird nicht entgehen, wie kritisch die Rolle der Frau in den späten 1950er Jahren beleuchtet ist. Rose sagt: „Sekretärin zu sein ist modern! Viele Menschen kennenzulernen, in der Welt herumzukommen, für große Männer zu arbeiten!“ Selbst die Hauptdarstellerin ist also nicht vor damals verbreiteten Rollenvorstellungen immun. Sie gibt sich alle Mühe, etwas aus ihr zu machen, ohne übertrieben feministisch zu sein. Das macht den Film und seine Darsteller authentisch.

Den Gegenpol zu Rose bildet Marie, Louis’ Verflossene. Sie hat sie sich für einen amerikanischen Besatzungssoldaten als Ehemann und für das häusliche Leben mit Kindern entschieden. Doch ist sie dadurch weniger glücklich als die selbstständige Rose? Was in anderen Filmen, die in der Nachkriegs-Zeit spielen, gerne ausgeklammert wird, ist in Mademoiselle Populaire immer wieder Thema: Die Traumatisierung durch den erlebten Krieg. Dies verleiht jedoch der Handlung Würze und den Charakteren mehr Tiefe.

Schließlich kann zwischen den Zeilen auch Kritik am Wirtschaftseuphorismus gelesen werden. Rose soll als Testimonial für einen Schreibmaschinenhersteller herhalten, um das neue, quietschrosa Modell zu vermarkten. Und das in einem rosa Kleid, vor rosa Hintergrund. Die Machtkämpfe der Unternehmen um die Gunst der Käufer und die Übertriebenheit der Werbung wird mit einem Augenzwinkern charmant persifliert.

mademoiselle_populaire

Resumée

Mademoiselle Populaire ist der perfekte Film für einen entspannten Abend oder das Wochenende. Selbst wer sich regendurchnässt oder Stau-geplagt ins Kino setzt, der wird Selbiges garantiert mit guter Laune verlassen. Es ist ein Film, der durch seine Atmosphäre, durch die Musik und die Details begeistert, auch wenn die Handlung keine Weltneuheit darstellt. Ja, auch Kitsch steht am Programm – jedoch lässt man ihn hier gerne über sich ergehen und erfreut sich daran. Knappe zwei Stunden Tiefenentspannung, genügend Schmunzelgründe und den einen oder anderen Ohrwurm bietet dieser Film. Für einen Oscar wird es wahrscheinlich nicht reichen, aber wer auf der Suche nach unbeschwerter Unterhaltung mit viel Charme ist, liegt hier genau richtig!

Mademoiselle Populaire

Kinostart: 19.04.2013
Regie: Regis Roinsard
Cast: Déborah François, Romain Duris, Bérénice Bejo
Land: Frankreich
Dauer: 111 min
Website zum Film

Home   /   Movies  /   Mademoiselle Populaire – Filmkritik

Tags

Related Article