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Meine Praterdome Challenge – Bam Euda! Bis zum Morgengrauen!

Meine Praterdome Challenge – Bam Euda! Bis zum Morgengrauen!

Man hört so einiges über die legendären, feuchtfröhlichen Nächte im berühmten Praterdome: Dubiose Gestalten treiben dort ihr Unwesen, dunkle Erinnerungen und peinliche Situationen werden dort generiert. Die Musik, ein unverzichtbares Übel ist geistlos, hat einen Bass-Gehalt von 85% und ein Mischmasch aus allen noch so schlimmen Party-Hits der letzten Jahrzehnte. Unausstehlich also für den gemeinen Musik- Connaisseur. Es gibt zahlreiche Gerüchte darüber, was im Praterdome schon alles passiert sein soll. Allerdings sind das alles nur vage Erzählungen, denn wie heißt es so schön: Was im Praterdome passiert, bleibt im Praterdome! Ich will es jetzt aber wissen, ich beschließe eine Nacht im „Dome“ zu verbringen, gebe mir die volle Party-Dröhnung, nüchtern und zurechnungsfähig, von 22 Uhr bis zum bitteren Ende. Challenge accepted.

22:00 – Los gehtʻs!

Ich betrete kurz nach 22 Uhr den gepflegten Eingang des „Prater-Domes“, dessen Fassade mehr an eine Kleinstadt-Bibliothek erinnert als an einen Club. Mit einer kleinen Traube von aufgeregten Austauschstudenten gehe ich auf die Respekt einflößenden Türsteher zu. Ein paar Schritte noch und dann eröffnete sich mir der Hauptplatz zu einer imposanten Burg. Die aufgeregte Meute an Austauschstudenten stürmt erst mal die Bar. Ich irre derweilen durch die zahlreichen Räume des Praterdomes. Ich weiß, wenn ich mich hier verlaufe, finde ich nie wieder raus.

23:00 -Ich bin schwach

Auf drei Floors wird heute getanzt und gefeiert, jeder Raum ist anders designed und beherbergt auch sein eigenes Publikum. Ich schlendere durch den „House“-Raum mit großem, aber noch leerem Dancefloor und farbigen Leuchtröhren an den Wänden. Die sonst kahl-rasierten Typen mit kleinen, gepflegten Bundesheerfrisuren, trinken sich noch warm – Redbull und Wodka. Die elektronischen Geräusche, die der DJ in den Raum wirft hypnotisieren mich langsam. Ich bestelle mir ein Cola. Nagut, es ist ein Bacardi-Cola, ich bin schwach. Mein Herzschlag passt sich an das Duzduz des House-Rhytmus an, wenn jetzt die Musik ausgeht, hört es bestimmt auf zu schlagen.

24:00 -Fix, euda!

Pünktlich zur Mitternachtsstunde erklingt das erste „Fix, euda!“, ich wechsle die Location und steuere auf einen Floor mit Party-Musik zu. Es erscheint vor mir eine Kulisse im Holzscheunen-Stil. Der DJ schmettert einen 90er-Jahre-Hit nach dem anderen und schreit dabei: „Zickezache, Zickezacke…“. Die tanzende Partymeute, weiß zwar noch nicht genau was er ihnen damit sagen will, johlt aber unterstützend. Als mir ein freundlich lächelnder älterer Herr den Arm um die Schulter legt, entscheide ich mich erst mal dagegen in diesem Raum zu verweilen und ziehe weiter.

24:30 -Schwingende Nacktheiten

Ich erklimme erneut die Treppe auf die Burgmauer. Diese führt mich in den höchsten Raum des Domes, dessen Interieur an ein Freudenhaus erinnert. Poledance-Stangen an der Bar und Metall-Ringe bieten Platz für ausgelassene Tänzerinnen. Die laszive RnB Musik verleitet mich zum Bleiben. Verdutzt schaue ich auf die Hüfte schwingenden Nacktheiten vor mir und die Beine-wedelnden Burschen neben mir. Alles bewegt sich. Ein Mädchen, in kurzen Jeans-Hotpants und hochgezogenem T-Shirt und viel Hip Hop im Blut, kommt auf mich zu und tanzt mich an. Will sie mich motivieren oder doch eher zu einem Battle herausfordern? Ich weiß es nicht genau. Sie greift sich das Ende meines Tops und zieht es mir bis zu den Rippen hoch. Ich denke kurz darüber nach mich wieder anständig anzuziehen, beschließe aber bauchfrei zu bleiben. Die Magie des Praterdomes fängt an zu wirken. Der Party-Fotograf zieht seine Runden und sammelt Beweise, aber das ist mir in dem Moment egal. Ich schließe meine Augen und wirble durch die Rauchschwaden der Nebelmaschine.

2:30 – „Waschmaschinen leben länger…“

Neben mir fallen Betrunkene von ihren Sesseln, aus dem Partyraum kommt lautes Geschrei, eine Schlägerei bahnt sich an. Securities tanzen an, ich suche das Weite. Die Toiletten sind verblüffend sauber, aber leider auch der Ort, wo weibliche Dramen ausgefochten werden. Wer hat wessen Freund angemacht, und warum hat er sie wegen dieser Zicke verlassen? Ich verweile kurz und lebe ein wenig mit bei den Geschichten über falsche Freunde, Eifersucht und unglückliche Liebe. Doch langsam dämmert mir diese Art von Drama ist ansteckend, ich denke meinen Ex-Freund erblickt zu haben. Ich schleiche der Gestalt hinterher, nur um zu entdecken, dass die verfolgte Person eine Frau ist. Der DJ ruft: „Waschmaschinen leben länger…“, das Publikum: „Mit Calgon!“

5:00 – Bam, euda!

Die Partylaune flaut ab und die Floors lichten sich. Auch mein Körper signalisiert mir, dass ich meinen Schlafrhythmus nicht betrügen kann. Mein Kopf dröhnt, und die Müdigkeit lässt mich nicht mehr los. Bam, euda! Etwas Alkoholisches würde mir jetzt den Coup de Grace geben, den Gnadenschuss, aber nein diesmal bleibe ich stark und bestelle ein Soda- Zitron. Ich sehe mich um, hier herrscht schon leidenschaftliches Gerangel, nur noch die Einsamen tanzen.

5:45 -Ich habe die Nacht mit ihnen verbracht

Am Ende der Nacht schlurfe ich mit geschundenen Füßen zur Garderobe. Hier kommen sie wieder alle zusammen. Die Solarium-gebackene Techno-Bastei, die RnB-Fraktion und der letzte Rest der Party-Meute in friedlicher Ko-Existenz. Ich habe das Gefühl ich kenne jeden Einzelnen von ihnen, ich habe zwar kein Wort mit den meisten von Ihnen gewechselt, aber habe sozusagen die Nacht mit Ihnen verbracht. Dieselbe verrauchte Luft geatmet, die gleichen Drinks bezahlt, wir teilen dieselben dunklen Geheimnisse. Sie sind ein bisschen wie Verwandte die ich lange nicht mehr gesehen habe und beim nächsten Mal werden wir genau da ansetzen wo wir heute aufgehört haben, und uns weiter ignorieren. Ich zwinkere dem Türsteher zu, wir schenken und ein müdes Lächeln und ich gehe von dannen. Einige von den letzten Reisenden treffe ich noch einmal wieder, nämlich am obligatorischen Würstelstand.

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