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Pfingstspektakel 2013

Pfingstspektakel 2013

Vom 17. – 19- Mai fand bereits zum 17. Mal das Pfingstpektakel in Attnang-Puchheim statt. Wie angekündigt, verfiel das oberösterreichische Städtchen traditionell ins ausgelassene Festivalfieber. Drei Tage lang pilgerten die Besucher auf den Spitzberg, die Hartgesottenen gingen erst gar nicht heim, sondern übernachteten auf dem kleinen aber feinen Campingplatz. Untertags konnten sie sich das internationale Baseballturnier Finkstonball am Baseballgelände nebenan ansehen, am Abend einen bunten Mix aus Bands auf den insgesamt drei Bühnen genießen.

Astpai live am Pfingstspektakel

Astpai live am Pfingstspektakel

Los ging’s am Freitag, der ganz unter dem Zeichen der Punkrock-Musik stand. Das Festival eröffneten Unavoidable, gefolgt von den energiegeladenen Far From Finished aus Boston. Dann leerte sich der Saal, die Ursache dafür war schnell gefunden: Auf der zweiten Bühne in einem Zelt vor der Mehrzweckhalle starteten um kurz nach 20:30 Uhr Astpai, die gerade von ihrer Europatour nach Hause gekommen waren. Wem diese Band noch nichts sagt und wer auf richtig guten dreckigen Punk Rock steht, sollte sich ihre CD auf jeden Fall zu Gemüte führen. Das Quartett aus Wiener Neustadt bleibt ihrem Sound bereits seit zehn Jahren treu. Das dankten ihnen auch die Fans, die zu so früher Stunde das Zelt bis zum Rand füllten.

Kontrust live am Pfingstspektakel

Kontrust live am Pfingstspektakel

Im Vergleich dazu waren Kontrust auf der Hauptbühne, die sich mit Handpuppen in Tracht und lauten „Hey!“-Rufen zu helfen versuchten, eher enttäuschend. Hingegen bewiesen The Adicts, dass sie es nach fast 40 Jahren immer noch drauf haben. Ausgeflippt wie eh und je versetzte ihr Frontman Monkey die zahlreichen Fans unter Konfettiregen in Tanzfieber. Das Alter schien übrigens spurlos an ihm vorbei gegangen zu sein. Das mag nicht nur durch das schwarz-weiße Make-up den Anschein gehabt haben, er bewies es auch durch die großartige Performance des Original-Line-Up’s (seit 1975). Schade nur, dass sich der Bühnenbereich nach den Engländern etwas lichtete, denn Strung Out aus Kalifornien hätten sich einen mindestens so großen Andrang verdient. Sie verstehen es einfach Punk, Rock und Hardcore Elemente perfekt miteinander zu verbinden. Und dann kam Evil Jared von der Bloodhound Gang auf die Bühne. Tja, was soll dazu groß gesagt werden? „I’m gonna play some shit for you“, schrie er ins Mikro. Diese Ankündigung setzte er jedenfalls in die Tat um. Der selbst ernannte DJ wechselte ein paar Mal CDs und verteilte in alter Jared-Manier Jägermeister an die Fans. Viele davon flüchteten, enttäuscht von dem Headliner, an die Bar und kauften sich ihre Getränke lieber selbst. Miserabel war nicht nur die Show, sondern auch die Vorgehensweise der Sicherheitskräfte. Holte Evil Jared die Leute selbst auf die Bühne, warfen die Securities sie mit Anlauf wieder hinunter – und zwar mit Kopf voran auf die Absperrung.

Evil Jared live am Pfingstspektakel

Evil Jared live am Pfingstspektakel

Der zweite Tag startete (ohne Übertreibung) mit einem Konzert der Extraklasse. Auf der Bühne des Finkstonballs neben dem Baseball Stadion, die für jedermann auch ohne Ticket zugänglich war, spielten sich Larry and his Flask beinahe Herz und Seele aus dem Leib. Diese Band war ein echtes Highlight. Die Amerikaner lassen sich in kein Musikgenre einordnen – sie machen Folk, Punk, Bluegrass und irgendwie auch Indie in einem. Wie das geht? Am besten anhören und wenn möglich live ansehen! Ansonsten prägte den Festival-Tag eine ganz andere Musikrichtung. Mussten die heimischen Gnackwatschn und Willy & Poor Boys noch um die Aufmerksamkeit der an diesem Tag deutlich geschrumpften Party-Meute kämpfen, hatten Grossstadtgeflüster erwartungsgemäß kein Problem damit. Sie brachten mit ihrer sympathischen Berliner Schnauze und neuem Album im Gepäck urbanes Flair in die Halle. Das darauf folgende Duo Attwenger bewies zwar mit ihrer neuen Volksmusik und den genialen Texten einmal mehr ihr Können, wirkte aber direkt nach der Elektropop-Band leider eher fehl am Platz. Die Stimmung war zum Schluss hin eher gedämpft und so kam es, dass auch der zweite Abend ein ruhiges Ende nahm.

Grossstadtgeflüster live am Pfingstspektakel

Grossstadtgeflüster live am Pfingstspektakel

Dann war auch schon der letzte Tag gekommen. Die Reggae-Band Stüngö machte den Anfang, gefolgt von Raggabund mit ihrem mitreißenden Dancehall-Sound. Und was dann kam, war ein Auftritt, der beinahe alles andere in den Schatten stellte. Fiva & das Phantom Orchester aus München machen Hip-Hop, der unter die Haut geht. Grund dafür dürften vor allem die ehrlichen und kritischen Texte ihrer wortgewaltigen Frontfrau sein – nicht ohne Grund wurde Nina Sonnenberg auch schon auf Poetry Slams gefeiert. Wie es schon der Name sagt, rappte sie nicht einfach nur zu Samples, sondern wurde von echten Musikinstrumenten wie Kontrabass, Klavier und Gitarre begleitet. Den Besuchern war also bereits der Kopf verdreht worden, Texta sorgte im Anschluss für den Rest. Skero war zwar nicht dabei,  „ihr müsst dafür auch nicht Kabinenparty mit uns singen“, scherzten sie. Na Gott sei Dank! Die Linzer legten eine passable Show hin und bereiteten dem Festival einen würdevollen Abschluss.

Adicts live am Pfingstspektakel

Adicts live am Pfingstspektakel

Angefangen hat das Pfingstspektakel (Homepage) mit einem Fest zur Eröffnung des Baseball Platzes, seither hat es sich zu einem nennenswerten Festival gemausert. Die familiäre Atmosphäre blieb aber über die Jahre hinweg erhalten. Einerseits durch die kleine Mehrzweckhalle – die übrigens jedes Jahr komplett umgebaut wird, weil hier normalerweise Tennis gespielt wird – andererseits durch die Mitarbeiter des Baseball Vereins, die alle freiwillig mithelfen. Die Erfolgsgeschichte konnte zwar heuer nicht ganz so glanzvoll fortgeschrieben werden wie die letzten Male, wir lassen uns aber nächstes Jahr gerne wieder eines Besseren belehren.

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