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R.I.P. Privacy – Was mit unseren Daten passiert

R.I.P. Privacy – Was mit unseren Daten passiert

Letzten Montag fand die mittlerweile zweite Ausgabe der heuer ins Leben gerufenen Informationsveranstaltung Technatives (Homepage) statt, diesmal unter dem Motto „R.I.P. Privacy“. Unter anderem hielt auch der durch seine Initiative „Europa gegen Facebook“ (Homepage) bekannte Wiener Student Max Schrems einen Vortrag darüber, wie genau es Facebook mit dem Datenschutz eigentlich nimmt und prophezeit eine düstere Zukunft alleine aufgrund des Potenzials, das hinter den Daten steckt.

Dabei ging es unter anderem über das oft bei Facebook vermutete und beunruhigende Konzept der sogenannten „Schattenprofile“. Dabei handelt es sich um Profile, die für Mitglieder erstellt werden könnten und Informationen über die jeweilige Person beinhalten, die niemals angegeben worden sind. Ein Beispiel, welches auch Max Schrems gebracht hat, ist Folgendes: Angenommen 30 Freunde von Max geben an, den Zivildienst beim Roten Kreuz Salzburg gemacht zu haben, wo auch er den Zivilidienst absolviert hat. Aufgrund von Interaktionshäufigkeiten mit den Freunden und anderen Parametern kann sich Facebook nun die Information ausrechnen – „minen“ – und Max mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit, dass die Information stimmt, ebenfalls als ehemaligem Zivildiener des Roten Kreuzes identifizieren.

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Viel interessanter wird das Ganze mit Nicht-Mitgliedern: Da Facebook, beispielsweise am Handy, die Funktion bietet, Kontakte zu synchronisieren oder auch Daten vom E-Mail-Provider zu importieren, um Freunde zu finden, haben sie alle Daten, die sie brauchen, um selbige Schattenprofile auch über Nicht-Mitglieder zu erstellen. Identifiziert werden diese anhand von den E-Mail-Adressen oder Telefonnummern, die andere Facebook-Benutzer angegeben haben.

Das ist im Grunde schon ziemlich harter Stoff und sollte jedem zu denken geben, vor allem, wenn man auch als Nicht-Mitglied erfasst wird.

Was aber an jenem Montag jedoch noch niemanden bekannt war: Es ist scheinbar bereits viel schlimmer, als wir alle angenommen haben. Denn was in den letzten Tagen um das geheime Regierungsprogramm der NSA (National Security Agency) namens „PRISM“ bekannt worden ist, lässt einem kalten Schauer über den Rücken laufen.

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Laut der U.S.-Amerikanischen Tageszeitung „Washington Post“ werden im Rahmen von diesem Programm sämtliche private Daten von Usern der großen Internetfirmen – darunter befinden sich unter anderem Google, Facebook und Apple – gesammelt und „gemined“ werden. Das Ganze trägt den passenden Namen „PRISM“ und deckt laut den durchgesickerten Präsentationsfolien unter anderem Daten wie E-Mails, Chats, Fotos und Videokonferenzen ab.

Auch Online-Speicherdiensten sollte man in Zukunft mit mehr Skepsis entgegentreten: Laut Berichten steht auch Dropbox ebenfalls schon auf der Liste und soll an dem Programm bald teilnehmen.

Die betroffenen Firmen hingegen dementieren und beteuern hochheilig, dass sie für keine Regierungsinstitution „Hintertüren“ offenhalten und die privaten Daten der User sehr vertraut behandelt werden. Apple behauptet indes, noch nie was von „PRISM“ gehört zu haben. In einem Statement gab der US-Geheimdienstkoordinator James Clapper zu, dass „PRISM“ vor allem zum Ausspionieren ausländischer Kommunikationsdaten eingesetzt werden würde und bestätigte indirekt, dass das Programm Realität ist.

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Viele Menschen argumentieren oft, dass sie sowieso nichts zu verbergen hätten, und wiegen sich damit in Sicherheit. Und auch wenn vieles in dieser Thematik nach Verschwörungstheorie und Paranoia klingt: Das Potenzial der Facebook, Google und Co. gesammelten Daten ist gewaltig, und spätestens wenn bekannt wird, dass eine Regierung im Prinzip uneingeschränkten Zugriff auf sämtliche Daten hat, sollten die letzten Alarmglocken läuten.

Fakt ist: Wer sich im Internet aufhält, hinterlässt freiwillig, aber auch unfreiwillig Spuren. Es gibt zwar Wege und Mittel, um im Internet anonym zu bleiben, doch für viele ältere oder technikaverse Personen ist das aufgrund der Komplexität oft nicht zumutbar.

Aus diesem Grund alleine ist das aller Wichtigste, dass man sich der Datenschutzthematik bewusst wird und man Daten nur mit größter Sorgfalt hergibt, sofern einem die Privatsphäre wichtig ist.

Ein Awareness-Projekt, welches jedem ans Herz gelegt sei, ist das von dem Tactical Technology Collective ins Leben gerufene http://myshadow.org. Auf dieser Seite wird auf explorative Weise erklärt, welche Spuren ein Nutzer mit der Benutzung von diversen Programmen und Diensten hinterlässt. Ein weiteres Projekt namens „security in-a-box“ (Homepage) bietet dann Informationen und Anleitungen zu Sicherheits- und Privacytools.

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