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Iron Maiden, Stone Sour und Co rockten das Seerock-Festival

Iron Maiden, Stone Sour und Co rockten das Seerock-Festival

Ein Festivalbericht, oder was man in 24 h Seerock-Festival alles erleben kann

Der Schwarzl-See hat gerufen und die Monster sind gekommen. Wenn sich Bands wie Iron Maiden, Behemoth, Newsted und Stone Sour nach Unterpremstätten bewegen, ist das eine Reise wert!

Die Anreise war mit einer kleinen Schnitzeljagd zu vergleichen. Die Beschilderung war spärlich und das Personal vor Ort hat uns mit fragenden Blicken Auskünfte erteilt. Nachdem das Seerock-Festival (Homepage) noch in den Kinderschuhen steckt, sei die organisatorische Konfusion verziehen. Auf Hitzebeständigkeit und Geduld wurde bei der Bandausgabe (zur Primetime am Nachmittag ca. eine Stunde Wartezeit) gesetzt und auch bei den Bars im Gelände wurde verständnisvoll eine längere Wartezeit in Kauf genommen.

Anstellen beim Seerock-Festival

Anstellen beim Seerock-Festival – (c) Verena Oberhofer

Im Allgemeinen kam das Seerock-Festival einem großen Feuerwehr-Fest näher, als einem Festival im klassischen Stil. Die Bühne stand am Parkplatz des Sees, gegenüber vom großen Parkhaus und lockte an diesem heißen Sommertag um die 15.000 Menschen an. Man zog sich dich coolsten und kühlsten Outfits an und ich würde fast sagen, dass der eine oder andere Grazer einen Hauch von Stolz im Gesicht hatte, dass an „seinem“ See die Rock-Party abgeht.

Ghost leiteten mit Infestissumam und Per Aspera ad Inferi das Nachmittagsgebet würdig ein. Papa Emeritus und seine fünf „Nameless Ghouls“ standen in Kutten auf der Bühne und lockten mit messeähnlichem Metal die Leute an. So eine spezielle Band wie Ghost unter der prallen Sonne zu hören, kann auch ohne Alkohol in einen ekstatischen Zustand versetzen. Die Köpfe wippten, die Schweißperlen kitzelten, bevor sie zu Boden fielen und das Atmen fiel schwer. Und doch war es ein gutes Gefühl da zu sein.

Behemoth, das Ungeheuer der jüdischen/christlichen Mythologie, hat ebenfalls einen Slot am späten Nachmittag bekommen. Mit zehn Songs binnen 40 Minuten jagten die Polen einen mächtigen Death Metal Sound über den Parkplatz des Sees, während Skandale wie Bibelverbrennungen auf der Bühne ausblieben.  Laien mögen die farbliche Gesichtsbemalung der Musiker als „Pandabären-Schminke“ bezeichnen, der musikalischen Herrschaft über das Gelände kam in diesem Moment dessen ungeachtet niemand aus. Ab und dann schlichen sich Soundprobleme in das Set, die man trotz der betäubenden Hitze als störend empfand.

Einen eiskalten Cocktail aus Whiskey und Orangensaft, hat man sich gewünscht und auch bekommen: Stone Sour! Gut gelaunt und energiegeladen gaben die vier Jungs dem Freizeitzentrum als Rock- Areal den letzten Schliff! Corey weiß, wie man die Meute vor der Bühne motiviert, kraftvoll holte er auch aus den von der Hitze geschwächten Menschen Bewegungen raus.

Stone Sour am Seerock Festival

Stone Sour – (c) Verena Oberhofer

Die Band, ein gut geöltes Getriebe das Freude bereitet, da es förmlich schnurrt. Seinen Gefühlen Ausdruck verliehen hat auf jeden Fall mindestens ein Besucher:

Das Black Sabbath Cover, Children Of The Grave, kurz vor dem Ende der Show belebte auch noch ältere Kanäle im Metal-Herzen.

Die Band um Maskottchen Eddie hatte um kurz vor neun ihren großen Auftritt, während „die göbe Sau“ (Bezeichnung der Sonne, laut eines Festival-Besuchers) langsam ihren Abgang machte. Iron Maiden füllten als erste Band des Tages den Wave-Breaker fast zur Gänze und gaben sich authentisch und jung.

Iron Maiden live am Seerock-Festival

Iron Maiden live am Seerock-Festival – (c) Verena Oberhofer

Die Banner, die den Hintergrund zierten, wechselten passend zu den 17 Songs und verschiedene Reinkarnationen von Eddie bekamen ihren Platz auf der Bühne. Beim Wühlen in der Uralt-Lieder-Schatzkiste wurden Knaller wie Seventh Son, The Prisoner und Afraid To Shoot Strangers entstaubt, aber auch Fan-Klassiker wie The Trooper, Number Of The Beast, Run To The Hills und Fear Of The Dark heizten die Stimmung auf.

Ein Diehard-Fan konnte die Iron Maiden-Klänge nicht aus seinem Körper bekommen und versuchte mit, in seinen Augen, gitarrenähnlichen Gegenständen das Konzert weiterzuspielen. Die Bierbank wurde ihm vom einem Security wieder entrissen.

Die Nachricht über die Absage von Dillinger Escape Plan war rechtzeitig durch die Medien gerauscht, als kurz vor Iron Maiden allerdings bekannt gegeben wurde, dass Lemmy erkrankt ist und am nächsten Tag statt Motörhead Alkbottle für gute Stimmung sorgen werden, hat die Gemüter nicht sonderlich froh gestimmt. Ein deutscher Besucher fragte mich erzürnt: „Was zum Teufel soll dieses Alkbottle sein?“. Ich gab ihm einen Hinweis mit „typische Wiener-Schnauzen-Musik“  und empfahl ihm als Aperitif ein paar Liter Bier.

Anarchy im Parkhaus

Auf dem Weg zum Campingplatz haben wir einen Blick ins Parkhaus geworfen. Dort traf man auf schwer motivierte Do-It-Yourself-Partytiere, die es sich zwischen den Autos gemütlich gemacht haben oder vom Geländer noch letzte Blicke auf den Iron Maiden Banner warfen. Untermalt von der der neuen QOTSA-Scheibe und einer willkürlich anspringenden Autoalarmanlage, konnte man einem frohen Beisammensein, Gesprächen mit frisch gepiercten und im Suff in Erklärungsnot geratenen Besuchern beiwohnen oder die Party gemütlich ausklingen lassen.

Das Parkhaus am Seerock Festival

(c) Verena Oberhofer

Schlecht beschilderte Wege, oder was „1,2,3, Gulaschsupp’n!“ noch bedeuten kann

Hatte man noch kein Platzerl für sein Zelt gefunden, wurde es jetzt langsam Zeit. Leider war der Weg zum Camping-Areal nun gar nicht mehr beschildert. An einem Zaun angekommen, wo dahinter schon die gemütlichen Zeltplätze sichtbar waren, endete die Reise. Einige müde aber im noch Kampfgeist zeigende Camper, wollten sich von dem Herrn im Warnwesterl nicht abwimmeln lassen: “Geh jez sei ned a so! Wir ham‘ genug zahlt für die Kart’n, lass und bitte durch do! Ich kann ka viertel Stund mehr an Umweg gehen, wenn i eh scho es Ziel seh‘!“ Andere spuckten härtere Töne: „Tua da söwa an G’falln und moch kurz auf!!“. Wiederum andere hatten den Masterplan: “Bei 1,2,3, Gulaschsupp‘n! renn‘ ma!“. Gesagt getan. Der Zaun war kurz offen. (Anmerkung einer Unbeteiligten: Der Zaun wurde nicht gestürmt sondern nur kurz ausgehängt und als das Wort „Gulaschsupp’n“ fiel antwortete ein Besucher ernsthaft böse:“Geh, jetzt habt’s Hunger?!?!“)

Der Ausflug war die Mühe wert und die müden Geister konnten im Schwarzlsee jederzeit wiederbelebt werden. Ein herrliches Ambiente nach einem laaangen Festival Tag. Sprüchen wie „Sogor mei‘ Urin is‘ kälter als des Scheiß-Bier!“, gaben dem Ganzen noch den richtigen Touch. Oder auch nicht?

Fazit

Das nächste Mal wären Bankomaten vor Ort nicht schlecht. Vor allem ruft es Stirnrunzeln hervor, wenn man überall die riesigen Raiffeisen-Banner sieht, aber keine Möglichkeit hat an Bargeld zu kommen. Wasserstellen bei fast 40 Grad sind auch dringend erforderlich! Alkohol gehört zum Festival, aber Bier alleine ist keine Kreislaufkurbel (liebe Grüße an die Barangestellten die dir nur einen vorwurfsvollen Blick schenken, wenn du um Soda bittest und dich vom Bierzelt wegjagen!).

Seerock-Festival Gelände

Seerock-Festival Gelände – (c) Verena Oberhofer

Prinzipiell ist das Wave-Breaker-Prinzip zu überdenken. Die Fans werden aus monetären Gründen geteilt und der Stimmungsfunke springt nicht immer über die Absperrung. Ich persönlich bin der Meinung, dass Musik verbinden soll und bin gegen die Unterteilung in Festival-Elite und Stehplatz-Otto-Normalverbraucher. VIP Bereich soll nützen wer nützen will, ansonsten soll das Motto „first come, first served“ hoch leben!

Stone Sour am Seerock-Festival

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Verena Oberhofer

‎~ pour moi, l’habitude est juste synonime de mort. ~

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