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Shantel im Interview

Shantel im Interview

Stefan Hantel, alias Shantel (Homepage), gilt als Pionier des Balkanpop und hat mit seinem Superhit Disko Partizani die Welt im Sturm erobert. Sein neues Album Anarchy + Romance wird am 25. Oktober in den Läden erhältlich sein, und klingt ganz anders, als die früheren Werke. Das war für uns Grund genug, um sich mit Shantel zu treffen und mit ihm über Anarchisten, seinen Aufstieg, punkige Nasen und über richtig beschissene Tage zu sprechen.

Hallo, Shantel! Wie geht’s dir? Wir haben gehört, du bist noch ein bisschen müde von gestern.
Ja, wir haben gestern in Hamburg ziemlich lange gefeiert.

Das muss auch mal sein. Dein neues Album heißt Anarchy + Romance. Was bedeutet dieser Titel für dich?
Ich bin jetzt unter die Anarchisten gegangen. Damit möchte ich aber die friedliche Nelkenrevolution ausrufen. Alles ohne Gewalt und alles ohne doppelten Boden. Es geht nur um die Liebe und um Friede, Freude, Eierkuchen.

Das Album ist zwar disoctauglich, jedoch nicht mehr so elektronisch wie deine früheren Werke. Warum hast du beschlossen, dieses Mal rein auf Instrumente zu setzen?
Also, die Disco musst du mir erst mal zeigen (lacht). Aber, ich wollte eine Platte machen, die ziemlich nah am Sound von meiner Band ist. Shantel und Bucovina Club Orkestar ist ja inzwischen eine sehr wichtige Spielwiese für mich geworden. Ich hatte immer das Gefühl, dass man ein Album wie Disko Partizani live gar nicht richtig ohne Laptop umsetzen kann. Bei Anarchy + Romance lag für mich der Schwerpunkt auf einer organischen, lebendigen Platte, auf der ich auch den Charakter meiner Band zeigen wollte. Ich wusste gar nicht, ob ich mit dem Disko Partizani Projekt auf die Bühne gehen sollte. Das kam alles peu à peu. Ich bin mit der Band, mit diesem Soundsystemprojekt die Treppe raufgefahren und in dieses Rock’n‘ Roll Haifischbecken eingetaucht.

Wie liefen dann genau die Aufnahmen im Studio ab?
Für mich war klar, dass dieses Album nur mit einem guten Mikro und mit wenig Schnickschnack und wenig Sounddesign produziert werden soll. Ich wollte sowas machen, wie früher in den späten 50ern oder 60ern. Man spielt 30 Mal denselben Song und nimmt dann den besten Take. So ist das Album auch ehrlich. Ich bin es den Fans schuldig, so ein Risiko einzugehen. Ich hätte nach dem Erfolgsrezept von Disko Partizani weitermachen können, aber das wollte ich nicht, sondern wollte mich weiterentwickeln.

Shantel im Interview

Die meisten deiner Fans assoziieren den Namen Shantel sofort mit Balkan Pop, was aber mit dem neuen Album nicht mehr viel zu tun hat. Warum hast du dich mit Anarchy + Romance von diesem Genre distanziert?
Es war sowieso nicht meine Ambition hier ein Vol. 3 von Disko Partizani machen. Ich wollte etwas machen, was nahe am Livesound liegt und was sich für mich richtig anfühlt. Ich habe dieses Mal auch sehr viele Songs selber gesungen, was auch neu für mich war. Man macht sich da nicht mehr so viele Gedanken darüber, ob der Sound noch so ist wie früher. Wenn die Idee funktioniert, dann beschäftigt man sich nicht mehr mit dem was man vorher gemacht hat.

Früher warst du auch noch bei dem Label Stud!o K7. Was war der ausschlaggebende Grund, dein eigenes Label Essay Records zu gründen?
Zu Zeiten von K7 war ich noch sehr in der Downtempo/Trip Hop/Electronica Szene noch etabliert. Damals war ich auch noch viel mit Kruder & Dorfmeister unterwegs. Als ich dann mit dem Bucovina-Club Musik machte, konnte K7 nicht viel damit anfangen. Sie wollten diese Musik nicht veröffentlichen. Zwei Jahre später haben sie sich wahrscheinlich in den Arsch gebissen (lacht). Ich wollte nie ein Label machen, musste es aber zwangsläufig. Glücklicherweise bin ich die Treppe raufgefahren.

Auf dem Album Anarchy + Romance gibt es einen Song namens Your Nose Is Punk. Was ist für dich eine punkige Nase?
(lacht) Du bist der Erste der mich danach fragt. Ich fand den Wortwitz super. Es gibt ja verschiedene Möglichkeiten, jemand ein Kompliment zu machen. So plumpe Komplimente, wie „Du hast schöne Augen“ oder „Deine Lippen sind toll“ sind fad. Wenn du zu einer Frau sagst: „Your Nose Is Punk“, dann wird sie sich Gedanken machen. Sie wird sich denken „Was meint er jetzt damit?“. Es gibt kein Grund, beleidigt zu sein, aber sie wird sich längere Zeit damit beschäftigen.

Ein weiterer Song ist Super Bad Day. Was muss passieren, dass du einen Super Bad Day hast?
Da muss eigentlich nicht sehr viel passieren. Das war in der Zeit, wo ich sehr sensibel die aktuellen Tagesnews verfolgt habe. Ich hatte das Gefühl, das wir in einer sehr medialdominierten Zeit. Die Medien sollten ja auch den Bildungsauftrag erfüllen, aber eigentlich hat sich alles darauf reduziert, dass die negativen Meldungen am flächendeckendsten publiziert werden. Es interessiert keine Sau, wenn wir jetzt hundert Maserninfektionen im Jahr weniger haben. Spannender ist es, wenn berichtet wird „Aids breitet sich weiter aus!“. Da gibt’s dann einen Sonderbericht wo Experten zu einer Diskussionsrunde eingeladen werden, die dann so Sachen sagen, wie: „Was ist los mit der Jugend? Vögeln die wild in der Gegend herum? Benutzen die keine Kondome?“ und so weiter. Also die negativen Schlagzeilen haben eine größere Wertigkeit, als die positiven.

Wir wünschen dir jedenfalls einen Super Good Day.
Vielen Dank!

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