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Shout Out Louds im Interview

Shout Out Louds im Interview

Im bunten Lichterspiel präsentierten die Shout out Louds am 23. März ihr neues Album im ausverkauften Wiener WUK. Dabei trafen wir die überaus sympathischen Bandmitglieder Bebban (Keyboard) und Ted (Bass) für ein Interview über Licht, Schallplatten aus Eis und Germknödel.

Hallo! Auf Facebook habt ihr erwähnt, dass seit heute euer Keyboard defekt ist. Habt ihr das Problem schon gelöst?
Ted: Es ist bereits repariert dank der netten Leute auf Facebook! Wir haben uns gedacht wir posten das einfach mal und die haben gesagt, wir sollen bei Klangfarbe anrufen und die haben uns dann geholfen.
Bebban: Das war wirklich gut! Das hat uns wirklich den Tag gerettet.
Ted: Die haben nur 5 Minuten dafür gebraucht. Zum Glück, denn wir hätten es selbst nicht machen können.

Gut, dass es funktioniert hat! Ihr habt euere erste EP vor mittlerweile zehn Jahren rausgebracht. Was hat sich seit dem für euch geändert?
Bebban: Wir sind viel älter geworden. (lacht)
Ted: Vielleicht sind wir viel bequemer geworden, einfach mehr relaxed. Gestern ist unser Keyboard kaputt geworden, aber sagen uns: „Hey, keine Panik! Wir können die Show immer noch machen“. Das passiert so oft, dass etwas kaputt oder verloren geht. Man muss einfach schauen, dass die Show trotzdem funktioniert.

Und hat sich seit dem auch euer Songwriting-Prozess geändert?
Ted: Ich glaube das ändert sich bei jedem Album.
Bebban: Es hängt davon ab. Bei dem Album („Optica“, Anm.) waren wir noch gar nicht mit allen Songs fertig, als wir ins Studio gingen. Wir sind ins Studio von einem Freund gegangen und haben dort einfach probiert neue Songs aufzunehmen. Und das haben wir dann halt für ein Jahr lang gemacht und so sind dann die meisten Songs von dem Album von Grund auf im Studio entstanden.
Ted: Beim letzten Album war Adam in Australien und hat dort die meisten Songs alleine geschrieben. Die haben wir dann gemeinsam geübt und wir haben unseren Input dazugegeben und dann haben wir es schließlich aufgenommen. Das war mehr klassisch. Dieses Mal wollten wir irgendwie alle von Grund auf dabei sein, einfach mal ausprobieren und aufnehmen und dann wieder einen Monat anhören. Die meisten Songs sind oft überarbeitet worden.

„Optica“ scheint sich vor allem um Licht zu drehen, wie man sowohl beim Album Artwork als auch bei den Videos bemerken kann. Was hat euch dazu inspiriert?
Bebban: Wir waren so lange im Studio und das war ein sehr vielseitiges Erlebnis, da hatten wir keinen fixen Weg. Da dachten wir uns, wir brauchen irgendeinen roten Faden. Ich glaube Carl hat die Idee gehabt, Licht als Hauptthema zu wählen, weil er auf Tour immer viele Fotos macht. Das Wichtigste dabei ist ja, dass das Licht gut ist. Jedes Mal, wenn er gutes Licht für ein Foto sieht, stellt er einen von uns dahin. Dabei ist aber das Licht das Ausschlaggebende, der „Rahmen“, und dann gibt es in diesem Rahmen das rein, was du brauchst. Und da dachten wir, das wäre eine gute Idee, Musik zu schreiben und aufzunehmen. Also dass wir uns einfach ein Licht als Rahmen vorstellen und da reingeben, was man für einen Song so braucht.
Ted: Außerdem hatte das Studio keine Fenster, da mussten wir unser eigenes Licht erzeugen.
Bebban: Wir waren wirklich interessiert an Licht wegen dieser ganzen Dunkelheit.

Ihr habt eine Limited Edition von eurem Song „Blue Ice“ rausgebracht – als echtes Eis. Die Leute haben ihre Schallplatte im Gefrierfach machen müssen. Ich kann mir das ehrlich gesagt nicht ganz vorstellen, wie funktioniert das, würde das nicht den Schallplattenspieler ruinieren?
Ted: Nein, überhaupt nicht! Es ist sehr dick also schmilzt es nicht all zu schnell. Aber selbst wenn es schmelzen würde, es geht eigentlich nichts davon in den Spieler rein. Du musst es aber natürlich wegnehmen, wenn du es fertig gespielt hast.

Habt ihr das Selbst ausprobiert?
Ted: Ja, klar! Wir haben es auf ganz verschiedene Arten probiert, mit destilliertem Wasser und so weiter, damit wir die beste Qualität hinbekommen. Das größte Problem war, wenn du es gefrierst, passiert es sehr leicht, dass die Platte uneben und sehr schief wird. Die Spuren selbst waren nicht so das Problem, die waren sogar ziemlich gut! Aber es war ein sehr witziges Projekt.

Auf eurer Homepage habt ihr zurzeit euren Tourplan auf einer Landkarte visualisiert. Das sieht für mich etwa so aus wie eine Reisekarte eines Interrailers. Seht ihr die Tour auch als eine Art Reise?
Ted: Ja, im Prinzip schon. Es hängt davon ab. Zum Teil reist man in einem Van, manchmal auch in einem Bus und den Rest fliegt man wieder.
Bebban: Auch hin und wieder im Zug.

Ihr könnt aber die Orte, wo ihr hingeht, schon genießen?
Ted: Ja, manchmal! Die meiste Zeit kommt man ja erst sehr spät dort hin. Dann hast du noch Interviews und Soundcheck. Aber manchmal kann man auch über Nacht im Bus schlafen, und dann den Morgen genießen mit einem Spaziergang oder man geht einfach auf einen Kaffee. Hin und wieder haben wir auch freie Tage dazwischen, aber wir versuchen, jeden Tag voll auszugestalten. Es ist nicht wirklich ein Urlaub. Es wäre netter, auf Urlaub zu sein. (lacht) Aber dann willst du schon einfach die Show spielen.
Bebban: Es fällt ja auch rundherum um die Show viel Arbeit an. Wir versuchen aber schon jeden Tag so 25 Minuten dafür einzuplanen um einfach die Gegend, in der wir spielen, anzusehen. Hier in Wien sind wir zumindest in der Stadt, aber manchmal sind wir auch irgendwo in einem Industriegebiet.
Ted: Wir schauen aber darauf, dass wir irgendwas Ländertypisches zum Abendessen bekommen. Da bekommt man auch ein bisschen was von der Kultur mit. Also heute wird es wohl Wiener Schnitzel. Das letzte mal, als wir da waren, spielten wir drei Shows und ich glaube wir hatten jeden Abend Wiener Schnitzel. (lacht)
Bebban: Und Kaiserschmarren! Und das ist vielleicht nicht wienerisch, aber Germknödel..?
Ted: Es ist eine Nachspeise?
Bebban: Ja mit Vanillesoße, das mag ich.

Ja genau. Germknödel findet man sicher irgendwo in Wien, aber es ist eher typisch für die Skigebiete.
Bebban: Ah ja, genau.
Ted: Also auf der anderen Seite von Österreich… Innsbruck oder so.

Was hört ihr zu Zeit so in eurem Tourbus?
Bebban: Es gibt einen Unterschied zwischen dem, was jeder Einzelne so hört, und dem, was wir alle gemeinsam hören. Gestern hatten wir ein witziges Spiel, wie hieß das?
Ted: „Related Artists“, auf Spotify. Aus irgendeinem Grund hat jemand von uns über The Cranberries zu Reden angefangen, also haben wir das aufgelegt. Und dann mussten wir immer einen „Related Artist“ wählen. Es war wirklich witzig.
Bebban: So konnten wir auch unseren Horizont erweitern.
Ted: Wir sind bis zu Tom Petty gekommen.
Bebban: Ansonsten spielen wir viel Fleetwood Mac.

Es gibt viele berühmte Bands aus Schweden. Welche Stimmung herrscht unter euch, gibt es da eine Art Wettbewerb oder seit ihr alle die besten Freunde?
Ted: Es ist nicht wirklich ein Wettbewerb, jedenfalls sehe ich das nicht so.
Bebban: Wir sind überraschenderweise mit vielen Bands ganz gut befreundet, zumindest die aus unserer Generation. Uns gibt es ja schon länger. Die neueren Bands sind… das sollte ich nicht so sagen, aber ich nenne sie „Hipsterbands“, bei denen ist wichtig, was du anziehst – irgendwie. Und die kennen wir nicht wirklich, die sind viel jünger. Aber die Stimmung ist wirklich überaus gut.
Ted: Ich meine, die Szene ist relativ klein, früher oder später trifft man sich. Wir haben Peter, Bjorn & John und die Concretes kennengelernt, aber auch über Lars (Drummer auf Tour, Anm.) haben wir viele Bands getroffen. Dann haben wir auch Lykke Li kennengelernt, die auch auf unserem zweiten Album Gastsängerin war. Es ist alles sehr vermischt.

Letztes Jahr hat Schweden den Eurovision Songcontest gewonnen, dieses Jahr findet er in Malmö statt. Was haltet ihr vom Songcontest?
Ted: Der ist mir egal.
Bebban: Für Familien und Kinder ist es ganz nett, so gibt es etwas, dass die gemeinsam machen können. Und die Kinder mögen die Musik. Das macht sicherlich Spaß. Für mich ist das aber einfach nur der Tod von Geschmack.
Ted: Ich weiß nicht, wie das in Österreich ist, aber in der schwedischen Vorentscheidung gibt es zehn Shows oder so. Das ist quasi eine Zeit lang jedes Wochenende. Das ist nervig.
Bebban: Aber ich mag den Song von Loreen. Auch ihre Performance war gut.
Ted: Das ist natürlich eine große Sache in Schweden. Aber nichts für uns.

Nun zur letzten Frage: Was ist das Erste, was ihr macht, wenn ihr von der Tour nach Hause kommt?
Bebban: Ich werde eine lange Dusche nehmen.
Ted: Ich werde mir ein schwedisches Sandwich machen. Mit geräuchertem Kaviar. Das ist sehr salzig.

Vielen Dank für das Interview!

Am selben Abend präsentierten die Shout Out Louds (Homepage) im bunten Lichterspiel ihr neues Album in einem ausverkauften WUK. In nicht ganz 1 1/2 Stunden mischten sie alte und neue Stücke in einer mitreißenden Show. Das man sich dabei an die Songs vom neuen Album „Optica“ – bis auf den Ohrwurm „Walking in your footsteps“ – noch gewöhnen muss, sei der Band verziehen. In der Zugabe sprang Sänger Adam schließlich ins Publikum und kam bis zu den hinteren Reihen. Hier seht ihr die Fotos des Konzerts:

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