Home   /   Movies  /   Side Effects – Filmkritik

Side Effects – Filmkritik

Side Effects – Filmkritik

Side Effects erzählt eine Geschichte von Depression und Hoffnung; vom „kalten, grauen Nebel“, der alles umschließt, und wie die Pharma-Industrie sich die Hoffnungen verzweifelter Menschen zunutze macht. Zumindest lässt uns dieser Film das zu Beginn glauben. Denn unerwartet beschleunigt die trostlose Eintönigkeit plötzlich rasant und ein paar Atemzüge später findet sich der Zuseher in einem verstrickten Thriller wieder.

Rooney Mara in Side Effects

Was passiert

Nach einem Selbstmordversuch begibt sich die depressive Emily (Rooney Mara) in die psychiatrische Betreuung von Dr. Jonathan Banks (Jude Law). Dort versucht sie, den vierjährigen Gefängnisaufenthalt ihres Mannes Martin zu verarbeiten, der wegen Insiderhandels im Bankengeschäft verurteilt wurde. Richtige Fortschritte stellen sich jedoch erst ein, als Emilys ehemalige Therapeutin, Dr. Victoria Siebert (Catherine Zeta-Jones) Dr. Banks rät, Emily mit Ablixa zu behandeln – einem neuen, noch kaum getesteten Präperat. Emilys Symptome bessern sich daraufhin schlagartig, jedoch scheint das Medikament eine unberechenbare Nebenwirkung zu haben: Schlafwandel. Dass damit nicht zu spaßen ist, muss Emilys Mann Martin am eigenen Leib erfahren, und die Auswirkungen ziehen große Kreise …

side-effects-04

Cast und Regie

Der Film besticht nicht nur durch eine verwinkelte und für Überraschungen sorgende Story, sondern auch durch den Cast. Regisseur Steven Soderbergh und Drehbuchautor Scott Z. Burns haben eine mehr als treffende Besetzung für diesen Psycho-Thriller zusammengestellt. Vor allem in den beiden Hauptrollen glänzen die Charakterdarsteller Jude Law und Rooney Mara. Law mimt den rechtschaffenen Therapeuten, der die ihm angehängte Täterrolle abzuschütteln versucht, absolut überzeugend und schafft es, den Zuseher emotional an seine Rolle zu binden. Ebenso lässt Rooney Mara die perfekte Illusion einer verzweifelten Frau vor der Kamera entstehen. Wie schon in Verblendung zu bemerken war, beherrscht sie das Spiel zwischen Unnahbarkeit, Täuschung, Kampfgeist und subtiler Verführung perfekt. Weniger künstlerisch anspruchsvoll, dafür aber mindestens genauso spektakulär wurden die beiden Nebendarsteller gewählt. Channing Tatum wurde für die Rolle des Martin Taylor, Emilys Ehemann, gewonnen, und Catherine Zeta-Jones besetzt die Rolle der Psychotherapeutin Dr. Victoria Siebert.

side-effects-05

Story und Umsetzung

Side Effects steht Soderberghs größten Erfolgen Erin Brokovich, Traffic, oder der Ocean’s-Trilogie qualitativ sicher um nichts nach. In Side Effects lässt er aber keinen Funken Humor zu, sondern baut sehr geschickt ein vor Spannung zitterndes Konstrukt auf. Obwohl der Film oberflächlich gesehen sehr ruhig und relativ entspannt abläuft, versteht es Soderbergh in seinem neuesten Streifen sehr gut, den Zuschauer immer neugieriger und nachdenklicher zu machen.

Anders als bei vielen Psycho-Thrillern verstört aber die spannende, sich drehende Handlung und der unerwartete Twist das Publikum nicht. Der Zuseher wird gleichsam vom Storyverlauf hypnotisiert, positiv eingelullt, was vor allem durch so manche eindrucksvolle und sehr gut gewählte Schauplätze und Bildimpressionen verstärkt wird. Die Filmmusik tut ihren Teil dazu, oder besser gesagt tut sie eigentlich nicht. Denn mit Musik wird in diesem Film sehr gespart. Die formal ruhige Linie des Films wird durch zurückgehaltene, kaum bewusst wahrnehmbare Klänge unterstrichen. Trotzdem wird der Zuseher in einem anhaltenden Spannungszustand gehalten. Lediglich der Anfang und das Ende bleiben dem Rezipienten musikalisch im Ohr, als eine sanfte, aber subtil Unheil verheißende Melodie dahingeklimpert wird.

Rooney Mara und Channing Tatum in Side Effects

Und jetzt ab ins Kino!

Unter dem Strich bietet Side Effects hochkarätiges Bildmaterial, eine unerwartete Storyline und glänzende Schauspieler. Zu lachen gibt es zwar nichts, dafür umso mehr Spannung, Denkstoff und Kritik am Gesundheitssystem, insbesondere der Pharma-Industrie. Besonders Fans von Steven Soderbergh sollten sich diesen Film nicht entgehen lassen – der Regisseur hat nämlich eine berufliche Veränderung angekündigt. „Side Effects“ wird somit vorerst sein letzter Film bleiben!

Side Effects

Kinostart: 26. April 2013
Regisseur: Steven Soderbergh
Cast: Rooney Mara, Jude Law, Catherine Zeta-Jones, Channing Tatum
Land: USA
Dauer: 106 Minuten
Filmverleih: Constantin Film
Film-Website
Für Fans von: Steven Soderbergh, „Girl, Interrupted“ („Durchgeknallt“), „Black Swan“

 

 

 

Von Bernd Eger und Magdalena Thur.

Home   /   Movies  /   Side Effects – Filmkritik

Tags

Related Article