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Sido – 30-11-80

Sido – 30-11-80

Nachdem Sido (Homepage) am Ende einer Live-Ausstrahlung von „Die Große Chance“, bei der er als Juror zugegen war, dem Society-Reporter Dominic Heinzl die Fresse polierte, versucht sich der Rapper offenbar etwas verantwortungsbewusster zu geben. Vor allem, weil die Staatsanwaltschaft von einer Strafanzeige des bürgerlichen Paul Würdig nur unter einer Bedingung vorübergehend zurückgetreten ist: Er muss sich die nächsten beiden Jahre am Riemen reißen. Ob deswegen sein neuestes Album beinahe reif klingt? Auf jeden Fall fällt auf: Der Bad Boy ist mit Anfang 30 nun doch ein bisschen erwachsen geworden!

Gleich in einem der ersten Tracks Es War Einmal setzt der deutsche Rapper ein Statement, das man in diesem Fall als Versprechen sehen kann:

Ja auch ich bin jetzt Anfang 30. Und so langsam zeigt sich, dass das hier richtig ist. Mich interessiert der andere Scheiß nicht. Ich verstehe das Gerede darum nicht mehr länger. So wie bei jedem hat mein Leben sich auch mit verändert

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Die weiteren Lieder des Albums erzählen Geschichten von Menschen, belehren teilweise sogar, die derbe Sprache bleibt und erfreut das Herz. Einer der Songs des Albums ist wieder dem Nachwuchs gewidmet, mit dem Versprechen, es richtig zu machen. Sidos erzählerischer Rap-Stil fügt klingt natürlich und hat nur noch an Witz dazu gewonnen. Da kommt doch gleich die Frage auf: Geht einem das Bad-Boy-Image ab?

Die Antwort geht leicht von den Lippen: Nein. Sido ersetzt banales Geschimpfe mit kreativen Assoziationen und ein wenig Ghetto-Humor – komplett umpolen lässt er sich dann doch nicht. So widmet er in Papa, Was Machst Du Da seinem journalistischen Feindbild Dominic Heinzl sogar eine Strophe:

Doch was ich nicht vermissen würde, sind Journalisten. Dieses Dreckspack, wie gerne würde ich so ein Schwein erwischen. Weil sie es nicht lassen können, sich einfach einzumischen. Mich verfolgt diese Scheiße auch in ferne Länder. Wie der eine blonde Typ von diesem Fernsehsender. (…) Ich nehm ihn zur Seite um das zu klären und dann wird er frech, bis ihm ne Faust um seine Ohren fliegt. Er sieht so lustig aus, wie er da am Boden liegt.

Bis zur Hälfte des Albums steigert sich das Hochgefühl, dass das Super-intelligente Drogenopfer tatsächlich etwas zu sagen hat und spätestens nach dem Song Enrico, mit zigeunerhaftem Sound und flottem Rap-Tempo, hat er einen auch musikalisch wieder in der Tasche!

Der zweite Teil des Albums überzeugt dann eher mit überraschenden Featurings. Da findet man dann Helge Schneider, Marius Müller-Westernhagen und Rapleigaben von Genetikk und Marsimoto.

Fazit: Wer sich vielleicht vor einem immer selben Beat und dem dauerrelaxten Rapstil des Künstlers fürchtet, dem soll gesagt sein, die Sorge ist im Endeffekt unbegründet. Sidos neues Album 30-11-80 sorgt für Abwechslung und macht Spaß. Aber seit bereit: der Rapper erzählt jetzt schon fast didaktisch wertvolle Geschichten. Diese sind aber immer noch mit leichtem Ghettofeeling und explizitem Wortschatz behaftet. Sido hat sein loses Mundwerk nicht verloren.

Sido – 30-11-80

Für Fans von: Sido
Für Hater von: Dominic HeinzlBushido
Urban (Universal)
VÖ: 29.11.2013
Gesehen um €14,99

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