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Slipknot am 4.7. in Roskilde, Dänemark

Slipknot am 4.7. in Roskilde, Dänemark

Vier renommierte Festivals beehrten Slipknot (Homepage) diesen Sommer in Europa, eines der exklusiven Gastspiele fand am 4. Juli im dänischen Roskilde (Homepage) statt.

Bereits in der Umbauphase war die Kulisse sichtbar. Auf den weißen Vorhang, der neugierige Blicke abschirmen sollte, musste verzichtet werden, da er an der halbrunden Orange Stage nicht angebracht werden konnte. Somit war der Blick frei auf das Equipment und Design der Bühne.

Am linken und rechten Rand befanden sich die Artillerie der beiden Percussionisten – Chris und Clown. Eine Komposition aus Bass, Stand und Hängetoms – flankiert von jeweils zwei Bierfässern. Im Bühnenhintergrund hing das dreifarbige All Hope Is Gone- Kunstwerk, jedoch nur zur Hälfte sichtbar, da die Orange Stage des Roskilde recht niedrig ist. Auf der zweiten, erhöhten Bühnenebene im Hintergrund befanden sich neun große, metallene Tribal S. Eines davon im Zentrum, es repräsentiert den gefallenen Bassisten Paul Gray.

Den ganzen Tag über hingen düstere Wolken bedrohlich über dem Festivalgelände, als das Intro Get Behind Me Satan eingespielt wurde, fielen die ersten Tropfen auf die bereits vor Spannung aufgeladenen Massen nieder. Doch dem Unwetter wurde keine Beachtung geschenkt, im Fokus stand die bevorstehende Messe. Das zentral positionierte Tribal S Symbol fing plötzlich Feuer und im nächsten Moment marschierten Slipknot auf die Bühne.

Es war 22:00, und begann gerade zu dämmern, als das Riffgewitter von Disasterpiece über uns hereinbrach. Die drei Trommler malträtierten die Felle und ließen mit dem massiven Druck die Meute im Wavebreaker durcheinanderwirbeln. Als Corey „Nobody stop me“ brüllte wurden Knallkörper gezündet und Rauchwolken stiegen empor. Übergangslos ging es mit Liberate vom Debütalbum weiter.

 I can’t see from here – but I can smell your fear

Slipknot live am Roskilde Festival

Slipknot live am Roskilde Festival

Der Anblick, der in weiße Overalls gehüllten Musiker, unter der orangenfarbenen Bühnezeltkonstruktion, erinnerte an in einem aufgeschnittenen Fleischklumpen wuselnde Maden. Slipknot zerstören. Mit Wait And Bleed ging es weiter.

Der Sound war exzellent und die Lichtshow sehr stimmig. Somit kamen Knüppelsongs wie Get This besonders wuchtig daher. Bei Before I Forget wurde das Publikum zum Springen animiert, untermalt wurde der Hit von vielzähligen Pyroeffekten.

Danach ging es mit dem psychotischen Eyeless ungezügelt weiter, als Corey „I am my father´s son, ´cause he´s a phantom, a mystery and that leaves me…“ schrie, brüllten ihm die tausenden Menschen vor der Bühne entgegen: „NOTHING!“

Slipknot live am Roskilde Festival

Slipknot live am Roskilde Festival

Danach war The Blister Exists an der Reihe und anschließend wurden mit Dead Memories von All Hope Is Gone zum ersten Mal gemäßigte Töne angeschlagen.

Clown rotierte gegen Ende des Songs auf seinem hydraulischen Drumkit aufgebahrt die Bühne hinab.

Slipknot live am Roskilde Festival

(c) Verena Oberhofer

Bei Sulfur war Clown dann wieder quicklebendig und bearbeitete seine Bierfässer mit einem Baseball Schläger. Faszinierend das perfekte Timing, bei jedem Treffer stach eine Flamme empor.

Mittlerweile hatte es wieder zu regnen aufgehört und die „Safe Guards“ versorgten das Publikum mit Wasser. Nach Left Behind kündigt Schneetreiben auf der Bühne einen weiteren Song von Iowa an: Gently.

Es wurde ein riesiger Freiraum für einen gewaltigen Moshpit geschaffen, die Rädelsführer drängten die Leute zurück, um mittels Gestik zu vermitteln, dass der gewonnene Platz noch frei bleiben müsse. Da Gently ein atmosphärischer und relativ Mosh inkompatibler Song ist, war das besonders kurios.

Slipknot live am Roskilde Festival

Slipknot live am Roskilde Festival

Doch es schien keine Ruhepause erwünscht und nach 1:30 Minuten, als der Song etwas an Geschwindigkeit gewann und Corey losbrüllte, preschte die Menge aufeinander los. Knochen krachten auf Knochen!

Beim Gitarrensolo des anschließenden Pulse of the Maggots stand erstmals Mick im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Erstaunlich, wie konsequent energisch er 100 Minuten lang seine Matte rotieren ließ und zwischendurch das Publikum mit bedrohlichen Blicken beunruhigte.

Vor Everything Ends orakelte Corey von einem „very special song“ für Roskilde und mochte nicht verraten, um welchen es sich handeln möge, „I just want to see the look on your faces“. Die Ansage entpuppte sich als leere Worthülse, schließlich ist Everthing Ends seit Jahren meist fixer Bestandteil einer Slipknot Show. Zu Recht.

The Heretic Anthem im Anschluss kommt dank Coreys mächtigen Stimmorgans besonders durchschlagskräftig. Nach Psychsocial wurde es bei Duality so richtig laut, die Menge sang den an Paul Gray gewidmeten Song leidenschaftlich mit. Mit Spit it Out wurde der offizielle Teil des Sets beendet und Slipknot verließen die Bühne.

Slipknot live am Roskilde Festival

Slipknot live am Roskilde Festival

Das verstörende Intro des Debütalbums, 742617000027, ließ die Manie in den Augen der moshwilligen Leute aufflackern. Unbarmherzig leitete Drummer Joey den Kracher ein und im Pit ging es abermals wild her.

Slipknot live am Roskilde Festival

Slipknot live am Roskilde Festival

You can´t kill me cuz I´m already inside you

Mit People = Shit und der Hymne Surfacing wurde weiter großzügig Kraftfutter in den Pit geschmissen, doch schien die Luft nach diesem langen Festivaltag bereits raus zu sein. Slipknot fuhren noch einmal volles Programm, Joeys Drumkit schraubte sich meterweit in die Höhe, kippte schließlich, um dann zu rotieren. Währenddessen drosch er weiter unentwegt auf seine Trommeln ein, Duzende Flammen schossen in die Höhe und Corey schrie sich beim letzten Refrain die Seele aus dem Leib: Tausende Kinnläden klappten verblüfft nach unten!

Gücklich und ausgelaugt verließen die Fans das Schlachtfeld.

Slipknot live am Roskilde Festival

Slipknot live am Roskilde Festival

Fazit: Eine energiegeladene Vorstellung, hervorragende Licht und Ton Verhältnisse sowie ein tolles Publikum.

Dennoch wird es für die Band Zeit für etwas erfrischend Neues – in musikalischer und showtechnischer Hinsicht. Coreys Ansagen sind seit vielen Jahren quasi ident – nächstes Jahr möchte er seinen Fokus wieder ganz auf Slipknot richten.

Das am Merch-Stand erstandene, exklusive Show T-Shirt „Slipknot 4.7. 2013 Roskilde, Denmark“ wird mich an eine großartige Nacht und ein einzigartiges Festival erinnern.

Gastautor: Antihero

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Verena Oberhofer
‎~ pour moi, l'habitude est juste synonime de mort. ~
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  • Roskilde Festival 2013 Live- Review

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