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Southside Festival – Tag 1

Southside Festival – Tag 1

Eine der interessantesten Autofahrten war mit Sicherheit die Reise nach Neuhausen Ob Eck, wo jedes Jahr das Southside Festival stattfindet. Nach Turbulenzen mit einer gesprengten Heckscheibe – aufgrund von Übergepäck – musste umgedreht und das Auto gewechselt werden. Dieses hatte zum Glück keine Klimaanlage (wär ja sonst zu angenehm) und es hatte in dem fahrbaren Untersatz gefühlte 50 Grad Celsius. Das änderte sich schlagartig, als ohne irgendeine Vorwarnung ein Hagel einsetzte und die meisten Autofahrer zu einer schutzsuchenden Pause zwang. Nach über 600 Kilometer und 11 Stunden im Auto erreichten wir endlich unser Ziel.

Zeitverzögerung bei der Southside Festival Anreise durch gebrochene Heckscheibe

Zeitverzögerung durch gebrochene Heckscheibe

Was sich gleich bei der Ankunft am Southside positiv bemerkbar macht, ist die Organisation. Am östlichen und westlichen Ende des Campingplatzes gibt es jeweils einen sogenannten „Bringen und Abholen“ – Platz. Dadurch wurde aus der ewigen Schlepperei von Festival-Survival-Gepäck über mehrere Kilometer eine rasche Ablieferung am Zeltplatz und danach wird jedes Fahrzeug auf seinem Parkplatz eingewiesen. Auch die Bändervergabe erfolgte relativ rasch, was den Weg gleich mal für das erste genüssliche Festivalbier ebnete. Das gemütliche Feeling hielt aber nicht lange an, denn Regen und Sturm waren schon unterwegs und erreichten das Gelände gegen 23 Uhr. So endete Tag Null ohne die zum Ritual gewordene Campingplatz-Party.

Diese wurde jedoch am nächsten Morgen gleich nachgeholt. Während Pandabären, Elefanten, Jesus mit einem Bierkreuz, Flitzer, Morphsuit-Träger, Ballerinas und noch viele weitere zwielichte Gestalten andere Gäste mit ihrer Anwesenheit beglückten, wurde bei den meisten bereits die Trichterin Barbara Salesch zu Hilfe geholt und alles ge-ext was gefunden wurde. Logischerweise hatte das einen stressigen Tag für die Johanniter (Erste Hilfe) zur Folge und für manche endete das Festival bereits, bevor es überhaupt begann.

Wer schön sein will, muss am Southside Festival schwitzen

Wer schön sein will, muss schwitzen

Den Überlebenden wurde schließlich um 15 Uhr Einlass in das Festivalgelände gewährt, wo Passenger gleich mal mit einer spontanen Akustiksession beim Merch-Stand überraschte. Das Festivalgelände selber ist sehr interessant aufgebaut. Obwohl das Southside von der Gesamtgröße mit dem Frequency verglichen werden kann, ist das gesamte Festivalgelände ungefähr so klein wie der Bereich vor der Race-Stage. Am Southside stehen die zwei Mainstages parallel nebeneinander und man benötigt zu Fuß nicht mal zwei Minuten, um von der Green Stage zur Blue Stage zu kommen.

Southside Festival: Green Stage (links), Blue Stage (rechts)

Green Stage (links), Blue Stage (rechts)

Alle Konzerte, auch die in den beiden Zelten, werden komplett auf eine Videowall übertragen und mit mindestens fünf Kameras pro Stage gefilmt. Obwohl das Gelände so klein ist, haben alle Besucher genügend Platz und auch die Anzahl an Ständen ist viel größer als auf einem der österreichischen Festivals. Alleine, wenn man die Fressstände betrachtet: Hier gibt es nicht nur die klassischen Festivalspeisen wie das Angebot von Asia-Wok, dänische Hot Dogs, Pizza Mario, Kebap oder Megaburger. Hier gibt es Burrito, Weißbier, Wein & Sekt und einfach alles, was der Magen begehrt.

Der Einlass für das Southside Festivalgelände

Der Einlass für das Festivalgelände

Am frühen Abend begeisterte Konstantin Gropper alias Get Well Soon das noch eher rare Publikum und bedankte sich mit den Worten: „Die Stimmung am Southside ist sogar so gut, dass die Leute sogar bei den ruhigsten  Lieder mitklatschen. Vielen Dank!“ Die britischen Alternative-Newcomer Alt-J lieferten eine solide Show ab und konnten unter anderem mit ihrem Hit „Breezeblocks“ die Bluestage füllen, bevor die Bühne für Two Door Cinema Club freigemacht wurde.  Die wiederum ließen es dann ordentlich krachen, und obwohl die Musik nicht unbedingt dazu einlädt, wurde gemosht, was das Zeug hielt. Zeitgleich performten im stickigen White Tent Archive. Mit mystischen Lightshows, sodass man von den Artisten hauptsächlich nur die Silhouetten erkannte, lieferten die Londoner mit Sicherheit eines der besten Konzerte des gesamten Tages.

Auf der Green Stage war Punk bis zum Headliner am Programm. Die schon sehr, sehr, sehr gealterten NoFX kämpften um die Begeisterung des Publikums. The Gaslight Anthem stellten sich da schon geschickter an und machten nach einem knackigen Auftritt die Bühne für die Queens Of The Stone Age frei. Die Euphorie der Festivalbesucher erreichte ihren Zenit als der – obwohl erst 40 Jahre alt – auch schon sehr gezeichnete Frontmann und Mastermind Josh Homme die Bühne betrat und mit der Drogenhymne „Feel Good Hit Of The Summer“ begann. Obwohl im Wavebreaker die Stimmung hervorragend war, flaute diese auf der Bühne eher ab. Die Headliner wirkten unmotiviert und der Sound war auch nicht richtig eingestellt. Die Kick des neuen Drummers Jon Theodore war zu laut, genau wie die Gitarre von Josh. Troy van Leeuwen hätte genauso gut Backstage bleiben können, denn gehört hat man seine Gitarre fast gar nicht. Die Songs wurden zwar gut gespielt – darunter auch vier vom neuen Album, die sehr gut ankamen – aber Josh gab sich ungewohnt wortkarg. Nach nicht mal ganz 70 Minuten verließen die Kalifornier ohne Zugabe die Bühne, obwohl eigentlich 90 Minuten Spielzeit geplant waren.

Queens Of The Stone Age

Queens Of The Stone Age – © FKP Scorpio

Aftershow-Party gab es ab 0:30 Uhr wahlweise mit Parov Stelar, Paul Kalkbrenner oder Ben Howard. Bei Parov Stelar war das Zelt jedoch so angefüllt, dass der Bewegungsraum sehr stark eingeschränkt war. Die Performance war jedoch sensationell. Bei Paul Kalkbrenner pfuschte der Regen ein bisschen rein, die Fans ließen sich jedoch nicht vom Party machen abhalten. Ben Howard ging es eher gemütlich im Red Tent an.  Leider ließ der Regen nicht nach und zerstörte wiedermal das gemütliche Saufgelage am Campingplatz.

Resümee des ersten Tages: Essen spitze, Wetter am Nachmittag perfekt (nicht zu heiß, nicht zu kalt, zwischendurch eine sanfte Brise), am späten Abend scheiße, Stimmung grandios, Organisation sehr gut, Wartezeit bei Bierständen ungewöhnlich kurz, Bands am Nachmittag stärker als die Headliner, Queens Of The Stone Age eine herbe Enttäuschung.

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