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Southside Festival – Tag 2

Southside Festival – Tag 2

Durch Kälte und Regen wurden wir aus unseren Träumen gerissen. Der zweite Tag des Southside Festivals begann so, wie der Erste endete. Das Wetter, das so abwechslungsreich wie das Line-up war, schlug gegen Mittag aber schnell um und plötzlich wurden die Festivalbesucher mit brennender Hitze konfrontiert. Am Samstag spielten dann auf den Main Stages Rammstein und Sigur Rós als Headliner. Aber ein Act war der heimliche Star des Tages und vielleicht sogar des ganzen Festivals: Macklemore & Ryan Lewis!

Anscheinend wurden die beiden für das Festival gebucht, bevor sie durch Thrift Shop so bekannt wurden. Ursprünglich hätten Macklemore & Ryan Lewis eine halbe Stunde im White Tent spielen sollen. Doch zum Glück waren die Veranstalter so vernünftig, das zu ändern, denn was da abging, war Headliner Niveau. Um 14 Uhr 35 war der Bereich um die Blue Stage mit einem Menschenmeer gefüllt, wie es sonst nur bei den ganz großen Bands der Fall ist. Dann wurden die ersten Töne von Ten Tousand Hours angestimmt und die Meute flippte aus. Macklemore versprühte Energie und gute Laune und performte sensationell gut. Vor Thrift Shop holte er sich die verschwitzte Pelzjacke von einem Festivalbesucher, verglich diese mit einem „wet dead dog“, zog sie schließlich an und legte los. Bis in die letzte Reihe der Fans wurde getanzt und gefeiert. Zum Abschluss und zur Krönung wurde Can’t Hold Us zum Besten gegeben und Macklemore & Ryan Lewis bewiesen souverän, dass eine Band auch am Nachmittag das Festivalgelände komplett füllen kann.

Der Campingplatz des Southside Festivals

Der Campingplatz des Southside Festivals

Danach fand eine Völkerwanderung zurück zum Campingplatz statt, als wäre der Tag schon vorbei. Doch das war er noch lange nicht. Zunächst erfrischten sich die meisten mit einem kühlen Blonden und spielten Saufspiele, holten wieder den Rat der weisen Trichterin Barbara Salesch ein, performten Akustikkonzerte (extrem geiles Cover von Seether’s Broken) und fackelten mal gemütlich ein paar Campingstühle ab. Mehr seht ihr in den kommenden Tagen in unserer Videodoku vom Campingplatz.

Ein weiterer österreichischer Act, der neben Parov Stelar das gesamte Zelt befüllte, sodass sich weitere Besucher mit Videowall zufriedengeben mussten, war Left Boy. Die Stimmung im Red Tent war am Kochen. Nach dem Konzert haben wir Left Boy für euch kurz getroffen und mit ihm über Gratisdownloads und Magic The Gathering gesprochen. Interview folgt in Kürze. Später sorgten The Hives wie gewohnt für gute Laune, bevor Billy Talent Klassiker wie Red Flag auspackten, die Sprunggelenke der Fans beanspruchten, ganz kitschig „the most beautiful thing in the world“ ankündigten und eine Kamera auf das Publikum richteten. Bei Rammstein stand wie immer fast die gesamte Bühne in Flammen. Die Performance war aber ziemlich gleich wie am Nova Rock, deshalb sparen wir uns hier die Berichterstattung.

The Hives live am Southside Festival – © FKP Scorpio

The Hives – © FKP Scorpio

Was aber unbedingt einen ausführlichen Bericht wert ist, war der Auftritt von den amerikanischen Indie-Rockern The National. Bei perfekter Dämmerungsatmosphäre wurden sowohl alte als auch neue Hits performt. Auf den Liederwunsch von Rains Of Castamere (Soundtrack von der Hitserie Game Of Thrones) antwortete Sänger Matt Berninger mit einem Lächeln „We can’t play that. It will start a war. We are Lannisters. I’m a fucking Lannister!“ Er ließ es sich aber nicht nehmen, die Fans damit aufzuziehen und kündigte einen Song mit „The next song is called The Rains Of Castamere… Nope, just kidding“ an. Anschließend sprang der sympathische Amerikaner mit der markanten Baritonstimme direkt in das Publikum, um von dort aus weiter zu performen. Damit ist aber nicht gemeint, dass er im Fotograben von ein paar Securities gehalten wurde. Nein, er stand mitten in der Meute. Diese Band sollte man unbedingt live gesehen haben.

Etwas ruhiger ging es bei Portishead zu. Ohne irgendwelche Zwischenkommentare von Sängerin Beth Gibbons konnten sich die Fans von der Musik mitreißen lassen. Ebenso magisch war der Auftritt von den isländischen Sigur Rós. Die mystische Stimme von Jonsí lockte jeden Einzelnen in eine Traumwelt, in der Geschichten auf Hopelandic – der von Jonsí erfundenen Sprache – erzählt wurden. Die Lightshow war zunächst äußerst minimalistisch, brach gegen Ende aber in ein faszinierend energisches Lichterspiel aus. Das Publikum war glücklich, es wurde wieder kalt und schon verkrochen sich die meisten wieder in ihren Schlafsäcken.

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