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Tegan and Sara im Interview

Tegan and Sara im Interview

Im Zuge ihrer aktuellen Europatour machten die  kanadischen Zwillingsschwestern und Frontfrauen von Tegan and Sara auch Halt in Wien. Im Goldfassl Magazin der Ottakringer Brauerei standen uns die beiden Rede und Antwort.

Hallo, wie läuft die Tour soweit?
Tegan
: Die Tour läuft gut und wir haben viel Spaß. Ich liebe es, in Europa unterwegs zu sein und normalerweise ist es schon auch anstrengend, aber diesmal fühlt es sich überhaupt nicht so an. Es ist großartig, an so vielen neuen Orten zu sein, da es viele Jahre gab, in denen wir nur in denselben Ländern gespielt haben – nichts gegen Deutschland, Frankreich und Belgien. Aber die Luft ist geladen mit Anspannung und das Publikum ist so dankbar, dass wir hier sind, das ist ein super Gefühl nach 14 Jahren. Und natürlich ist es auch toll, mehr von Europa zu sehen. Gestern hatten wir einen ganzen Tag Zeit, um herumzulaufen und Eindrücke zu sammeln, das ist das große Privileg, wenn man auf Tour ist.

Mehr: Tegan and Sara – Heartthrob CD Review

In einem früheren Interview erwähnst du, Sara, dass gute Popsongs immer auch Herz und Seele in sich tragen müssen und dich die Popkultur manchmal verrückt macht. Konntet ihr deinen eigenen Erwartungen an Popmusik Heartthrob gerecht werden?
Sara
: Ich glaube schon, dass wir das geschafft haben. Ich glaube es war 2009 als Alicia Keys den Song Try Sleeping With A Broken Heart veröffentlicht hatte, und ich kann mich noch genau daran erinnern, als ich ihn gehört habe. Ich fand, das Lied war so authentisch und es war ein Gefühl, das ich verstehen konnte. Diese Idee, dass jemand buchstäblich in seiner eigenen Trauer badet, erschien mir so deprimierend. Und ich glaube, das war der Moment als Mainstream-Popmusik für mich erst wieder interessant wurde. Teilweise war es aufgrund der Texte und der Menschen hinter der Musik, manchmal auch nur wegen der Produktion. Aber wir würden kein Pop-Album auf eine andere Art und Weise machen und immer versuchen sehr ehrlich zu sein und uns in Bezug auf uns selbst und unser Leben offen zu zeigen. Mir würde die Verbindung zum Publikum fehlen, wenn wir etwas zu Überzogenes machen würden.

Tegan And Sara

Heartthrob unterscheidet sich dadurch auch sehr von vorigen Alben wie The Con oder So Jealous. Hattet ihr Angst, dass es den Fans nicht gefallen könnte oder sie die Veränderung nicht schätzen?
Sara
: Wir haben immer Angst (lacht)
Tegan: Wir sind immer gespannt darauf, was die Leute sagen, wenn wir etwas Neues veröffentlichen. Wir sehen unser Publikum als ein breites Spektrum an Menschen. Jedes Jahr bringen wir eine neue Platte raus, die eine andere Gruppe von Menschen anspricht. Wenn es darum geht, neue Musik zu machen, glauben wir einfach daran, dass unsere Fans auch alle für uns da sind und solange das worüber wir singen Tiefe, Verletzlichkeit und Substanz hat, ist die Musik manchmal sogar zweitrangig für Tegan and Sara-Fans, glaube ich. Sie wollen die Geschichte, die Verbindung zum Song. Deshalb würde ich sagen, wir hatten keine Angst, Fans zu verlieren, sondern uns einander als Band. Es war an der Zeit, neue Entscheidungen zu treffen und einen neuen Weg zu gehen. Wir machen seit über einem Jahrzehnt Musik, deshalb mussten wir sozusagen eine neue und frische Band werden, die guten Dinge mitnehmen und die schlechten zurücklassen. Was wir auch hinter uns lassen mussten, war die Tatsache, dass wir nicht dazu fähig sind, eine bekannte Mainstream-Band zu sein, denn das sind wir einfach nicht. Wir wären nicht imstande dazu den Mainstream zu durchbrechen und in dieser Kultur und Popkultur akzeptiert zu werden – deshalb haben wir das einfach hinter uns gelassen und uns trotzdem gesagt „Yes we can“.

Geht es denn bei dem Song I’m Not Your Hero genau darum, also etwas Neues zu versuchen?
Sara
: Ich habe den Song eigentlich über Gemeinschaften geschrieben, denen wir angehören – wir sind beide Feministinnen, beide homosexuell. Es geht um die politischen Aspekte, die mir wichtig sind. Es geht dabei um die Kämpfe, die man hat, wenn es darum geht, diese Überzeugungen beizubehalten. Das betrifft aber auch die Probleme innerhalb dieser Gemeinschaften. Wir wurden viel dafür kritisiert, mit welchen Künstlern wir zusammenarbeiten, wie wir aussehen oder wenn sich unterschiedliche Ansichten nicht in eine Reihe bringen ließen. Das fühlte sich sehr bedrückend an für mich. Denn uns sind diese Dinge immer noch sehr wichtig und der Song beschreibt eben diese Probleme, die ich im Laufe der Jahre hatte, vor allem wenn die Menschen, die auf deiner Seite sein sollten, es nicht sind.

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Da ihr ja fast nur auf Tour seid, bleibt euch überhaupt die Zeit diese emotionalen Dinge selbst zu erleben?
Sara
: Manchmal ist das Problem eher, dass man zu viel Zeit hat darüber nachzudenken. Meine Freunde, die einen traditionellen Lebensstil haben, also fünf Tage die Woche arbeiten und am Wochenende frei haben, sind in einer ganz anderen Routine. Deshalb glaube ich auch, dass sie viel ausgeglichener sind. Wenn man unterwegs ist, bleibt viel mehr Zeit für Introspektion, wodurch man vielleicht ein bisschen zu einem Träumer wird. Dadurch kann man sich das was man fühlt in einer Art beschönigen, wie es normale Menschen gar nicht können. (lacht) Ich glaube deshalb sind Künstler auch so gequält, weil sie zu viel Zeit haben über sich selbst nachzudenken.

Eine Frage zum Schluss – im Internet gibt es Listen, die Tipps geben, wie man euch auseinanderhalten kann. Was würdet ihr sagen, ist der größte Unterschied zwischen euch beiden?
Tegan
: In Bezug auf Musik sind wir sehr verschieden. Sara ist da sehr genau und sie verbringt viel Zeit damit, ihre Songs zu perfektionieren. Ich tendiere eher dazu, die Ideen schnell rauszukriegen und gleich einiges an Inhalt aufzunehmen. Und ich habe nicht so viel Geduld, wenn es um die Nuancen geht. Das sieht man wohl auch in unseren Persönlichkeiten, Sara ist genauer und spezifischer in ihrem Leben, während ich eher so bin „Let’s just go! Let’s just do it! Let’s make a decision! Now, now, now!“ Ich glaube, das ist so ziemlich der größte Unterschied zwischen uns.
Sara: Und dass ich mir in der Früh die Haare kämme. Letztens kam Tegan morgens rein und hat mich verwundert gefragt, was ich da mache und ob ich mir wirklich die Haare kämme. (lacht)
Tegan: Du hast kurze Haare, dafür hat man doch kurze Haare.

Tegan And Sara, Vielen Dank für das Interview!

Hier geht’s noch zum Live-Video von der Acoustic Session!

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