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The Fratellis – We Need Medicine

The Fratellis – We Need Medicine

Es ging ein schwermütiges Raunen durch die Reihen der Britrock-Anhänger, als The Fratellis (Facebook) eine Bandpause von unvorhersehbarer Länge ankündigten. Mit ihren zwei bis zum damaligen Zeitpunkt veröffentlichten Studioalben waren sie zwar eher Kickstarter als Urgesteine in der Szene, nichtsdestotrotz entstammten diesen Alben Indie-Klassiker wie Whistle For The Choir und Chelsea Dagger (welches bis heute Seven Nation Army als Stadion-Gegröle die größte Konkurrenz macht).

Im Juni 2012 kündigte das schottische Trio an, noch im selben Jahr erstmalig wieder gemeinsam auf der Bühne stehen zu wollen. Rund ein halbes Jahr später sagten sie mit We Need Medicine ihr Comeback-Album an (wir berichteten). Das wurde, gegenteilig zum Debütalbum Costello Music, zu Hause in Glasgow aufgenommen. Das Produktionsteam bestand aus Frontman und Songwriter Jon Fratelli und Stuart McCredie, der bisher unter anderen mit Pacifica und Belle & Sebastian zusammenarbeitete.

Fratellis-WeNeedMedicine

Die ersten Töne der neuen CD werden dem Hörer von Halloween Blues um die Ohren gepfeffert. Der Titel des Songs ist in diesem Fall kein leeres Versprechen: Eine gehörige Portion fünfziger Jahre Rock’n’Roll, ein ausgedehntes Saxophon-Solo über einen Chorus und mehrere Unisono-Passagen präsentieren sich definitiv als eine erste Überraschung. Jedenfalls scheint das Trio zeigen zu wollen, dass es nicht auf der Stelle stehen geblieben ist!

This Old Ghost Town setzt die Reise von Glasgow nach Nashville, Tennessee fort. Mit einer Hookline, die ein wenig an den Stil von Chelsea Dagger erinnert, fährt der Song kompromisslos auf dem Party-Gleis. Inwiefern das als positiv anzusehen ist, bleibt fraglich – letzten Endes klingt das Lied ein bisschen nach einer 18-Jährigen Pop Punk-Band ohne viel Hintergrund.

Ähnliche Probleme wie This Old Ghost Town weist auch die erste Single des Albums, Seven Nights Seven Days, auf. Man kann den Fratellis (Homepage) hier eigentlich keine Vorwürfe machen – als vorwärtstreibende Gute-Laune-Nicht-Viel-Nachdenken-Songs strahlen die Lieder in Perfektion. In Sachen musikalischer Reife fühlt es sich jedoch so an, als hätte die Band sogar gegenüber ihrem 2006 erschienenen Debütalbum einen Rückschritt gemacht.

She’s Not Gone Yet But She’s Leaving ist für mich eine der Perlen des Albums. Der Stil des Songs erinnert ein wenig an die Suck It And See-Ära der Arctic Monkeys und die Hook-Zeile brennt sich schon nach ihrem ersten Auftauchen unwiderruflich ins Gehirn ein. Songwriter Jon Fratelli hat für genau diese eingängigen Refrains ein unfassbares Gespür – es gibt kaum einen Song ohne zumindest eine Melodie mit Ohrwurm-Charakter.

Am restlichen Album mit Songs wie This Is Not The End Of The World, Jeannie Nitro und We Need Medicine, setzt sich leider das Problem der fehlenden Seele fort. Alle diese Lieder eignen sich sicher gut dazu, sie auf einer Feier aufzulegen und ihr Potenzial als Stimmungsmacher auszunützen. Gut möglich, dass wir von dem einen oder anderen Song durch eben diese Eigenschaft noch mehr hören werden – leider jedoch fehlt es We Need Medicine an Tiefgang und läuft somit Gefahr, nach ein paar Durchläufen der CD seinen Reiz zu verlieren. Schade!

The Fratellis – We Need Medicine

Für Fans von: Arctic Monkeys, Babyshambles
Island Records
VÖ: 07.10.2013
Gesehen um 12,99€

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