Home   /   Movies  /   The Master – Filmkritik

The Master – Filmkritik

The Master – Filmkritik

„I am a writer, a doctor, a nuclear physicist and a theoretical philosopher. But above all, I am a man, a hopelessly inquisitive man, just like you.“

Mit diesen Worten stellt sich der charismatische Lancaster Dodd dem alkoholabhängigen, traumatisierten und Unruhe stiftenden Kriegsveteran Freddie Quell vor, der, nachdem er bereits mehrere Jobs verloren hat und wieder einmal dem Alkohol verfällt, auf dem luxuriösen Kreuzfahrtschiff von Dodd gelandet ist. Zwischen Freddie und Dodd alias The Master beginnt von diesem Augenblick an eine seltsame Beziehung. Dodd – Gründer einer sektenartigen Bewegung namens „The Cause“ – ist angetan von der verfallenen, schiefen Persönlichkeit von Freddie und sieht in ihm eine Chance, eine Möglichkeit der Heilung.

Schnell sieht Freddie in Dodd die Führerpersönlichkeit, nach der er lange gesucht hat, und wird dabei zum loyalen Anhänger von „The Cause“. Mit kuriosen Therapien, beunruhigenden Frage-Antwort-Spielen und beängstigenden Hypnosemethoden will Dodd seine Anhänger heilen und „perfekt“ machen. Parallelen zu Scientology werden schnell deutlich. Der von Philip Seymour Hoffman verkörperte Dodd weist lose, aber auffällige Ähnlichkeiten zu L. Ron Hubbard auf und auch die Eckdaten wie das Gründungsjahr 1950 von „The Cause“ scheinen nicht von irgendwo her zu kommen.

Doch The Master ist sicherlich kein Scientology-kritischer Aufdeckungsfilm, wie vor Filmstart von vielen Seiten vermutet wurde. Es ist aber auch kein Film, der leichtfertig mit der schwierigen Thematik umgeht. Vielmehr zeichnet der Regisseur Paul Thomas Anderson (Magnolia, There Will Be Blood) mit Lancaster Dodd ein Bild, welches auf jede Art von Führer passt. Und man wird als Zuschauer zunehmend verstört. Im Kern konzentriert sich der Film vor allem auf die Entwicklung der beiden Hauptcharaktere und deren Verhältnis zueinander, dennoch wird man immer wieder zum Nachdenken angeregt.

The Master 2

Joaqin Phoenix stellt dabei auf atemberaubende Weise die verstörte und doch anziehende Person des Freddie Quells dar und Hoffmann spielt in Orson-Welles-Manier perfekt einen charmanten, charismatischen aber dennoch furchteinflösenden Sektenführer. Die unzähligen intensiven Szenen, wo die beiden Persönlichkeiten aufeinanderprallen, sind Zeugnis für die Leistung der beiden Schauspieler. Und genau diese Szenen sind es auch, die den Film so einzigartig machen. So mancher Schlagabtausch zwischen Freddie und Dodd erzeugt durch die Intensivität und die Energie bei dem Zuschauer ein unbehagliches Gefühl, das zu der verstörenden Natur des Films beiträgt.

Auch die Bildgewalt des Filmes gemischt mit dem verstörenden Soundtrack trägt zur Atmosphäre bei. Lange, ruhige und vor allem schön komponierte Einstellungen werden untermalt von der oftmals nervösen Musik. Diese stammt dabei wieder aus der Feder von keinem Geringeren als Radioheads Jonny Greenwood, der auch schon den Soundtrack von PTAs letzten Film „There Will Be Blood“ komponieren durfte. Eine Kooperation, die in der Form hoffentlich noch lange besteht, denn der Soundtrack passt wahrlich meisterhaft ins Bild.
Einziges Manko des Filmes ist die leichte Überlänge, stellenweise wirken Szenen langwierig und nichtssagend. Doch darüber kann man bei den wirklich einzigartigen Darbietungen der Schauspieler schnell hinwegsehen.

Der Film hat eine ganz spezielle Wirkungsweise. Es wird von Anfang an Unbehagen erzeugt, das vor allem von „The Cause“ und dessen fragwürdigen Praktiken ausgeht. Die Mischung von Kamera und Musik verstärkt dieses Unbehagen. Gelegentlich bekommt man auch Mitleid für Freddie Quell und seine traurige Person. Am Ende des Films steht man da, weiß nicht genau, was man da jetzt fast 2 1/2 Stunden gesehen hat und fühlt sich leicht beunruhigt und verstört. Vielleicht wird auch so mancher Zuschauer den Schlusseffekt, den man sich bei der Brisanz des Themas erhofft, vermissen. Doch der Film wirkt. Und das Gefühl, das The Master dabei hinterlässt, bleibt aufrecht.

The Master

Kinostart: 21. Februar 2013
Regisseur: Paul Thomas Anderson
Cast: Joaquin Phoenix, Philip Seymour Hoffman, Amy Adams
Land: USA
Dauer: 144 Minuten
Filmverleih: Senator Film Verleih
Film Website
Für Fans von: There Will Be Blood, Magnolia

Home   /   Movies  /   The Master – Filmkritik

Tags

Related Article