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Wie Netflix und Co die Piraterie stoppen könnten

Wie Netflix und Co die Piraterie stoppen könnten

Der US-amerikanische Streaming-Dienst Netflix hat seit heute die komplette neue Staffel der 2006 abgesetzten Kultserie Arrested Development im Programm und erweitert damit das noch junge hauseigene Serien-Repertoire. Während in den USA viele Fans die Serie legal konsumieren werden, kann man hierzulande höchstens auf einen baldigen DVD-Release hoffen – oder den illegalen Weg wählen und die Serie downloaden beziehungsweise auf dubiosen Seiten streamen. Es ist an der Zeit, dass sich das ändert.

Auf dem amerikanischen Sender HBO läuft mittlerweile die 3. Staffel der äußerst erfolgreichen Serie Game of Thrones. Hierzulande wird man wohl noch länger warten müssen, um legal in den Genuss der neuen Staffel zu kommen. Das scheint aber nicht viele zu kümmern, denn Game of Thrones hat 2012 einen Rekord geknackt, auf den HBO wohl nicht so stolz ist: Die Serie war laut Analysen des Blogs TorrentFreak.com die am meisten illegal heruntergeladene Serie.

Game of Thrones

 

Nach dem Start der dritten Staffel wurde ein weiterer Rekord geknackt: Mit mehr als 160.000 Personen hatte die erste Folge der Staffel den größte BitTorrent-„Schwarm“ (der Schwarm besteht aus Personen, die die Datei gerade herunterladen und jenen, die die Datei schon fertig geladen haben und nun selbst zum Mitanbieter des Downloads werden) bei einer einzigen Torrent-Datei. Weitere Analysen zeigen auch, wo am meisten Piraterie der Serie betrieben wurde: USA, dicht gefolgt von Großbritannien und Australien. Hier geht’s zum Original-Artikel

Es macht natürlich Sinn, dass Großbritannien und Australien in diesen Statistiken ganz weit oben sind, fehlt es dort doch an Möglichkeiten, die Serie legal und möglichst zeitnahe an der Ausstrahlung zu sehen. Doch auch in den USA, wo man theoretisch HBO-Kunde werden kann, sprechen die Statistiken für sich.

HBO scheint sich dessen aber bewusst zu sein, und hat auch scheinbar nicht wirklich ein Problem damit. Der Programmchef von HBO, Michael Lombardo, hat in einem Interview mit Entertainment Weekly angemerkt, dass die hohe Piraterie eine Art Kompliment ist und die DVD Verkäufe in keinster Weise negativ beeinflusst. Hier geht’s zum Original-Artikel

Arrested Developement

 

Das klingt fast so als wäre Piraterie eine Win-win-Situation, ein Freibrief zum Downloaden ist das allerdings nicht. Viele Nutzer, die bereit sind zu zahlen, begeben sich zwangsweise in die vielerorts rechtliche Grauzone oder machen sich bewusst strafbar. Gegen Filesharing wird auch weiterhin rigoros vorgegangen, das Abmahngeschäft boomt.

Hier kommen Netflix und Co ins Spiel.

Mitgründer und Geschäftsführer von Valve, Gabe Newell, sagte einst in einem Interview, dass Piraterie in den meisten Fällen ein Service Problem sei. Und das scheint auch zu stimmen, denn sieht man sich die Statistiken von Netflix an, ist das Einzige, das Piraterie wirklich auf ein Minimum reduzieren kann, ein faires, überall zugängliches Angebot.

In einem 2011 erhobenen Bericht des Netzwerkausstatters Sandvine Inc. ging hervor, dass Netflix dazumal mit 22.2% des gesamten Datenverkehrs der USA das mit 21.6 % ausgewiesene BitTorrent überholt hat. Auch wenn die Zahlen mit Vorsicht zu genießen sind – schließlich heißt BitTorrent nicht immer Piraterie und außerdem gibt es noch andere Wege, um an Inhalte zu gelangen – ist es doch ein Zeichen, dass Streaming-Dienste am Siegeszug sind.

Gerade heutzutage, in einer Zeit, wo schnelle Internetanbindung selbstverständlich geworden ist und sich auch das Konsumverhalten von Musik, Filmen und Serien längst geändert hat, muss sich eine zunehmend von Piraterie geplagte Industrie anpassen. Netflix-Programmchef Ted Sarandos hat das Hauptproblem vieler Medienkonzerne auf den Punkt gebracht: „You can’t use the internet as a marketing vehicle and then not as a delivery vehicle.“

Doch wie funktioniert Netflix überhaupt? Für 7.99 US-Dollar im Monat hat man als Abonnent Zugriff zu tausenden Serien und Filmen und kann on-demand und ohne Einschränkungen streamen so viel man will. Hört sich nach einem fairen Deal an. Die Frage nach dem Content ist hier wohl die Gretchenfrage.

Netflix

 

Netflix hat beispielsweise nur Serien und Filme im Programm, die bereits auf DVD erschienen sind, und auch wenn dazu Dauerbrenner wie Breaking Bad oder Mad Men zählen, muss man dennoch warten, bis neue Folgen verfügbar sind. Hulu, der direkte Konkurrent von Netflix, hat hier den Vorteil, denn hier werden auch brandneue Folgen verfügbar gemacht. Leider ist das Angebot weitaus schlechter als bei Netflix.

Streaming-Anbieter, egal ob im Film-, Serien- oder Musikbereich, gibt es in den USA mittlerweile wie Sand am Meer und man hat das Gefühl, dass jede Woche ein neuer Großkonzern bekannt gibt, einen Streaming-Dienst zu starten. Vor rund einem Monat stieg auch Twitter mit dem Dienst „#Music“ in das Musik-Streaming-Geschäft ein, ebenso wie Google mit „All Access“.

Der Internet-Riese Yahoo hat nun nach der Tumblr-Übernahme Hulu im Visier und Gerüchte besagen, dass Netflix das Angebot in Europa erweitern will – bislang ist der Streaming-Dienst in Europa nur in Großbritannien und Skandinavien verfügbar.

Das alles zeigt, in welche Richtung die Industrie steuert und wie On-Demand-Services auch weiterhin eine zunehmende Rolle spielen werden. Piraterie wird sich vermutlich nie ganz vermeiden lassen und ein gewisses Hintergrundrauschen wird es wohl immer geben. Doch ein Umdenken findet nun scheinbar endlich statt und die Medienlandschaft passt sich langsam aber sicher den neuen Gegebenheiten an.

Bleibt abzuwarten, wann auch in Österreich ein ähnlicher Dienst wie Netflix startet, denn zurzeit kann man den Dienst nur mithilfe von diversen Browserplugins oder VPN-Services nutzen.

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