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Woodkid – Planet.tt im Gasometer

Woodkid – Planet.tt im Gasometer

Am 31.05.2013 gab Woodkid sein Debütalbum The Golden Age im Wiener Gasometer zum Besten. Wie es war? Episch. Es gibt kein besseres Wort, um dieses Konzert zu beschreiben. Uns würde es nicht wundern, hätte das Multitalent diesen Ausdruck überhaupt erst erfunden.

Thomas Azier live im Gasometer 2013

Thomas Azier – (c) Anna Obermeier

Den Abend eröffnete Thomas Azier. Der gebürtige Niederländer macht Pop, doch irgendwie definiert er ihn neu. Denn der 24-Jährige mischte modernen Elektro-Pop mit Retro-Synth-Sound. Die anfängliche Skepsis nach dem Intro verflog aber schnell. Spätestens als seine beeindruckend kraftvolle Stimme zu hören war. Das junge Talent hatte mit 19 Jahren alles zurückgelassen und war nach Berlin gezogen. Seither hatte Thomas Azier nichts anderes gemacht, als sein Leben ganz der Musik zu widmen. Dass sein gesamtes Herzblut in den Liedern steckt, war auch beim Auftritt deutlich zu sehen und zu hören. Das mag der Grund gewesen sein, dass die Halle schon um 20 Uhr beinahe voll war. Die Songs wirkten dramatisch und euphorisch zugleich, kein Wunder also, dass sich auch Woodkid als Fan geoutet und ihn als Vorband für seine gesamte Europatour engagierte hatte. Fehlen durften natürlich nicht die Debütsingle Red Eyes und ihr Nachfolger Angelene.

Woodkid live im Wiener Gasometer

Woodkid – (c) Anna Obermeier

Dann, um 21 Uhr, war es endlich so weit: Eine Posaune spielte, die Töne einer Orgel waren zu hören – sonst nichts. Bis seine Stimme einsetze, leise und bezaubernd. Im Publikum war es still, Yoann Lemoine alias Woodkid hatte es bereits mit dem Intro und seinem ersten Song Baltimore voll in seinen Bann gezogen. „Hello Vienna! It’s nice to meet you“, sagte der sympathische, bärtige Franzose auf der Bühne. Und die Freude war ganz unsererseits. Auch wenn Lemoine erzählte, dass sein erster Wien-Besuch eines seiner langweiligsten Erlebnisse war. Das machte nichts aus. Denn Woodkid ließ seine Fans Freitagabend in eine andere Welt entgleiten, wunderschön düster und doch voller Leichtigkeit und Optimismus. Jedes der Lieder war emotional, schwer und doch gaben sie dem Zuhörer das Gefühl zu schweben. Das mag jetzt übertrieben und kitschig klingen, doch beschreibt es den Abend einfach zu gut. Und Lemoine selbst hat einmal in einem Interview gesagt: „I want people to feel like heroes when they hear my music.“ Wer sich ein ruhiges Konzert erwartet hatte, sollte enttäuscht werden. Schon beim vierten Lied The Golden Age verwandelte sich der Gasometer in eine ausgelassene Party und der gut gelaunte Lemoine hatte seine Meinung über Wien bereits wieder geändert.

Woodkid live im Wiener Gasometer

Woodkid – (c) Anna Obermeier

Plötzlich ging das Licht in der gesamten Halle an. „I want to see you. You are beautiful! I love you!“, legte Woodkid eine Liebeserklärung an seine Fans ab, um gleich seine aktuelle Single I love you anzustimmen. Begleitet wurde er von sieben Musikern – davon drei Bläser, zwei Schlagzeuger und zwei Keyboarder. Der Sänger in der Mitte wirkte wie ihr Dirigent, er kannte jeden Ton, bewegte immer wieder seine Arme im Takt. Woodkid spiegelte sich in jedem der Lieder wider oder vielleicht auch umgekehrt. Die Songs waren jedenfalls genauestens durchdacht und bildeten in Verbindung mit der gewaltigen Lichtshow ein Gesamtkunstwerk. Dazu kamen die Filme und Effekte auf der riesigen Leinwand. Einmal schwebte man über Berge, ein anderes Mal ins All oder in eine Höhle aus Bergkristallen. Genau so, wie es von dem Regisseur und Produzent seiner eigenen Musikvideos zu erwarten war. Als Zugabe gab’s Run Boy Run. Einige Zuseher durften auf die Bühne kommen und mit der Band tanzen. Auch das restliche Publikum wurde durch mitreißende Perkussion-Klänge angestachelt. Und so ging’s zum Schluss noch einmal voll ab, es wurde gehüpft und gejubelt. Zum krönenden Abschluss kam The other side und somit war das gesamte Album The Golden Age durchgespielt worden (bis auf den Song Wasteland). Um 22.14 Uhr verabschiedete sich Woodkid (Homepage), zuvor versprach er noch wieder nach Wien zurückzukommen – und zwar mit gesamtem Orchester. Wir können es kaum erwarten!

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