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Broilers im Interview

Broilers im Interview

Bevor die Broilers (Homepage) kürzlich die ausverkaufte Arena in Wien rockten, hatten wir Zeit uns mit Bassistin Ines und Gitarrist Ron zu treffen, um ein bisschen über das neue Album Noir und das Punkerdasein zu plaudern.

Hallo ihr zwei! Broilers war mit Santa Muerte schon ziemlich erfolgreich, aber Noir schaffte es auf Platz eins der deutschen Albumcharts (Österreich Platz sieben). Wie geht ihr damit um, ist es eine große Veränderung?
Ines: Eine Veränderung dadurch, dass wir jetzt auf die eins gekommen sind, spüren wir nicht. Es war für uns auch nicht so, dass wir gesagt haben, Noir muss auf die eins kommen. Es ist eine unglaubliche Glückssache! Wir sind dankbar dafür, aber ich glaube eher, dass außenstehende Menschen sich mehr darüber freuen als wir. Es ist nicht so, dass wir uns nicht darüber freuen, aber…
Ron: …es zeigt uns halt, dass die Leute wirklich die Sachen kaufen. In den letzten Jahren hat sich die ganze Downloadkultur ja immer mehr etabliert und das ist für uns das Zeichen, dass die Sachen doch wieder gekauft werden. Die Musik wird wieder ein bisschen mehr geschätzt.

Seit wann lebt ihr von eurer Musik?
Ines: Seit zwei Jahren.

War es zu dem Zeitpunkt klar, dass ihr diesen Schritt machen werdet, oder war es eher so, dass es sich nur knapp ausging und ihr den Schritt einfach gewagt habt?
Ron: Ines hat den Schritt schon ziemlich früh gemacht, dass sie aus ihrem eigentlichen Job rausgegangen ist und dann nur noch Nebenjobs gemacht hat. Für alle anderen war es dann vor zwei Jahren so weit, dass wir gesagt haben, jetzt passt alles vom Geld her, damit wir über einen Monat zumindest rüberkommen, die Miete bezahlen können und nicht knausern müssen.
Ines: Uns wurde die Möglichkeit gegeben und es hat auch vieles vereinfacht. Sonst war immer der Spagat zwischen Beruf und Musik. Sich jetzt nur der Musik zu widmen ist… es kann nichts Schöneres geben! Wir können spontan Sachen machen, wir sind immer da für die Musik und die Band. Genau was man sich wünscht, wenn man etwas mit Leidenschaft und Liebe macht, dass man immer dafür da sein kann!

Mehr: Broilers – Noir – CD Review

Im Punk ist schnell mal die Rede von Sell-out bzw. Kommerz. Ihr schafft es auf Platz eins. Wurdet ihr je mit so einem Vorwurf konfrontiert?
Ines: Ja sehr extrem, gerade jetzt beim aktuellen Album! Ich habe mit diesen Vorwürfen kein Problem, weil ich weiß, dass wir uns treu geblieben sind. Wir machen all die Jahre das, worauf wir Lust haben und haben uns nie auf irgendeine Art und Weise verbogen, um das zu erreichen. Und solange ich das weiß, ist es zwar ärgerlich, aber ich kann beruhigt in den Spiegel schauen!

Ich verfolge eure Musik aktiv seit dem Album Lofi und merke die Veränderung von Broilers von Platte zu Platte. Wie würdet ihr diese Veränderung beschreiben? Ist es eine natürliche Veränderung?
Ron: Auf jeden Fall! Wir werden ja auch älter, unser Horizont wird breiter. Wir bringen jedes Mal neue Musik mit hinein. Jedes Jahr hört irgendjemand etwas anderes und hat eher Bock in der Richtung was zu machen. Diesen Weg zu gehen ist für uns etwas ganz Natürliches. Wir hätten auch gar keine Lust, jedes Mal dasselbe Album zu schreiben. Vielleicht wollen wir auch in den nächsten paar Jahren, wenn das nächste Album kommt, mehr „back to the roots“ gehen, aber das kann man nicht sagen, das entsteht einfach.
Ines: Noir ist die Platte, die Broilers 2014 und die zwei Jahre davor widerspiegelt. Was Broilers in ein bis zwei Jahren ist, das hängt davon ab, worauf wir Lust haben und was wir machen. Das ist die einzige Veränderung, die entstanden ist. Ganz simpel im Endeffekt.

Ihr habt abseits von Broilers jeder eine eigene Vorliebe, was Musik betrifft. Ist es manchmal schwierig, durch die verschiedenen Geschmäcker auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen?
Ines: Nein, da bei uns allen die Basis Punkrock ist. Ich glaube, dass das auch Broilers ein bisschen ausmacht: Jeder bringt einen anderen Musikgeschmack ein und das macht das Ganze wieder rund, wenn Jeder so kleine Sachen mit einbringt. Wir versuchen zusammen ganz viele Stile im Proberaum und dann kommt es drauf an, ob das Gesamtkonzept gefällt oder nicht. Ich meine, dafür sind wir eine Band und nicht Solokünstler, man arbeitet für eine Sache zusammen und nicht jeder für sich!

Broilers im Interview

Als ich das aktuelle Album Noir das erste Mal gehört habe, fiel mir das Wort Streetpunkballade ein. Findet ihr, dass das Album ruhiger ist als die vorigen beziehungsweise hat das einen Grund?
Ron: Die Lieder sind einfach so entstanden, da haben wir uns nicht hingesetzt und geplant, etwas Langsames zu machen. Klar, man versucht dann verschiedene Sachen aus, und wie es einem am Besten gefällt, wird es dann am Ende.
Ines: Das Lied Nur nach vorne gehen ist schon ziemlich alt. Es hätte auch auf der Santa Muerte erscheinen können, nur es hat damals einfach nicht gepasst. Das, was jetzt im Moment ist, machen wir dann und so ist Noir im Endeffekt entstanden. Wir können uns damit identifizieren – Broilers 2014 eben.

In dem Lied Das da oben (nur in dir) geht es eher kritisch um die Glaubensfrage. Wie steht ihr zu dem ganzen Thema? Ist euch Religion wichtig?
Ron: Das Lied war ein schwieriges Thema in der Band!
Ines: In der Band hat Jeder andere Ansichten darüber und ist natürlich frei das zu vertreten, was er möchte. Das Lied war am Anfang eine sehr große Diskussion bei uns, weil einer von uns sehr gläubig ist und es war klar, dass er es ein bisschen infrage stellt. Darauf haben wir auch Rücksicht genommen. Es gibt ja diese Kehrtwendung in dem Song: „Der Mann hinter mir hat seinen Frieden gemacht.“ Von daher lässt er auch Spielraum, sodass jeder selbst interpretieren soll, was er jetzt selbst glaubt und was für ihn wichtig ist. Wir wollen niemandem etwas vorschreiben, so und so ist der richtige Weg. Aber Sachen infrage zu stellen ist ja eigentlich meistens was Gutes!

Eure Liedtexte sind Geschichten, die von Personen handeln, manchmal namentlich erwähnt, manchmal anonym. Geht es da um fiktive Personen oder geht tatsächlich um reale Erlebnisse und Personen?
Ines: Sammy schreibt größtenteils die Texte, deswegen ist es eigentlich schöner, wenn er diese Fragen beantworten kann, aber ich antworte jetzt mal für ihn. Es ist eigentlich so, dass er persönliche Sachen in Liedern verarbeitet. Es ist sein Weg damit umzugehen, wie halt viele Künstler Emotionen verarbeiten, aber natürlich ist da ein Stück Person mit dabei. Ob jetzt die oder der damit gemeint ist, soweit wollen wir uns gar nicht festlegen. Es ist schon unglaublich persönlich das Ganze.

Egal welches Album man sich anhört, Worte wie ‚Brennen, Asche, Beton, Straße, Brücken‘ findet man auf jedem. Sind das für euch Symbolwörter die eine gewisse Urbanität und einen Straßencharakter vermitteln oder ist es Zufall?
Ines: Es geht einfach um die Atmosphäre. Sammy schreibt, soweit ich weiß, viele Texte bei Nacht im Dunkeln und es ist dann oft so dieses Gefühl, das man hat. Ich hab das zum Beispiel auch, wenn ich an eine Großstadt denke: Es ist zwar Sommer aber es ist schon dunkel. Man hat die Neonlichter, die Lichter der Stadt…

Die von euch erwähnten „Anti-Islands“ sind ein fiktiver Ort, ein Synonym dafür alles hinter sich zu lassen und aus der Gesellschaft auszusteigen. Ist dieser Plan verworfen und war dieser Ort vielleicht doch nicht so fiktiv?
Ines: Es ist auf die Art ein fiktiver Ort, den jeder Mensch hat, wenn einem alles zu viel wird. Der kann natürlich irgendwann in einen realen Ort gewandelt werden, doch den hat jetzt keiner von uns. Aber es besteht schon die Möglichkeit, dass wir den irgendwann mal finden und sagen, dass sind unsere eigenen Anti-Islands…

Euch wurde in der Vergangenheit oft vorgeworfen, Rechtsrock zu machen. Unsere österreichische Klatschpresse ist jetzt auch auf euch aufmerksam geworden und schreibt hingegen, dass ihr aus der linksradikalen Skinheadszene kommt. Wie geht ihr damit um, dass ihr immer eingeordnet werdet? Findet ihr, hat Politik in der Musik überhaupt etwas verloren?
Ines: Wir sind alle ganz klar links gerichtet und wollen nichts mit irgendwelchen Faschos oder sonstigen Naziarschlöchern zu tun haben! Das ist ganz klar, dazu stehen wir auch. Auf unserer neuen Platte gibt es auch ein, zwei Lieder, die das noch mal verdeutlichen. Wir kommen aus der traditionellen Skinheadszene, keine Frage, das sind unsere Wurzeln, das ist auch in Ordnung. Wir glauben, dass in den Medien aufgeklärt werden muss, was die traditionelle Skinheadszene ist. Da ist meistens schon das Problem, wenn die Leute „Skinhead“ lesen, denken sie an rechts – so ist es gar nicht! Wir sagen immer ganz gerne, wir haben alle Leute gern auf unseren Konzerten und wir möchten Musik mit jedem teilen – aber Menschen mit irgendeinem rechten Gedankengut können draußen bleiben!
Ron: Ich finde eine klare Positionierung auch wichtig, das machen wir schon seit Jahren. Wir machen das in Liedern, in Interviews, auf den Konzerten. Welches Sprachrohr kann man besser dazu nutzen als Musik, die so viele Leute anspricht?! Dass es trotzdem immer noch an uns rangetragen wird und wir uns immer wieder erklären müssen, ist seltsam.
Ines: Auf Noir ist der Song Ich will hier nicht sein so einer, den sich viele Leute anhören und nachdenken sollten!

Abschließende Frage: Gibt es österreichische Bands, die ihr gut findet oder dringt unsere Musik gar nicht bis nach Düsseldorf durch?
Ines: Wenn ich ehrlich bin, habe ich jetzt gerade niemanden im Kopf.
Ron: Ich hätte jetzt Falco gesagt, aber den gibt es ja nicht mehr.
Ines: Aber Falco war gut! Du kannst uns ja nachher etwas vorschlagen, dass wir uns dann anhören werden!

Mach ich! Danke für das nette Interview.
Die letzten Worte an die Fans gehören euch:

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Robert Ziffer-Teschenbruck
"Über Musik schreiben ist wie zu Architektur tanzen" (Marcus Wiebusch)
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