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An Café – Szene Wien

An Café – Szene Wien

Aufregung, Spannung, Vorfreude – dicht gedrängt steht das überwiegend aus jungen Mädchen bestehende Publikum vor dem Wellenbrecher der Bühne. Es wird getuschelt und gekichert. Vereinzelt klingen Rufe durch den Konzertsaal der Szene, die nach An Café verlangen.

An Café, das sind fünf japanische Männer in bunten Klamotten, die Gute-Laune-Musik zum Besten geben. Für Augen, die das Bild nicht gewohnt sind, mögen sie wohl eher wie jungenhafte Glamrocker erscheinen. Trotzdem hat die Band eine vertraute Fanbase. Einige Anhängerinnen der J-Rocker standen bereit zur Mittagszeit vor den Türen der Szene. Trotz kühlem Noch-Winter-aber-irgendwie-anfängliches-Frühlingswetter, auch wenn erst um 20 Uhr der Startschuss für einen gemeinsamen durchgerockten Abend fallen sollte.

Zur besagten Zeit allerdings passiert nichts. Lediglich der Sound einer wahrscheinlich zufällig abgemischten Playlist dringt aus den Boxen. Die Spannung im überschaubaren Publikum steigt. Man versucht einen Blick an die Seiten der Bühne zu erhaschen – vielleicht erspäht man ja das Objekt seiner Begierde?

Für jedes Mädchen ist etwas, oder besser gesagt jemand zum Begehren dabei. Und mit etwa einer halben Stunde Verzögerung beginnt der stumme Trommelwirbel in den Köpfen der Mädchen. Man kann es ihnen ansehen, die Lichter des Saals dimmen ab. Aufgeregtes Geraune wird entweder ehrfürchtig im Kern erstickt oder zu erwartungsvollem Kreischen erhoben. Es ist so weit. Sie kommen!

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© Lennart Horst

Miku – der Leadsänger mit den schillernden Outfits und der unglaublich klangvollen Stimme. Der Bassist Kanon, feminine Züge, geschminkt aber trotzdem irgendwie sexy, in Hommage an den Kabuki-Stil. Der Blondschopf der Riege ist Teruki am Schlagzeug. Mit seinem Lächeln erobert er die Herzen seiner jungen Fans. Der ruhig wirkende Takuya greift seine Gitarre auf und winkt ins Publikum. Am Keyboard sieht man eine Gestalt mit Sonnenbrille – sie sieht für Leute aus dem deutschen Sprachraum aus wie eine japanische Version des Atze Schröder. Aber es ist Yu-ki. Und eigentlich sieht er doch wesentlich besser aus als der Atze.

Die Fans können sich nicht mehr halten, es werden Namen gekreischt, An Café wird gefordert. Mädchenkörper stehen dicht aneinander gedrängt. Sie werfen ihre Arme in die Höhe und formen mit ihren Händen die für An Café typische Geste. Es ist wie ein stiller Gruß, eine Anerkennung (dabei legt man Mittel- und Ringfinger der rechten Hand auf den Daumen und reckt den kleinen Finger und Zeigefinger in die Höhe.)

Die Band antwortet ebenfalls mit diesem Handzeichen und für einen Moment ist es wie ein eingeschworenes Abkommen – das Einverständnis auf beiden Seiten, diesen Abend gemeinsam zu feiern. Miku ruft noch in die Menge „Let’s make a precious evening together“ und der Startschuss fällt mit dem ersten Song Smile Ichiban Ii Onna.

Mit einem Mal entlädt sich die ganze Energie, die die Fans bis zu diesem heiß ersehnten Moment aufgespart hatten. Dass es gerade mal gefühlte hundert Besucher waren, vergisst man in diesem Moment. Die Halle summt gefüllt von guter Laune und gemeinsam geteilter Freude.

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© Lennart Horst

Vor allem der Sänger Miku tut alles, um seine Fans zum Tanzen und Abshaken zu motivieren. Anfangs ist das Publikum noch etwas verhalten, aber bei den beinahe hypnotischen Bewegungen des Sängers kann einfach keiner verhindern, dass nicht wenigstens die große Zehe mit zuckt.

Eine unglaubliche Power steckt hinter den Songs. Die Musik erzählt davon, wie man sich nicht an den negativen Dingen des Lebens aufhalten soll – Sondern das Leben feiern, sich darüber zu freuen. Auch wenn eine Sprachbarriere auf beiden Seiten besteht, scheint dies niemand zu stören. Der melodische Gesang von Miku untermalt von poppigen und rockigen Gitarrenriffs, drängenden Beats und fast zauberhafter Melodie transportiert alles, was gesagt werden muss.

Spätestens bei Bee myself Bee yourself würden auch Leute verstehen, wieso so eine starke Bindung von Fans und Band besteht: Es ist der Beweis, dass es nicht immer verständliche Worte braucht, um sich nahe zu sein. Sondern, dass Musik über internationale Grenzen hinaus verbindet.

Und trotzdem – Miku und Co. haben zwischen den Liedern immer wieder ihre Deutschkenntnisse zum Besten gegeben. Für ihre Fans. Kanon brachte mit einem „ich liebe Schnitzel“ alle zum Lachen. Yu-ki animierte mit Tanzeinlagen zum Mittanzen. Kanon und Takuya setzten an den Seiten der Bühne ihre Energie frei. Könnte man diese sichtbar machen, würden aus ihren Gitarren und Bässen pinke Strahlen der guten Laune schießen.

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© Lennart Horst

Skeptiker – ihr wisst nicht, was ihr von japanischen Männern in schillernden Klamotten halten sollt? Was soll’s, wenn sie gute Laune verbreiten? Alles in allem hat An Café für einen runden, ausgewogenen Abend gesorgt. Serviert wurde musikalisches Soulfood. Auf dem Menü standen sowohl ältere Songs als auch ein Großteil von dem neuen Album Hikagyaku ZiprocK.

Viel zu schnell ging der Abend zu Ende. Doch die Fans sehen mehr als glücklich aus, beinahe etwas selig, als sie aus der Konzerthalle schwanken, gehen, torkeln. Trunken vor lauter guter Energie. Die eine oder andere versucht noch einen Blick zu erhaschen, vielleicht versteckt sich eines der fünf Objekte der Begierde ja noch irgendwo? Doch An Café bleibt nach zwei Zugaben dann schlussendlich hinter der Bühne. Mikus letzte Worte „Wir lieben euch“ hängen noch lange im Saal nach.

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