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Christoph Maria Herbst im Interview

Christoph Maria Herbst im Interview

Mit Stromberg-Der Film (Review) findet die Mockumentary um den schlechtesten Chef der Welt wohl endgültig ihren Abschluss. Enemy.at traf Christoph Maria Herbst zum Interview über treue Fans, die Tücken der Kamera und seine schauspielerische Zukunft.

Wie kommst du mit dem derzeitigen Rummel um deine Person klar? Du hattest letztens einen Auftritt bei Schlag den Raab, hast eine Folge Galileo moderiert und gibst massig Interviews. Genießt du es dermaßen in der Öffentlichkeit zu stehen oder freust du dich wieder auf ruhigere Zeiten?
Ich freue mich wieder auf die Ruhe. Natürlich gehört es momentan auch dazu, für den Film die Werbetrommel zu rühren und das macht mir auch großen Spaß. In der Tradition der Serie ist uns ein toller Kinofilm gelungen, zu dem ich persönlich sehr stehe. Wir wollten uns damit bei den Fans für die unfassbare Summe von einer Million Euro bedanken, die über Crowdfunding innerhalb von nur sechs Tagen erzielt wurde und den Film überhaupt erst möglich gemacht hat.
Wir sind alle sehr dankbar für dieses Geschenk und sind mit einer Menge Demut ausgestattet. Wir haben offensichtlich die besten Fans. Bereits nach der ersten Staffel Stromberg wurde darüber diskutiert, die Serie einzustellen, da die Einschaltquoten nicht die besten waren, eine Unterschriftenpetition hat das aber verhindert. Zigtausende haben unterzeichnet: Bernd muss leben!

Da du es gerade ansprichst, denkst du, dass Crowdfunding für diesen Film auch deshalb so wirksam war, da die Figur des Stromberg derartig kontrovers ist, dass er für viele Leute als Ventil fungiert?
Auf jeden Fall. Als Zuseher freut man sich an dieser komplett politisch unkorrekten Person, die Dinge tut, die man selbst im echten Leben niemals tun würde. Im Film finden sich ja auch einige wundervolle Sätze wie „Die Frau ist nicht automatisch intelligent, nur weil sie scheiße aussieht“ oder „Wenn meine Oma hupen könnte, wäre sie ein LKW“. So gerne ich diese kreativen Sprüche als die meinigen ausgeben würde, entstammen sie jedoch alle der Feder des Drehbuchautors Ralf Husmann. Ich habe es jedes Mal genossen, diese Sprüche als Stromberg von mir zu geben, jedoch käme ich nie auf die Idee so etwas im Alltag zu sagen.
Dem Kollegen Oliver Wnuk, der den Ulf in Stromberg spielt, soll das aber tatsächlich einmal passiert sein.

Die Serie Stromberg wurde ja von der britischen Serie „The Office“ inspiriert. Wo siehst du das markant Deutsche an Stromberg, hat man versucht sich eher an der Arbeitswelt in Deutschland zu orientieren?
Ich denke nicht, dass Stromberg eine typisch deutsche Person ist. Diese Denkweise, sich selbst immer der Nächste zu sein, sehe ich als universell an. Der Stromberg ist aber in der Hinsicht deutsch, wo ich meine eigenen Erfahrungen einfließen lassen konnte. In den 80ern machte ich eine Banklehre in einer großen deutschen Bank und dort hatte ich tatsächlich Chefs, die wie Stromberg waren, sowohl äußerlich als auch charakterlich. Mir war damals natürlich nicht klar, dass ich einmal so eine Rolle verkörpern würde, jedoch konnte ich dann einiges an Erfahrung einbringen. Der Großteil des Stromberg ist jedoch dem Drehbuchautor Ralf Husmann zu verdanken.

Christoph Maria Herbst

Christoph Maria Herbst

Du bist es ja mittlerweile bestimmt gewohnt beim Stromberg-Dreh in die Kamera zu schauen. War das damals, am Beginn der Serie, etwas Schwieriges für dich?

Das war natürlich total krass. Als Schauspieler ist es normalerweise ein Sakrileg direkt in die Kamera zu blicken. Man ist sich ihr zwar bewusst, aber sie ist da, ohne präsent zu sein. Dieser Aspekt in die Kamera blicken zu dürfen war auch der Grund für mich zum Casting für die Rolle zu wollen. Mir wurde sie zwar direkt von Ralf Husmann angeboten aber ich konnte mir das anfangs überhaupt nicht vorstellen. Beim Casting hat es dann jedoch sehr viel Spaß gemacht die Kamera ins Geschehen miteinzubeziehen. Es eröffnet schauspielerisch komplett neue Welten, was einfach faszinierend ist. Vor jeder Szene stellten wir uns die Frage, ob sich die Charaktere der Kamera nun bewusst sind oder nicht. Es verändert die Art und Weise zu schauspielern grundlegend.

Aufgrund deiner langen Erfahrung als Chef, kannst du es dir vorstellen Berufscoaching für Führungskräfte anzubieten?
Nein, ich hatte bis jetzt ein angenehmes Leben und das soll auch so bleiben. Ich bin ja von Beruf nicht der Stromberg, sondern in erster Linie Schauspieler.

Was gibt es in nächster Zeit von Christoph Maria Herbst zu sehen?
Ich bin momentan auf Jobsuche, mal sehen was passiert. Ich war jetzt als Stromberg ca. zehn Jahre im Fernsehen unterwegs. Wir haben nie den Fehler gemacht eine ganze Staffel mit 24 Episoden im Jahr zu veröffentlichen, haben den Zuseher nie überflutet. Fünf Staffeln in zehn Jahren waren gut dosiert. Das war wohl auch der Grund dafür, warum die Begeisterung über einen Stromberg-Kinofilm so groß war.
Die nächste Rolle wird mich bestimmt finden, der Stromberg hat mich damals schließlich auch gefunden.

Ralf Husmann meinte, dass er mit der Figur Stromberg noch gerne etwas machen würde. Wärst du bereit die Rolle weiterhin zu verkörpern oder ist das für dich endgültig abgeschlossen?
Ich wurde darauf noch nicht angesprochen aber im Moment ist der Stromberg auch für mich abgeschlossen. Das war jedoch auch damals am Ende jeder Staffel so. Bei einer Rolle wie der des Stromberg braucht man allein für die innere Hygiene einige Zeit um sich davon zu befreien. Ich denke aber auch, dass der Stromberg nun wirklich auserzählt ist, selbst der Film fand seinen Schauplatz nicht mehr im Büro, da wir dort alles auserzählt haben. Man sollte wahrscheinlich aufhören, wenn es am schönsten ist.

Vielen Dank für das Gespräch, wir hoffen dich bald wieder auf der Leinwand zu sehen!

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