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Die Sims 4 im Test

Die Sims 4 im Test

Weihnachten naht und bis dorthin gilt es den Adventskalender zu befüllen – wie wäre es mit einem Spiel für Jund und Alt, zum Beispiel Die Sims 4?

Am 04. September 2014 erschien mit Die Sims 4 (Homepage) ein neuer Teil der Lebenssimulation des Entwicklerstudios Maxis. Bereits im Vorfeld kündigte Publisher Electronic Arts Änderungen im Verhalten der steuerbaren Simsfiguren an, die eine ganz neue emotionale Bandbreite der künstlichen Intelligenz eröffnen sollten.

Als eingefleischte Sims-Spielerin konnte ich es mir natürlich nicht nehmen, das Pixelpuppenschauspiel von Anfang an auf Herz und Niere zu testen. Mit Release war ich ernüchtert und begeistert zugleich – auf den ersten Blick scheint sich die Grafik nicht sonderlich von Sims 3 abzuheben. Für Sims-Vertraute wirkt sowohl Menü als auch Interface gewohnt und man fühlt sich ein bisschen wie daheim. Nur bevor es daran geht, Häuschen zu bauen, einen Partner fürs Leben zu finden und eine Familie zu gründen, gilt es natürlich den ganz eigenen individuellen Sim oder simische Familie zu kreieren.

Jede AUgenbraue, jeder Gesichtspart, jedes Korperteil kann nach Belieben zurecht gezerrt und geformt werden. ©Screenshot

Jede Augenbraue, jeder Gesichtspart, jedes Korperteil kann nach Belieben zurecht gezerrt und geformt werden. ©Screenshot

In der Charaktererstellung zeigen sich schon wesentliche und große Unterschiede zu den Vorgängern der beliebten Simulationsreihe, die alle Kreativen, Fashionistas, Detailverliebten und angehenden Puppenspielern einiges an Zeit rauben können. Zeit, die meiner Meinung nach gut investiert ist, in den eigenen, persönlichen Sim, den man nach Vorstellung und Belieben formen kann.

Und das kann man durchaus wortwörtlich nehmen – durch ziehen, zerren und knautschen verschiedener Körper- und Gesichtsbereiche wird dem eigenen Sim Form gegeben. Die Steuerung ist hierbei sehr intuitiv und leicht bedienbar – und für geduldige eröffnen sich Möglichkeiten, ganze simische Kopien nach dem Vorbild von Stars und Comicfiguren zu gestalten.

Immer wieder stößt man in der Datenbank der Sims-Community auf wundervolle Sims-Modelle, wie hier von Tim Burtons Corpse Bride. ©Screenshot

Immer wieder stößt man in der Datenbank der Sims-Community auf wundervolle Sims-Modelle, wie hier von Tim Burtons Corpse Bride. ©Screenshot

Die liebevoll designten Outfits helfen dabei ungemein, dem Sim seinen eigenen Stil auf den Leib zu klicken. Leider fällt hierbei auf, dass es nur ein Repertoire an vorgegebenen Farben gibt und leider die Möglichkeit, selbst Farbe und Designs zu gestalten, momentan nicht vorhanden ist. Natürlich muss noch das Geschlecht ausgewählt werden und die entsprechende Lebensphase vom Baby bis zum Greis.

Doch damit nicht Individualisierung genug! Stimme inklusive Klangfarbe kann dem eigenem Hörvorlieben nach eingestellt werden und eine weitere Neuerung, die uns Maxis beschert ist die Gangart des eigenen Sim. Da ich eine Vollblut-Rockergöre namens Alice Lunatic ins simulierte Leben gerufen habe, durfte der dementsprechende prätentiöse Gang nicht fehlen: Ich entschied mich für den Hüfte schwingenden femininen Gang aus einer Auswahl von schleppend bis stolz. Noch ein paar Tattoos auf den Körper geklatscht, das passende Make-Up zur dementsprechenden Augenfarbe ausgewählt – et voilá! Etwas stolz war ich schon auf meine zierlich, doch kurvige Sims-Braut.

Alice hat den Hüftschwung raus - mit der passenden Gangart kann das jeder Sims. © Screenshot

Alice hat den Hüftschwung raus – mit der passenden Gangart kann das jeder Sim. ©Screenshot

Bereits an diesem anfänglichen Punkt des Spiels kann man bereits auf die sehr große Sims-Community zugreifen. In Sims 3 noch kaum ausgeprägt, hat man sich bei Sims 4 den Knotenpunkt zur Online-Außenwelt gut überlegt: House-Sharing bekommt eine ganz neue Bedeutung, denn Designs von Sims und Grundstücken können untereinander ausgetauscht oder sogar auf Facebook geteilt werden.

Dabei lassen sich regelrechte Perlen der Sim-Modellierung von anderen Spielern finden. Natürlich darf die Like-Funktion, ein Comment-Fenster und ähnliches auch nicht fehlen. Auch Maxis selbst netzwerkt kräftig mit und so gestaltet sich eine rege und bunte Gemeinschaft an Sims-Begeisterten.

Okay, es ist wohl kein Geheimnis, auch ich habe mich in den Details der Charaktererstellung verloren, und dabei noch gar nicht von der Kernkompetenz unserer neuen Sims 4.0 erzählt – dem emotionalen Innenleben, was unserem Avatar erst das virtuelle Leben einhauchen soll. An dieser Stelle sollte ich erwähnen, ich gehöre eher zu den fürsorglichen Sim-Haltern.

Niemals habe ich einen Sim im Pool ertränkt, wenn sich Streit anbahnte, versuchte ich diesen tunlichst zu verhindern – alles war Friede, Freude, Eierkuchen. Freud mal vorne aus gelassen. Aber dieses Mal wollte ich mir die Dosis Häme und Schalk nicht vorenthalten – und machte mich daran Alice eine Gefühlswelt eines Soziopathen zu verpassen – mit dementsprechenden Bestreben.

Bestreben dienen zur Selbstverwirklichung eines jeden Sims. ©Screenshot

Bestreben dienen zur Selbstverwirklichung eines jeden Sims. ©Screenshot

Denn auch in Sims 4 können ähnlich wie in Sims 3 Bestreben für das Leben eines Sims ausgewählt werden. Diese kommen mit einem Bonusmerkmal einher, welche das dementsprechende Bestreben untermalt. Wählt man also wie ich das Bestreben Devianz, so erhält Alice das Merkmal Niederträchtig, wo mit sie stärker und erfolgreicher gemeine Aktionen ausführen kann. Neben dem Bonusmerkmal kann der Spieler selbst noch drei weitere Merkmale frei aus verschiedenen Kategorien wie Soziales oder Interessen festlegen.

So wird aus Alice nicht nur ein niederträchtiger Sim, sondern wird von mir außerdem zum Genie, böse und düster gemacht. Letztendlich kann mit jedem Bestreben auch noch zwischen zwei bis drei verschiedenen Zielen gewählt werden. Alice könnte entweder den Weg einer Meisterin des Unfugs beschreiten oder sich zur Staatsfeindin mausern.

Natürlich schlägt sie den der Staatsfeindin ein – oder bekommt ihn von mir vorgeschlagen. Denn sowohl Bestreben als auch Bestrebensziel können im eigentlichen Spiel beliebig oft gewechselt werden. Ja, das eigentliche Spiel – hier kann Alice sich nun endlich in all ihrer Boshaftigkeit austoben – tja denkste!

Es fängt alles ganz friedlich an, Alice bezieht ihr erstes bescheidenes Zuhause in Willow Creek – Oasis Springs, die andere mögliche Wahlheimat, erscheint ihr doch zu sonnig und sandig. Die ersten Möbel werden gekauft, doch noch wirkt das zu Hause der zukünftigen Staatsfeindin No.1 sehr spartanisch und spärlich.

Ich komme nicht drum herum, mir einen kleinen Cheat zu erlauben, der mein Vermögen dementsprechend aufstockt. Die Spiele der Sims-Reihe luden auch schon immer sehr verlockend zum cheaten ein – und ist von den Entwicklern auch so gedacht, um das Gefühl zu verstärken, ganz Herr der eigenen Sims-Welt zu sein.

"I kissed a girl..." Alice ist kokett und hat es hier ganz nett. ©Screenshot

„I kissed a girl…“ Alice ist kokett und hat es hier ganz nett. ©Screenshot

Alsbald fänt Alice an, sich ihrer Verbrecher-Karriere zu widmen, die ersten Fähigkeiten ausgebaut. Sofort fallen einen die Stimmungen des Sims ins Auge – von Inspiriert bis Konzentriert bis hin zu Traurig gibt das simische Innenleben in dementsprechenden Situation alles her, was sich an Emotionen darstellen lässt. Die verschiedenen Stimmungen wirken sich auf das Verhalten des Sims aus und umgekehrt. Flirtet Alice viel, so wird sie in die Stimmung kokett versetzt und kokette Aktionen werden erfolgreicher durchgeführt.

Ihren ersten Kuss hat sie sogar mit einem Mädchen, hihi. Aber auch Bildung ist wichtig! Liest sie viel oder versucht sie sogar einen Treuhandfond zu hacken, dann ist Alice sehr konzentriert und arbeitet effektiver. Schade ist allerdings, dass keine Nachbarn vorbeikommen, um sie willkommen zu heißen – so wie noch in Sims 3. Also schicke ich Alice los, um Willow Creek zu erkunden. Auffällig ist sofort, dass wirklich jede Nachbarschaft und Grundstück außerhalb von meinem instanziert ist und nervige Ladescreens das erkunden erschweren.

Mache ich jedoch neue Bekanntschaften, klopfen diese auch hin und wieder an meine Haustür. Auch ein anderer Unterschied zu Sims 3 macht sich bemerkbar – die Nachbarn und Mit-Sims in Willow Creek altern zwar, aber entwickeln sich nicht dynamisch weiter, das heißt bekommen selbst keine Kinder, bauen nicht Beziehungen auf und wirken sehr starr und statisch in ihrem Sims-Leben.

Der ein oder andere Clipping-Fehler stört die häusliche Atmosphäre. ©Screenshot

Der ein oder andere Clipping-Fehler stört die häusliche Atmosphäre. ©Screenshot

Trotzdem findet Alice bald einen Mann und ist gar nicht so böse, wie ich es geplant hatte. Sie wird nach einigen heißen Liebes-Nächten sogar schwanger und gründet eine Familie. Und hier war ich dann doch sehr erstaunt, als sie in den Wehen lag – die Anzeige erschien, das Baby kommt! Und ihr Mann kocht seelenruhig in der Küche weiter an seinem Gourmetmenü. Emotional authentisch ist das nicht, trotz aller Stimmungen und Gefühlswallungen, welche die Sims fähig sind, nach zu empfinden.

Einzige Hoffnung ist, dass EA und Maxis sich dieser Probleme noch annehmen. Denn mit Release von Sims 4 fehlten ebenso die umherirrenden Gespenster verstorbener Sims-Ahnen, so wie der Planschspaß im Pool. Beides wurde jedoch in den nachfolgenden Monaten eingefügt und das macht aus Die Sims 4 ein großartiges Simulationsvergnügen mit viel Potential zu wachsen.

FAZIT

Eines der Kernstücke von Sims 4 hat sich Maxis beherzt angenommen und stark weiterentwickelt: Die Charaktererstellung, welche unglaublich viele Möglichkeiten bietet, nach Herzenslust kreativ zu sein. Auch die Weiterentwicklung der Gefühlswelt der Sims gründet auf einer guten Idee, die teilweise noch nicht ganz überzeugend daher kommt. Außerdem fehlt es der Umgebung und Welt von Die Sims 4 jenseits des eigenen Haushaltes etwas an Dynamik. Jedoch scheint Maxis sehr bemüht, in regelmäßigen Abständen kostenlose Updates zu Verfügung zu stellen, um das Spiel zu einer Lebenssimulation ohnegleichen zu gestalten.

Die Verknüpfung von Community und Social Media-Aspekten ist außerdem ein großer Pluspunkt, weil kein Spiel sich so dafür anbietet wie Die Sims 4. Alles in allem ein rundes Konzept, das hier und da noch etwas an Feinschliff bedarf, vor allem hinsichtlich der Grafik, aber großer Potential hat, aus sich heraus und mit der Community zu wachsen. Ob Weiblein, Männlein, ob jung oder alt – jeder kann hier simische Freuden entdecken, wenn er sich dementsprechend drauf einlässt. Deshalb sieben von zehn Punkten.

Die Sims 4

Releasedate: 04.09.2014
Plattform: PC
Genre: Lebens-Simulation
Publisher: Electronic Arts Inc.
Entwickler: Maxis
Für Fans von: Die Sims
USK: ab 6 Jahren
Preis: gesehen um 52,41 Euro

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