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Dragon Age Inquisition im Test

Dragon Age Inquisition im Test

Wir haben Dragon Age Inquisition (Homepage), den dritten Teil der Dragon Age-Reihe, auf dem PC unter die Lupe genommen und stellen die groß angekündigten Verbesserungen gegenüber dem misslungenen zweiten Teil auf die Probe. Von Seiten der Entwickler BioWare wurde uns ein Game epischen Ausmaßes versprochen. Mit offener Spielwelt, genialer Story, interessanten Charakteren und endlosen Stunden Spielspaß – den hatten wir nach 100 Stunden Spielzeit immer noch, dieses Versprechen wurde also eingelöst, doch wie siehts im Detail aus?

Die ersten Eindrücke nach dem ersten Start sind vielversprechend. Ein animierter Startscreen mit leuchtenden Farben und lieblich säuselnder Orchestermusik vermittelt den Eindruck, am Anfang einer gelungenen Geschichte zu stehen.

Die Charaktererstellung ist in ein ehrlich gesagt recht unspektakuläres Intro gepackt, zwar angemessen gestaltet, aber nichts sonderlich Ausgefallenes. Man kann eben Rasse sowie Klasse auswählen und noch ein wenig am Aussehen des Protagonisten herumfummeln. Allerdings wurde bei der Haarpracht, wie es halt oft bei Rollenspielen so ist, gespart. So kann es gut sein, dass die Wunschfrisur nicht zur Auswahl steht.

Schöne Welten erkundet man gerne

Nichtsdestotrotz ist der erste Eindruck im Spiel sehr überzeugend. Die Frostbite Engine entfaltet die grafisch feinfühlig gestaltete Landschaft von Dragon Age Inquisition vor unseren Augen in ihrer vollsten Pracht. Kräftige Farben, authentisch wirkende Texturen und endlose Sichtweiten zaubern uns ein Lächeln auf die Lippen. Dieses Lächeln verblasst auch im weiterem Spielverlauf nicht. Das Leveldesign bleibt stets unglaublich abwechslungsreich und gelungen.

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Schöne Aussichten beim ersten Zwischenstopp in Thedas. ©Screenshot

Selbst in Gegenden, die man während den Side-Quests in wenigen Sekunden durchmarschiert und nie wieder zurückkehrt, spürt man die Mühe, die in jede dunkle Höhle, jeden Strandabschnitt oder mal einen goldenen Tempel investiert wurde. Alles wirkt immer wieder aufs Neue beindruckend und lädt selbst den faulsten Spieler dazu ein, möglichst alles zu erforschen und zu erkunden.

Viel Loot und Sammelwut

um Thema Erkundung gehört selbstverständlich auch das Looten von Schätzen und einsammeln von Kräutern und anderen Materialien mit denen wir neue Tränke und Ausrüstungsgegenstände herstellen können. Bereits im Vorfeld wurde angekündigt, man hätte ein einfaches aber doch umfangreiches Crafting-System entwickelt. Grundidee des Ganzen ist es, dass man nahezu alle Materialen, die man auf seinen Abenteuern so nebenbei eintütet, auch tatsächlich verwenden kann.

Verschiedene Rohstoffe geben unterschiedliche Boni und ändern die Farbe des hergestellten Gegenstandes. Klingt recht einfach. Und zugegeben, es funktioniert einwandfrei. Einziger Kritikpunkt ist jedoch, dass man für das Schmieden und Verbessern von Waffen und Rüstungen zu unterschiedlichen Werkbänken muss. Klar ist es deutlich realistischer, wenn man sein funkensprühendes Einhandschwert nicht unbedingt an einer Rüstungsschmiede herstellt, allerdings ist es doch zeitraubend.

Wir würden es uns lieber ersparen, beim Craften dauernd zwischen vier verschiedenen Orten umherlaufen zu müssen. Ein wenig bemängelt werden kann an dieser Stelle auch, dass unser Held nach 70 Stunden Spielzeit und reichlicher Verwendung hochrangiger Schmiedepläne nicht sonderlich gefährlicher aussieht als am Anfang. Das ist zugegeben ein klein wenig ernüchternd.

Unser Held am Beginn der letzten Mission. ©Screenshot

Unser Held am Beginn der letzten Mission. ©Screenshot

Um es den sammelwütigen Spielern ein wenig einfacher zu machen, wurde unter anderem die wohl nervigste Funktion des gesamten Spiels implementiert: eine Art Sonar, welches nahe gelegene Objekte durch ein Ping-Geräusch andeutet, sowie diese durch eine farbige Kontur leicht hervorhebt. Was hier im ersten Moment als praktische Sammelhilfe erscheint resultiert jedoch darin, dass man fortwährend den Sonar-Hotkey spammend durch die Welten schleicht um selbst das am besten versteckte Kraut noch in den Rucksack zu packen. Kleine Punkte auf der Minimap wären hier eventuell etwas angenehmer gewesen.

Schafft die Taktikansicht ihr Comeback? Machen Scharmützel wieder Laune?

Eines der sehnsüchtig erwarteten Features, welches in Dragon Age Origins gefeiert und in Dragon Age 2 vermisst wurde, ist die Taktikansicht. Diese steht uns im dritten Teil nun wieder zur Verfügung. Doch wird sie genutzt? – Nö. Warum? – Weil es erstens nur in seltenen Fällen überhaupt notwendig ist und sie zweitens für Pc-User unheimlich unangenehm zu bedienen ist.

Die KI unserer Begleiter ist befriedigender Weise extrem gut und macht es daher überflüssig alle paar Sekunden den Charakter zu wechseln, um sicher zu stellen, dass dieser auch etwas Nützliches zum Kampf beiträgt. Magier zaubern automatisch Schilde, beleben kampfunfähige Gruppenmitglieder wieder und heilen sich vorbildlich durch Tränke selbst. Ein ebenso cleveres Verhalten legen auch die anderen Klassen an den Tag, wenn durch die KI gesteuert.

In alter Dragon Age-Manier ist es uns natürlich wieder möglich das Verhalten der Begleiter im Vorfeld festzulegen. Der Spielspaß leidet darunter jedoch kaum. Die Kämpfe gewinnen dadurch an Geschwindigkeit und wirken intensiver.  Gegner können bereits aus hunderten Metern Entfernung mit Zaubern bombardiert werden und aufgrund der wunderschönen Zaubereffekte und Animationen der Fähigkeiten werden auch kleine Scharmützel nie langweilig.

Schön anzusehen, wie die Feuerbälle einen warmen Schein über den Sand der Einöde hinter sich herziehen. ©Screenshot

Schön anzusehen, wie die Feuerbälle einen warmen Schein über den Sand der Einöde hinter sich herziehen. ©Screenshot

Kämpfe gegen Drachen hingegen sind erwartungsgemäß eine Stufe kniffliger. Hierbei bietet es sich tatsächlich öfters an, mit Hilfe der Taktikansicht seine Schutzzauber fein säuberlich zu platzieren, als auch hin und wieder den Charakter zu wechseln, um deren Standpunkt etwas zu optimieren.

So gut die KI auch Fähigkeiten benutzt, so unklug bewegt sie Bogenschützen und Magier oft direkt unter die Bäuche der Drachen oder lässt sie ohne Zucken munter Sekundenlang in einem ihrer Flammenwürfe stehen. Leicht enttäuschend für uns ist jedoch, dass die Vielzahl an Zaubern aus Dragon Age Origins deutlich reduziert wurde und der Skilltab nur noch acht statt gefühlten 50 Plätze bereithält.

Fesselnde Story nur für den eifrigen Leser

Der rote Faden, welcher sich eigentlich durch Dragon Age Inquisition zieht ist der, dass unser Held als Anführer einer Bewegung mit dem Namen „die Inquisition“ einem Bösewicht das Handwerk legen soll, welcher mit Hilfe uralter Magie die Welt ins Chaos zu stürzen droht. Dieser Faden verliert sich jedoch recht schnell in dem immensen Aufgebot von Neben- und Sammelquests, was keineswegs ein Negativpunkt sein muss.

Letzteres geht meist Hand in Hand mit der Lust, die neu freigeschalteten Gebiete ausgiebig zu erforschen, statt nur kurz der Hauptquest wegen mal reinzuschnuppern. Klar kann man bei den Nebenquests das Rad nicht neu erfinden und so weisen viele Aufgaben ein recht ödes Muster auf. Sammle oder töte irgendetwas an diesem oder jenen Ort und bring es dann zu irgendwem irgendwo anders, oder man spielt als Inquisitor den Laufburschen für irgendwelche Bauern deren Namen man binnen Minuten wieder vergisst. Aber überraschend viele dieser Side-Quests sind ganze Aufgabenketten, welche uns an interessante Orte verschlagen, uns vor Rätsel stellen und vor Allem sehr sehr viel Spaß mit sich bringen.

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Kirchen, Tempel und Höhlen wurden stets mit viel Liebe gestaltet. ©Screenshot

Sollte man zu dem Typ Spieler gehören, der sich gerne Hintergrund Informationen zur Haupstory, den erkundeten Gegenden oder wichtigen Charakteren in Form von Briefen und Büchern reinzieht, der findet sich in einem Schlaraffenland wieder. An jeder Ecke warten Briefe, Notizzettel, Bücher und Inschriften darauf, von Spielern gelesen zu werden. Und in der Tat kann sich die Lesearbeit durchaus auszahlen, zumal sich viele der Fragen beantworten und Ereignisse in logischen Kontext gebracht werden – sofern man sich eben alle paar Minuten mit den gefundenen Texten auseinandersetzen möchte.

Zwar kommen wir bei der Masse an Aufgaben doch langsam aber sicher zum Wesentlichen und nähern uns dem Ziel, neben der Kräutersammlerei auch mal eben noch die Welt zu retten. Doch könnte der ein oder andere Spieler mit dem Ende ein wenig unzufrieden sein. Wir waren es zumindest. Klar kommt es zum Happy End, der Bösewicht wird erledigt und die Welt ist zumindest vorerst wieder sicher, allerdings wirkt die Inszenierung im Vergleich zum sonstigen Spiel recht unspektakulär.

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In der Heimatfeste kann man sich sogar einen Kräutergarten anlegen. ©Screenshot

Fazit

Alles in Allem haben die Entwickler von BioWare einen sehr guten Job gemacht. Es wurde viel erwartet von Dragon Age Inquisition, und es wurde viel geliefert. Wichtige Aspekte, wie die Grafik, Spielatmosphäre, Kämpfe und das Crafting-System konnten in jedem Fall überzeugen.

Die Mainstory jedoch schwächelt an vielen Stellen, ist ehrlich gesagt ein wenig zu kurz und vor allem nicht spektakulär genug, um dem sonst sehr liebevoll gestalteten Game gerecht zu werden. Dragon Age Inquisition macht insgesamt einen sehr souveränen Eindruck, bietet endlose Stunden Spiel, Spaß und Spannung und zählt im Rollenspiel-Genre ohne Zweifel zu den besseren Spielen dieses Jahres. Deshalb von uns sieben von zehn Punkten.

Dragon Age Inquisition

Releasedate: 21.11.2014
Plattform: PC, Ps3, Ps4, Xbox 360, Xbox One
Genre: Rollenspiel
Publisher: Electronic Arts
Entwickler: BioWare
Ungefähre Spieldauer: Mainstory 30 h – Insgesamt ~100 h
Für Fans von: Dragon Age, Dungeon Siege, Skyrim
USK:  ab 16 Jahren
Preis: gesehen um 52,50 Euro

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