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Frank Turner im Interview

Frank Turner im Interview

Wir hatten das Glück, Frank Turner (Homepage) am 04. März2014 vor seiner Show im Gasometer interviewen zu dürfen. Dabei redeten wir mit ihm über seine immer größer werdenden Shows, sein jüngstes Album Tape Deck Heart, Pläne für zukünftige Alben und seine diversen Nebenprojekte.

Mehr: Frank Turner im Interview (2013)

Heute Abend wird die erste richtige Headline-Show in Wien seit fast zweieinhalb Jahren – schon aufgeregt?
Frank Turner: 
Ja, auf jeden Fall! Wir haben ja letztes Jahr im September das Jack Daniels Geburtstagsfest gespielt, und es war ein wenig eigenartig – ich sollte langsam endlich gelernt haben, dass diese Gigs immer etwas komisch sind. Letzten Endes fällt es auf dich selbst zurück, die Show zu promoten – und dann bekommt niemand mit, dass du eigentlich spielst.

In den letzten Jahren sind die Veranstaltungshallen in Wien, in denen du gespielt hast, immer größer geworden – findest du das gut, oder würdest du manchmal gerne die tausenden Leute in einen kleinen Club ohne Bühnengraben quetschen?
Frank Turner
Wir spielen noch immer diese kleineren Shows. Ich glaube, dass sich manche Menschen zu sehr mit der Größe eines Raumes beschäftigen. Ein gutes Beispiel: Vor kurzem haben wir in der Nottingham Arena gespielt, die Platz für ungefähr 8000 Leute bietet. Dann bekam ich eine Email von jemandem, der mir sagte, dass er mich im Rockcity, einem anderen Lokal in Nottingham, sehen wolle, und nicht in der Arena. Und ich dachte mir nur, dass wir dieses kleine Lokal heute Abend fünf Mal ausverkauft hätten – würden wir dort spielen, hieße das, dass es eine eins zu fünf Chance gäbe, Karten zu bekommen – und ich will nicht, dass Leute nur eine eins zu fünf Chance haben, meine Shows zu besuchen!

Reden wir ein bisschen über dein neuestes Album, Tape Deck Heart. Deine Texte waren zwar immer schon sehr persönlich, das neue Album scheint das aber auf ein ganz neues Level zu heben. Wie fühlt es sich an, wenn eine Arena voller Menschen all diese Worte zu dir zurück singt?
Frank Turner
Manchmal schon ein wenig eigenartig. Ein Album aufnehmen und ein Album touren sind jedoch zwei paar Schuhe – zum Glück! Wenn ich Songs schreibe, konzentriere ich mich nicht darauf, was andere Leute davon denken könnten. Es kann schon manchmal komisch sein, sich vor eine Horde Menschen zu stellen und Songs darüber zu singen, was für ein Arschloch ich bin – wenn sie jedoch alle mitsingen, geht das bedeutend leichter.

Frank Turner im Interview mit enemy.at

(c) Yavuz Odabas

Die sozialkritischen Lyrics, die auf früheren Alben doch in größerer Anzahl vorhanden waren, sind auf Tape Deck Heart großteils verschwunden – sind diese Dinge einfach nicht mehr so wichtig für dich, wie sie es einmal waren?
Frank Turner
Vielleicht – aber ich will mich auch nicht ständig wiederholen. Fans sind einfach oft so konservativ! Ich bringe ein Album raus, und das erste, was ich höre, ist ‚Das klingt nicht wie das letzte Album!‘ – und meine Antwort darauf ist ‚Ich weiß – das ist der Sinn dahinter!‘. Leute sagen Dinge wie ‚Es gibt kein einziges Lied, das wie die Songs von Love, Ire & Song klingt!‘ – aber wir spielen diese Songs doch noch live! Es ist ja nicht so, dass ich in irgendjemandes Haus eingebrochen wäre, ihre Kopie von Love, Ire & Song gestohlen hätte und damit weggelaufen wäre. Ich versuche einfach, verschiedene Dinge zu probieren.

Also sind deine ‚angry adolescent days‘ noch nicht vorbei?
Frank Turner 
(lacht): ‚Adolescent‘ ist vielleicht nicht mehr ganz richtig. Ich will einfach nicht vorgeben, etwas zu sein, das ich nicht bin. Ich hasse Bands, deren Mitglieder alle über 30 sind, die immer noch Songs über’s Schulleben schreiben, weil sie glauben, so vielleicht Alben zu verkaufen – ich denk mir da nur ‚Fuck off, ihr seid nicht mehr in der Schule!‘

Ich habe dich in einem Interview sagen hören, dass es für jedes deiner Alben eine lange Liste an Dingen gibt, die du nicht magst – was steht für Tape Deck Heart auf der Liste?
Frank Turner
Oh, wie viel Zeit haben wir noch? So vieles. Der Bass auf The Way I Tend To Be ist zu leise, ich bin mir nicht sicher, ob ich hinsichtlich der Entscheidung, welche Songs es auf’s Album schaffen und welche nicht, immer richtig lag.. We Shall Not Overcome und Wherefore Art Thou Gene Simmons sollten auf der CD sein. Anymore ist bis heute ein sehr schwieriger Song für mich, auf Grund seiner Thematik..

Du hast neulich eine EP namens Polaroid Picture veröffentlicht, auf der einige Aufnahmen von Covers sind. Planst du, dieses Jahr wieder eigene Songs aufzunehmen?
Frank Turner
Ja! Das ist eigentlich sogar das einzige, woran ich derzeit denke. Wir sind bis Ende des Sommers auf Tour, aber danach haben wir uns ein bisschen Zeit genommen, um ins Studio zu gehen. Wir arbeiten viel an neuem Material, während wir auf Tour sind, und proben dann bei Soundchecks – genau das werden wir auch jetzt gleich machen, ich hatte kürzlich eine neue Idee und ich halte sie für großartig!

Frank Turner beantwortete unsere Fragen

(c) Yavuz Odabas

England Keep My Bones drehte sich rund um das Thema England und deinen Bezug zu deiner Heimat, Tape Deck Heart ist sehr persönlich und handelt großteils von Beziehungen – Was wird das nächste große Thema sein?
Frank Turner
Es ist noch ein bisschen früh, um das sagen zu können, aber die Songs, die ich derzeit schreibe, handeln großteils von „Trotz“. In den letzten Jahren wurde ich, vor allem in England, immer bekannter – womit ich selber nie gerechnet hätte. Deshalb musste ich viel einstecken, was mir teilweise sehr nahe ging – aber dann gab es da diesen Punkt, wo ich mich umgedreht habe und mir gedacht habe ‚Ach, weißt du was? Fuck off!‘ – und wenn ich zusammenfassen müsste, worum es am nächsten Album geht, dann ist es wohl genau das – ‚Go fuck yourself!‘

Neulich ist mir das wieder klar geworden: Wenn du aus der Punk-Szene kommst, dauert es nicht lange, bis du als ‚Sellout‘ bezeichnet wirst, und das ist so langweilig! An einem Punkt dachte ich mir, ich mache alles genau so, wie ich es immer gemacht habe, ich schreibe meine Songs auf die selbe Art und Weise, ich bleibe mir selbst ehrlich, spiele bei Shows so gut ich kann und versuche, sie für alle zugänglich zu machen. Falls sich also irgendjemandes Meinung über mich verändert hat, nur, weil sich die Meinung vieler anderer Leute über mich verändert hat, dann ist er der ‚Sellout‘, und nicht ich – insofern: ‚Fuck off‘! Darum geht es am nächsten Album.

Tape Deck Heart hat diesen gewissen ‚Pop-Sound‘ – planst du, deine weiteren Alben in ähnlicher Klangästhetik zu produzieren?
Frank Turner
Tape Deck Heart hat definitiv den besten Drumsound, den ich jemals auf einem meiner Alben hatte. Ich wäre also froh, wenn sich daran am nächsten Album nichts ändert! Ich weiß noch nicht, mit wem wir die nächste CD aufnehmen werden, es wurde sogar darüber geredet, dass ich sie selbst produzieren könnte – aber ich weiß nicht, wie glücklich mein Label mit dieser Entscheidung wäre (lacht).

Du hast auch kürzlich mit deiner zweiten Band, Mongol Horde, aufgenommen. Wie lief das?
Frank Turner
Harr, ja! Es ist ausgeartet. Das Album wird bald erscheinen – ich glaube, wir werden einfach keine Promo dafür machen. Eines Tages wird es dann da sein, und du wirst Montag Morgen da stehen und dir nur ‚Oh, Fuck me!‘ denken. Ich bin aufgeregt, denn jeder, dem ich die Mixes bisher vorgespielt habe, sagte so etwas wie ‚Um Gottes Willen, das ist irre!‘ – und genau das will ich hören!

Okay, also Mongol Horde..
Frank Turner
Es heißt Möngöl Hörde! So wie bei Mötley Crüe und Motörhead. Ich habe vorgeschlagen, dass wir das mit den Umlauten übernehmen. Aber alle anderen meinten nur, ich soll Ruhe geben.

Wie wird also jemand, der außer The Way I Tend To Be nichts von deiner Musik kennt auf Möngöl Hörde reagieren?
Frank Turner
Sie werden vor Angst erblassen! Wir haben vorletztes Jahr einige Gigs mit Mongol Horde gespielt, unter anderem am Leeds Festival. Ich kam auf die Bühne und da stand ein dreizehn Jahre altes Mädchen in der ersten Reihe, die ein Schild in die Höhe hielt, wo Wessex Boy drauf stand – ich ging also da raus und dachte mir ‚Oh, ich werde dir gleich den Tag versauen!‘. Ich habe mich vorgelehnt und ihr aus allen Leibeskräften ins Gesicht gebrüllt – sie ist daraufhin ziemlich schnell weggelaufen.

Dankeschön!

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