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Girugamesh – Szene Wien

Girugamesh – Szene Wien

Diesen Abend in Worte zu fassen, scheint wie Licht in eine Box packen zu wollen.
Selten ist ein Live-Auftritt einer Band so emotional und doch energiegeladen gewesen. So kraftvoll und doch so flüchtig. Die Verantwortlichen für jegliche Gefühlswallungen dieser Art: Girugamesh.

Nachdem die vier Japaner für zwei Jahre fast wie vom Erdboden verschluckt schienen, ließen sie sich im Zuge ihrer diesjährigen Monster-Tour durch Europa auch in Wien blicken. Wer sie davor schon live gesehen hat, wusste, dass Girugamesh zwar eine solide Bühnenshow abliefern, aber was dann kam, hatte kaum jemand erwartet.

(c) Mario Baumgartner

(c) Mario Baumgartner

Mit einem überwältigenden Getöse empfingen sich Band und Publikum gleichermaßen und ohne lang zu fackeln, wurde das musikalische Monster entfesselt:
Break Down brach mit dem ersten Takt den Unwillen der noch skeptischen Konzertbesucher, Hände wurden in die Luft geworfen und der Sänger Satoshi stieg mit seiner wunderbar warmen und starken Stimme zu Bass, Gitarre und Schlagzeug ein. Wenn man die doch für uns Europäer zierlichen und kleinen Japaner auf der großen Bühne vor sich sieht, überrumpelt einen die Stimmgewalt und Präsenz von Satoshi umso mehr.  Dazu muss auch gesagt werden, er ist ebenfalls ein Meister der Selbstinszenierung. Keine gefühlte Minute verging, ohne dass der Sänger den Arm stolz in die Luft streckte und dabei aus voller Kehle und mit ganzem Herzen neue und alte Songs zum Besten gab.

(c) Mario Baumgartner

(c) Mario Baumgartner

Doch nicht nur Satoshi schien den Abend sichtlich zu genießen. Auch der Gitarrist Nii hatte deutlich Spaß daran, für seine Fans alles zu geben, was er zu bieten hatte. Posen wie die Großen – Ausfallschritt und die berühmte Metalhand waren teil seines Perfomance-Repertoires. Dass sich bei der einen oder anderen Grimasse von Nii das Grinsen nicht vermeiden ließ, nahm einem keiner so wirklich übel. Es unterstrich nur mehr die Freude an der Musik, die die Band und ihre Fans zu diesen Stunden teilten.

(c) Mario Baumgartner

(c) Mario Baumgartner

Die Spannung in der Halle trieb der Song VOLTAGE vom aktuellen Album Monster  in die Höhe. Auch ältere Tracks wie volcano brachten die Menge zum beben und ließen die Atmosphäre musikalisch impodieren. Ryo am Schlagzeug und ShuU am Bass lebten ihre Leidenschaft an ihren Instrumenten. Feuer und Flamme war die ganze Band für ihre Musik und umso länger das Konzert ging, umso mehr fehlten einem irgendwann die Worte, wie überwältigend musikalische Leidenschaft sein kann. Und an dieser Stelle ist nicht nur von Girugamesh die Rede.
Das Publikum selbst war nicht nur mitgerissen, es schien erfüllt von Rock. Jeder Beat, jeder Takt wurde mit jeder Pore des Körpers aufgesaugt. Jeder Moment eine Erinnerung, die einen kleinen Augenblick Freiheit in sich barg.

(c) Mario Baumgartner

(c) Mario Baumgartner

Leider ziehen auch die schönsten Momente vorüber. Doch Girugamesh wären nicht Girugamesh, wenn sie es bei grandios belassen würden. Nein, es musste schon besser sein als das. Satoshi bewies, dass seine Stimme nicht nur sanft und warm kann, sondern auch gefühlvoll und hart zugleich. Ich weiß nicht wie er es macht, aber er kanns.

Die ganze Band bewies an diesem Abend ihr Facettenreichtum. Manchmal ließen Girugamesh das innere Monster von der Kette. Dann hieß es dreckiger Rock mit dreckiger Stimme, mächtig und ungezügelt bei Songs wie Dirty Story. Im nächsten Augenblick vereinten sie dann aber wieder Melancholie und gute Laune in einem balladigen Lied wie ALONE.

(c) Mario Baumgartner

(c) Mario Baumgartner

Der letztendliche aber gänzlich unvergessliche Abschluss des Abends kam ganz leiser daher und doch so überraschend. Ein treibendes und doch sanftes Schlagzeug machte den Anfang, es folgten die fast zärtlichen Angeschlagenen Seiten der Gitarre – die Welt schien für einen Moment stillzustehen. Dann setzte Satoshis Stimme ein, gefühlvoll und zerbrechlich zugleich. 壊れていく世界 (Kowarete Iku Sekai) löste in allen dasselbe aus. Es wurde beinahe andächtig still. Jeder lauschte mit dem Herzen. Man war genau da, hörte dieses Lied und war doch ganz weit weg, wurde von der Musik davon getragen und auf eine kurze Reise geschickt. Bis zur absoluten musikalischen Katharsis. 

Perfekt ist ein Wort, welches bedacht benutzt werden sollte. Doch dieser eine Abend, der war perfekt. Denn er hat gezeigt, dass Dinge, die scheinbar widersprüchlich sind, zusammen passen können und eine außergewöhnliche Erinnerung zurück lassen.

 

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