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Guardians of the Galaxy – Filmkritik

Guardians of the Galaxy – Filmkritik

Wenn die dreidimensionale Blockbuster-Verfilmung von Marvels gleichnamiger Comic-Serie zwischendurch so grell und billig aussehen wie Flash Gordon, dann garantiert nur weil Regisseur und Co-Autor James Gunn auf die 80er steht. Und natürlich auf die 70er, die sein erste Jahrzehnt waren: die wilde Ära von Cherry Bomb und Blue Swedes Cover Hooked on a Feeling mit dem Ouga-Chacka-Intro! Das und ein pseudo-zensierendes Warnschild vor Chris Pratts Mittelfinger sind entschieden mitverantwortlich für den Erfolg der actiongeladenen Sci-Fi-Comedy.

Darin kommen keiner der beiden Trailer-Szenen so vor. Kein langes Ouga-Chacka und kein selbstironisches Durchbrechen der dritten Wand durch Zensurschilder. Kein Wunder, denn zu zensieren gibt es nichts. Im Trailer liegt der eigentliche Witz darin, dass in einem intergalaktischen Krieg ein von irgendeinem Kleinganoven ausgestreckter Mittelfinger radikale Sofortmaßnahmen erfordert. Disney ist eben Disney. Und Peter Quill (Chris Pratt) ist natürlich nicht irgendein Gauner auf Indianer-Jones-mäßiger Weltraum-Grabräuber-Tour, sonder Star Lord! Jetzt nicht wie „Space Lord Motherfucker“; der heißt im Film Ronan (Lee Pace) und dient dem Sith-Lord-liken Thanos (Josh Brolin). Quill fliegt eher wie Peter Pan mit Düsenantrieb-Stiefeln durchs Weltall und will nicht erwachsen werden. Weil damit Schluss wäre, wenn Thanos plangemäß das Weltall zerstörte, kämpft Peter plötzlich für mehr als den eigenen Werte. Letzte sind Alf, „Footloose“ und ein von den alten Walkmans mit diesen porigen Schaumstoff-Kopfhörern. Den hat der zukünftige Guardian aus seiner Kindheit auf der Erde in den 80ern. Seine todkranke Mami will Peter zum Abschied die Hand reichen, doch er dreht sich weinend weg. Disney.

Quasi als direkte Reaktion auf die Worte seiner Mutter, sein abwesender Vater werde ihn abholen, wird Peter von Aliens entführt. Man ahnt, worauf die Story hier hin steuert. Wer die Comicfigur kennt, weiß es sowieso. 25 Jahre später in einer ungemütlicheren Ecke des Universums ist der kleine Junge ein lässiger Outlaw mit einem offensichtlichen Problem loszulassen. Sein Raumschiff dekorieren Sammelsticker und Troll-Figuren, die direkt ins Herz des Publikums zielen. Ein Science-Fiction-Film, der der Ära huldigt, als so viele coole Science-Fiction-Filme herauskamen, ist selbst schon fast cool. So wie der lässige Held, der unermüdlich das gleiche Mixtape spielt: mit Songs, die beim ersten Anhören schon nervig sind: „If You like Pina Coladas…“ Wer das Jahrzehnte ohne geistigen Schaden durchhält, ist ein Held oder hat eine Macke. Oder beides, wie der Rest des Teams: der cholerische Ex-Versuchswaschbären Rocket (Bradley Cooper), dem durch Thanos seiner Familie beraubten Berserker Drax (Dave Bautista), Thanos rebellischer Tochter und Quills Love Interest Gamora (Zoe Saldana) sowie dem heimlichen Helden Groot (Vin Diesel). Ihre Jagd nach dem McGuffin, der eine zerstörungsmächtige Metallkugel ist, überschlägt sich in bissigen Dialog und Effekten mit zahlreichen Anleihen bei LEXX, Das Fünfte Element und Douglas Adams.

Spätestens wenn Peter gegenüber Gamora Massenunterhaltung wie Footloose als große Epos beschreibt und sie infolgedessen sagt, sie seien Helden „wie Kevin Bacon“ (für eine Spoiler-Warnung ist der Gag dann doch zu flach), wird offenkundig, dass hier niemand Comics, Retro-Kult oder Freundschaft feiert, sondern das Mainstream-Kino sich selbst. Eben Disney. Mit Verve und blendend aufgelegten Darstellern inszeniert, ist das für zwei Stunden trotzdem nett anzusehen. Die Minute, die Guardians of the Galaxy länger geht, ist dann fast schon zuviel. Vielleicht doch nicht so übel, dass bei der Pressevorführung der Post-Credits Cliffhanger noch fehlte…

Guardians of the Galaxy

Kinostart: 28. August 2014
Genre: Science-Fiction. Action, Komödie
Regisseur: James Gunn
Cast: Chris Pratt, Zoe Saldana, Vin Diesel, Bradley Cooper
Land: USA
Dauer: 121 Minuten
Filmverleih: Disney
Film Website
Für Fans von: Galaxy Quest, Das Fünfte Element, Die Goonies

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