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Hatsune Miku: Project DIVA F2nd im Test

Hatsune Miku: Project DIVA F2nd im Test

Am 21. November wagte Crypton Futute Media einen großen Schritt: Hatsune Miku: Project Diva F2nd (Homepage) aus der SEGA-Familie schaffte es zum ersten Mal als Hardware in europäische Stores.

Der Vorgänger des Musikspieles war bei uns nur als Download verfügbar. Bei unseren japanischen Buddies umfasst die Spieleserie mittlerweile neun Spiele, darunter auch ein Arcade-Game und das eine oder andere Spin-off. Ein halbes Jahr nach dem Releasetermin in Japan können wir uns nun auch an den digitalen Pop-Ikonen erfreuen.

In Europa und den USA ist dieses Franchise nur eingefleischten Fans der japanischen Populärkultur bekannt. In Japan aber werden die blauhaarige Hatsune Miku und Co., die auch als Vocaloid bekannt sind, wie Popstars gefeiert. Dabei handelt es sich um Gesangsstimmen, die komplett per Computer generiert wurden und denen man ein Charakter-Design im Manga-Stil verpasst hat.

Es gibt riesige Konzerte, bei denen sie animiert auf Leinwand projiziert und von einer Band begleitet werden- und das Publikum rockt mit Begeisterung mit! Da überrascht es natürlich nicht, dass sich auch die Project Diva-Reihe größter Beliebtheit erfreut. Bevor ich aber meinen Nerdboner auspacke, widmen wir uns mal lieber dem Spiel.

Schon beim Opening wird man von einem Overflow an Farbe, Hochglanz und superhappy Musik begrüßt. Die Charaktere, ganz besonders die Haare, sehen aus wie Plastikfiguren. Sehr schöne Plastikfiguren, die sich bewegen! Nachdem ich mir das Intro mit großen, strahlenden Kulleraugen und Herumgequietsche reingezogen habe, starte ich das Spiel.

Im Hauptmenü sieht man in der Mitte Hatsune Miku schweben, von Menüpunkten in Würfelform umgeben. Ich habe mich ja schon im Vorhinein über das Spiel schlau gemacht, daher widme ich mich voller Erwartung als erstes dem Hauptmenüpunkt „Play“ – lasst uns spielen!

Get this party started! ©Screenshot

Get this party started! ©Screenshot

Stern, Kreis… Wie war das nochmal!?

Play teilt sich in drei Unterpunkte, nämlich in „Tutorial“, „Rhythm Game“ und „Edit Play“. Auf den letzten Punkt komme ich später noch einmal zurück. Ich spiele also das „Tutorial“ zur Musik von Ivan Polkka und einer Chibi-Miku, die eine Lauchstange als Taktstock missbraucht. Die Spielmechanik ist ja eigentlich nicht so schwer, oder? Wenn sich ein Target einem Spot nähert, muss ich nur im richtigen Augenblick den passenden Button drücken. Ist der Spot pfeilförmig, drück ich den richtigen Button und die dazu passende Richtung am Steuerkreuz. Hat der Spot einen Schweif, hallte ich den Button gedrückt und lasse ihn erst am Schluss wieder los. Und dann gibts noch sternförmige Spots, bei dem ich mit dem Joystick schnippen muss. Dass ich anfangs nicht einmal das Tutorial geschafft habe, erwähne ich an diesem Punkt besser nicht…

Nun gut! Mit den erworbenen Skills gehts auf zum „Rhythm Game“! Bevor ich ein Spiel starte, kann ich im Menüpunkt bei der Vorauswahl des Songs unter dem Punkt „Customize“ einstellen mit welchem Charakter ich spiele und welchen Skin ich für die Lebensleiste haben will. Das geht selbstverständlich nur, wenn ich Betreffendes schon freigespielt habe.

Obwohl ich auf dem leichtesten der vier Schwierigkeitsgrade starte, bei dem man nur den Joystick zum Schnippen und Kreis benutzt, faile ich auf der ganzen Linie! Zwischen Tutorial und Easy lagen für mich Welten. Anders als bei anderen Musikspielen sind die Spots über den ganzen Bildschirm verteilt und die Targets fliegen aus allen Richtungen ins Bild.

Zusätzlich erschwert das animierte Musikvideo im Hintergrund das Erkennen der Spots und Targets. Für jeden gespielten Song bekommt man sogenannte „Diva Points“, die man wiederum gegen mehrere Dinge eintauschen kann.

Drückt die Tasten und bringt die Kontakte zum glühen! ©Screenshot

Zum Beispiel kann man im Startmenü vor Beginn des Songs nach Bedarf Items für die Runde dazu kaufen. Sie teilen sich in Hilf- und Challenge Items. Ein Hilfitem bewirkt beispielsweise, dass alle „Safe“ und „Miss“ als „Good“ gelten, dafür wird die Bewertung am Ende automatisch als „So Close“ eingestuft. Eines der Challengeitems hingegen lässt die Targets wirklich random aus allen Richtungen einfliegen, was das Spiel auch auf „Easy“ superhart macht. Nachdem ich den Dreh langsam heraushatte, wagte ich mich an „Normal“.

Wenn ich „Normal“ sage, dann müsst ihr euch vorstellen, dass ich es wie Dr. Evil aus Austin Powers langsam betone und dazu Gänsefüßchen mache, denn „Normal“ ist „Normal“ sicher nicht! Sogar mein Kollege, der um einiges mehr Erfahrung mit Musikspielen hat als ich, hatte beim ersten Versuch ein „DROPxOUT“ und beim Zweiten ein „So Close“!

Dabei muss auch gesagt werden, dass man ganz im japanischen Schulstil 80% statt 50% braucht, um nicht durch eine Prüfung zu rasseln. Sehr frustrierend das Ganze, aber auf diese Art macht das Spiel auch richtig süchtig, da ich ein „So Close“ einfach nicht mit meinem Ego vereinbaren kann.

Versuchs halt nochmal! ©Screenshot

Versuchs halt nochmal! ©Screenshot

Enter the Vocaloid!

Nachdem mein Hirn sich schon vor lauter Regenbogen-Glitzer-Weichklopf-Action wie Matsch angefühlt hat, fand ich, es ist Zeit den nächsten Menüpunkt auszuprobieren, den „Diva Room“! Und genau der ist ein Musterbeispiel für das Stichwort „WTF Japan!?“.

Wie der Name schon sagt, trittst du dort in die privaten Gemächer der einzelnen Vocaloid ein und kannst dort mit ihnen interagieren. Klingt ja eigentlich so weit ziemlich nett.

Aber hier fange ich auch schon an mich ein wenig awkward zu fühlen: Während man dem besuchten Charakter über den Kopf streichelt, vergrößert sich ein Herz am rechten Bildschirmrand. Streichelt man die Diva zu lange, platzt das Herz und dein Gegenüber regt sich auf. Lässt man aber davor oder im richtigen Moment los, wird das Herz zu den Zuneigungspunkten dazugerechnet. Bis man das Timing beherrscht, hat man mit den Vocaloid aber eine eher komplizierte Beziehung. Wie im richtigen Leben!

Hat man es geschafft, eine gewisse Anzahl an großen Herzen herbei zu beschwören, löst man die „Fever Time“ aus. Der Charakter wackelt wie ein Metronom, von einer Seite auf die andere, und man muss versuchen ihm ins Gesicht zu poken. Auch dabei kann nach Ende der „Fever Time“ die Zuneigung gesteigert werden. Welche komischen Gedanken mir da kommen, sag ich jetzt lieber nicht.

Verbringe Zeit mit deinem Lieblings-Vocaloid. ©Screenshot

Verbringe Zeit mit deinem Lieblings-Vocaloid. ©Screenshot

 Zusätzlich kann man den Vocaloid auch mit Geschenken in Form von Essen und Staubfängern eine Freude machen. Außerdem lösen bestimmte Geschenke Videosequenzen aus, bei denen auch mal ein anderer Vocaloid auf einen Sprung vorbei kommt. Geschenke kann man im Shop, der auch als eigener Hauptmenüpunkt zu finden ist, zusammen mit Kostümen, im Spiel „Modules“ genannt, Kopfschmuck, Deko für den Raum und Skins im Tausch gegen erspielte „Diva Points“ erwerben.

Ja! Man kann ihren Raum umdekorieren! Nicht nur, dass man die Vocaloid jederzeit aus verschiedenen Kamerawinkeln beobachten kann, nein! Man kommt dort hin und dekoriert einfach mal so den Raum um. Wer zum Teufel macht so was? Wenn das ein Besucher bei mir machen würde, würde er äußerst unsanft den Shortcut nach draußen durchs Fenster nehmen! Aber Gott sei Dank sind uns die Divas wohl gesonnen und reagieren nicht auf eine derartige Umgestaltung ihrer Räumlichkeiten.

Hat man erst mal Zuneigungslevel 2 erreicht, wird man immer wieder mal von den Vocaloid zum Spielen aufgefordert. Die Variation der Minispiele umfasst die japanische Version von Schere, Stein, Papier und „Patty Cake“ zu dem Lied von „Yankee Doodle“. Bei „Patty Cake“ erwische ich mich manchmal selbst dabei, wie mein eigener Affektionslevel steigt.

Das Minispiel weckt Kindheitserinnerungen! ©Screenshot

Das Minispiel weckt Kindheitserinnerungen! ©Screenshot

 Neben den ganzen Spielereien gibt es im „Diva Room einen Menüpunkt mit Gadgets. Die umfassen wundersame Dinge wie eine Kitchen Clock, aber auch coole Dinge, wie zum Beispiel die Art Gallery, in der du die verschiedenen, schon freigeschalteten Bilder aus den Ladescreens noch mal in aller Ruhe betrachten kannst. Nachdem ich den „Diva Room“ auf all seine (Be-)Sonderheiten untersucht habe, wollte ich noch die restlichen Hauptmenüpunkte erkunden.

Bastelstunde!

Speziell für Leute, die nach dem Extreme-Schwierigkeitsgrad noch immer nicht genug haben und nach noch schwierigeren Herausforderungen suchen, ist der „Edit Mode“ einfach richtig cool! In einem Tutorial wird mir Schritt für Schritt erklärt, wie ich meine eigenen „Rhythm Games“ erstellen kann. Angefangen vom Setting, den Charakteren und Tanzbewegungen bis hin zur Verteilung der Spots kann ich mir mein persönliches Video zusammenschustern! Die bearbeitbaren Lieder sind auf die freigeschalteten begrenzt.

Da man aber sehr lange an der Erstellung eines eigenen „Rhythmn Games“ sitzt, fällt das nicht so sehr ins Gewicht. Um das Ganze sinnvoll und gut machen zu können, bedarf es einiger Auseinandersetzung mit der Materie. Ich war am Anfang mit den vielen Optionsmöglichkeiten etwas überfordert. Wenn man aber ein bisschen damit herumgespielt hat, wird alles übersichtlich. Sobald ich ein Spiel erstellt habe, kann ich sowohl vom „Edit Mode“, als auch über den Hauptmenüpunkt „Play“ und „Edit Play“ darauf zugreifen, um Veränderungen vornehmen.

Beim Edit Mode kann man seiner Kreativität freien Lauf lassen! ©Screenshot

Beim „Edit Mode“ kann man seiner Kreativität freien Lauf lassen! ©Screenshot

Der letzte Feinschliff!

Über die anderen Menüpunkte gibt es so nicht wirklich viel zu erzählen. Im „Network“ kann ich mir DLC in Form von neuen „Modules“ und Songs ziehen. Mein persönliches Versagen beim „Rhythm Game“ lag selbstverständlich nicht bei mir, sondern an der Button-Kalibrierung! Die hab ich im Menüpunk „Other“ neu einstellen können. Besser war ich nachher trotzdem nicht. Unter „Other“ habe ich aber noch andere interessante Optionsmöglichkeiten gefunden: zum Beispiel kann ich dort einstellen, ob die Divas singen oder nicht, wenn ich mal wieder das Target verfehle. Sogar die Untertitel kann ich da von Japanisch auf Englisch umstellen, damit ich weiß, was gesungen wird, wenn die Lyrics meine Japanischkenntnisse überschreiten. Meine Achievements, und wie gut oder schlecht ich bei den Songs abgeschnitten habe, kann ich in „Records Revue“ passieren lassen.

Hey.. is this thing on?

Ich hatte doch erwähnt, dass es in Japan riesige Vocaloid-Konzerte gibt? Im „Live-Studio“ werde ich zum Regisseur, schneide das Video zum Liveauftritt und bewege die Menge mit ihren Glowsticks zum Party machen. Wie wäre es mit einem Fotoshooting mit meinem persönlichen Liebling? Diese Möglichkeit bietet mir das „Photostudio“, in dem ich verschiedene Posen und Gesichtsausdrücke zu einem wunderbaren Foto zusammenstellen kann. Genau diese Funktion hat mir einen äußerst unterhaltsamen Abend beschert!

Übernimm die Kamera-Führung bei Live-Konzerten! ©Screenshot

Fazit

Obwohl das Spiel als Rhythm Game vollkommen ausreichen würde, bietet es mit anderen Minigames eine Menge Spielspaß für mehrere Stunden. Was mir gefallen hat, ist, dass einem beim Spielen der Songs nicht gleich volle Multitask-Power abverlangt wird. Mit jedem Schwierigkeitsgrad kommt ein Button mehr dazu, was zur Folge hat, dass man nicht sofort dazu neigt, das Spiel samt Konsole aus Frustration zu tableflippen. Für Hardcore-Gamer ist der „Edit Mode“ auf jeden Fall spannend! Das „Studio“ und der „Diva Room“ sind als Fanservice wohl eher was für eingefleischte Liebhaber der synthetischen Pop-Idole. Da beides aber optional und nicht wichtig für den Spielverlauf ist, denke ich, dass sich auch eine breitere Masse für das Spiel begeistern lässt.

Mir als geselligen Menschen ist die Multiplayerfunktion sehr abgegangen. Dafür hat das Spiel hohes Unterhaltungspotenzial, wenn man anderen beim Fluchen und ihren WTF-Momenten zusieht. So gesehn ist der Mehrspielerspaß doch in anderer Form gegeben. Im Großen und Ganzen ist Hatsune Miku: Project Diva F2nd ein herausfordernder Spielspaß für Newbies und Pros, die sich gerne neuen Rhythmus klopfenden Herausforderungen stellen. Darum vergebe ich für das Spiel acht von zehn Punkten!

 

Hatsune Miku: Project DIVA F2nd

Releasedate: 21.11.201
Plattform: Playstation 3, Playstation Vita
Genre: Musikspiel
Publisher: SEGA
Entwickler: Crypton Future Media
Ungefähre Spieldauer: 14 Stunden +
Für Fans von: Dance Dance Revoltion, Vocaloid
USK: ab 6 Jahren
Preis: gesehen um 39,99 Euro

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