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Im August in Osage County – Filmkritik

Im August in Osage County – Filmkritik

Im Film, der Meryl Streep ihre achtzehnte (!) Oscarnomminierung bescherte, klettern die Temperaturen, der Asphalt flimmert und die Gemüter kochen über. John Wells bringt das Bühnenstück von Tracy Letts auf die Leinwand und dabei bleibt kein Auge trocken. Freudentränen sind das allerdings kaum.

Patriarch der Weston Familie Beverly (Sam Shepard) verschwindet eines Tages spurlos aus seinem Haus in Osage County, Oklahoma. Ehefrau und Mutter der gemeinsamen Kinder Violet (Meryl Streep), deren Mundhöhlenkrebs aller Wahrscheinlichkeit nach nicht allein vom Rauchen verursacht wurde, sondern von den giftigen, grausamen Worten die sie an ihre nächste Umgebung richtet, befindet sich in höchster Aufruhr. So machen sich die längst erwachsenen Sprösslinge samt eigener Familien auf den Weg in den Ort in dem sie ihre Kindheit verbrachten. Älteste Tochter Barbara (Julia Roberts) reist samt entfremdeten Ehemann (Ewan McGregor) und schnippischen Teenagerspross Jean (Abigail Breslin) aus Colorado an, aus dem sonnigen Florida fährt die flatterhafte Mittlere (Juliette Lewis) mit Playboy Lover (Dermot Mulroney) im roten Cabrio vor. Nesthäckchen Ivy (Julianne Nicholson), Single und deswegen ständig Zielscheibe Mutters Nörgeleien, ist die einzige, die in der direkten Umgebung geblieben ist und sich wohlwollend um die schwierige Mutter kümmerte. Um das Haus auch gänzlich voll zu machen stoßen auch noch Violets Schwester Mattie Fae (Margo Martinsdale) und Mann Charles (Chris Cooper), sowie deren zerstreuter Sohn „Little Charles“ (Benedict Cumberbatch) dazu. Wiedervereint im Elternhaus wird nicht nur in Kindheitserinnerungen geschwelgt. Geheimnisse werden gelüftet, alte Konflikte wieder aufgewärmt, neue entfacht und die Familienmitglieder zerfleischen sich gegenseitig beim Showdown pünktlich zum Mittag(essen).

Der sonst eher als Produzent erfolgreicher TV-Formate (Emergency Room, Southland, Shameless) bekannte John Wells beweist in Im August in Osage County, dass er auch ein Händchen für die Regie von schwierigen Dramen hat. In der sengenden Augusthitze inszeniert Wells seine Charaktere deren eigenen Emotionen heißlaufen. Die stickige Luft im Haus, das Hauptschauplatz des Dramas ist, erzeugt klaustrophobische Gefühle die die mentale Situation der Protagonisten widerspiegelt. Sie alle sind auf die ein oder andere Art gefangen, können nicht frei atmen. Sei es in einer zerbrochenen Ehe, durch ein zulange bewahrtes Geheimnis oder durch die eigene Gutmütigkeit. Ihre Befreiungsschläge sind es letztlich die auf allen Seiten Todesopfer hinterlassen. Für diese verbale Form der Kriegsführung zeichnet sich Tracy Letts verantwortlich, die auch das Drehbuch für den Film schrieb. Im August in Osage County ist ein dialoggetriebener Film, der an die filmischen Adaptionen von Tennesee Williams Stücken denken lässt. Es tun sich wahre Abgründe auf wenn die Familie Westen unter die Lupe, und Stück für Stück auseinander genommen wird. Es wird hier zwar kein Mythos einer glücklichen Familie dekonstruiert, die Westons haben das Aufrechterhalten dieser Illusion schon lange aufgegeben. Das aber dämmt die Detonation auch nicht ein und die verheerenden Konsequenzen bleiben die gleichen.

Das fantastische Ensemble haucht den Figuren Leben ein und sorgt dafür, dass die hochbrisanten Szenen authentisch bleiben und trotz der überschäumenden Auseinandersetzungen, die dann und wann ans Absurde angrenzen, niemals im Klamauk enden. Meryl Streep schafft es aber dennoch sich hervor zu tun. Als feuerspeiende Hausherrin Violet deren Triaden in sämtlichen Nuancen kommen – von hart über grausam bis schlichtweg menschenverachtenderen – deren Launen von drogen-induzierten Hochs zu puren Hass und tiefster Depression umschlagen, liefert sie eine so eindrucksvoll realistische Vorstellung die den Zuschauer erschüttert und bewundernd zugleich zurücklässt.

John Wells Film ist ein Charakter- und Familienstudie einer Sippschaft deren Teil man nicht sein möchte. Familie ist nicht einfach und genauso wenig ist es dieser Film. Ihn anzusehen ist ein Kraftakt der emotional viel von einem fordert und einen auch nach den Schlusscredits noch beschäftigt.

Im August in Osage County

Kinostart: 7. März 2014
Genre: Drama
Regisseur: John Wells
Cast: Meryl Streep, Julia Roberts, Ewan McGregor
Land: USA
Dauer: 120 Minuten
Filmverleih: 20th Century Fox
Für Fans von: Die Katze auf dem heißen Blechdach, Long Days Journey into Night, Steel Magnolia, Gott des Gemetzels

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