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Im Zweifel Schuldig – Filmkritik

Im Zweifel Schuldig – Filmkritik

Unter Dokumentationen stellt man sich bisweilen nicht unbedingt dramatisch inszenierte Filmwerke vor, die den Zuschauer bis zum Ende vor dem Bildschirm zu bannen mögen. Obwohl Im Zweifel Schuldig die Fehler des amerikanischen Rechtssystems am Beispiel eines besonders tragischen Falls durchaus dokumentarisch präsentiert, findet man auch Elemente, die untypisch für eine Doku wirken, ein zweischneidiges Schwert.

Zu den Fakten: Seit 15 Jahren befindet sich der Amerikaner Marcus Wiggins im Gefängnis. Er wurde für einen Mord verurteilt, den er nicht begangen hat. Das Center on Wrongful Convictions, welches sich um die Freilassung sogenannter „Justizopfer“ in den USA bemüht, nimmt mithilfe von fünf Praktikanten den Fall um Wiggins neu auf und versucht seine Unschuld zu beweisen. Falls diese nicht einwandfrei zu beweisen ist, stehen für den Inhaftierten weitere 31 Jahre Haft an.
Im Laufe der Ermittlungen kommt ans Licht, dass es sich bei seiner Verurteilung jedoch um mehr handelte als einen Fehler in der Justiz.

„Wir wachsen gerne in dem Glauben auf, dass die Polizisten nur da sind, um uns zu beschützen, auf uns zu achten und in Schulen zu gehen, um mit kleinen Kindern zu reden. Die Wahrheit ist, das sind sie nicht alle. Und es ist ziemlich unangenehm, sich damit auseinanderzusetzen.“ – Katie Wynbrandt

Was hier in seiner Kürze wie der Beginn eines spannenden, jedoch fiktiven Politthrillers klingen mag, ist bittere Realität. Der Dokumentarfilm erzählt eine unfassbare spannende, schockierende Geschichte in der die Rollen von Gut und Böse, vereinfacht dargestellt, vertauscht sind. Stück für Stück wird ein Porträt des Mordfalls um den zu Unrecht Verurteilten gezeichnet.
Doch auch den fünf Praktikanten die das Center on Wrongful Convictions tatkräftig unterstützen wird viel Raum vor der Kamera eingeräumt. In einem Videotagebuch berichten sie von ihren persönlichen Empfindungen rund um die Ermittlungen. Genau diese Szenen sind es schließlich die den Film etwas unbeholfen und aufgesetzt wirken lassen. Obwohl sie frischen Wind in das Dokumentargenre bringen versucht man hier den Zuschauer durch bloße Emotionalität von Marcus Wiggins Unschuld zu überzeugen, nicht durch klare Darlegung von Fakten. Generell tappt man als Zuseher viel zu lange im Dunkeln, bevor die Umstände des Mordfalls ersichtlich werden.
Was in einem Krimi prima funktionieren würde, stört an dieser Dokumentation: Es bringt Spannung in den Film, jedoch auf Kosten der Glaubwürdigkeit.

Im Zweifel schuldig zu bewerten fällt schwierig, zu tragisch ist das Schicksal des inhaftierten Marcus Wiggins um dem Film als Totalausfall einstufen zu wollen. Andererseits stellt sich die Frage, ob die Form der Inszenierung dem Inhalt wirklich angemessen ist. Im Zweifel schuldig will mehr sein als eine Doku, nämlich ein Politthriller mit dem Anspruch von Korrektheit. Jedoch stranguliert sich der Streifen an dieser Ambition selbst. Er ist weder Fisch noch Fleisch. Die Klage an das amerikanische Justizsystem geht so beinahe unter.

Im Zweifel schuldig

Kinostart: 28. März 2014
Genre: Dokumentarfilm
Regisseur: Axel Breuer
Cast: Marcus Wiggins, Kristen Krofchik, Katie Wynbrandt, Abbas Khan
Land: Österreich
Dauer: 82 Minuten
Filmverleih: Thimfilm
Für Fans von: Let’s Make Money

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