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LOKA – Wiener Replugged

LOKA – Wiener Replugged

Ein kleiner Haufen von Fans sammelte sich vor der ebenfalls kleinen Bühne des Wiener Replugged. Obwohl es ein kühler Sommertag war, herrschte in der Halle, die mehr an einen großen Partykeller mit Bar erinnert, schon hitzige Temperaturen. Das konnte natürlich ebenso an der warmen Vorfreude der Fans liegen, die sich hier versammelt hatten, um LOKA (Facebook) zu sehen.

LOKA ist eine Hard Rock-Band aus Japan und der Auftritt am  Abend des 11.07.2014 lässt sich zur ihren zweiten in Wien zählen. Doch alle, die LOKA bereits kennen, wussten was sie erwarten würde. Und einige Erwartungen wurden mit diesem Live-Gig im Rahmen ihrer ECHOEZ-Tour 2014 vielleicht sogar übertroffen.

Doch schon zu Beginn wurde ein kleiner Rückschlag angekündigt. Der Drummer KEN’ICHI konnte nur mit eingegipsten linken Bein spielen, deshalb wurde um Verständnis und Rücksicht geboten. Und tatsächlich – da humpelte der Schlagzeuger der Band auf die Bühne, unter bestärkenden Zurufen der Fans, mit einem großen Grinsen auf dem Gesicht. Er tat es wirklich, trotz Gips, und dafür gebührte im sichtlich die Anerkennung des Publikums.

KEN'ICHI (drums)

KEN’ICHI (drums)

Auch die restlichen Mitglieder der japanischen Band nahmen ihre Positionen ein: Katsumi am Bass, SIN an der Gitarre und Kihiro als Sänger inmitten der Bühne, noch mit Rücken zum Publikum. Erwartet unerwartet fielen die ersten tosenden Takte von Slick.  Sofort vom treibenden Rhythmus des Songs mitgerissen fanden sich Publikum und Band in ihrem Element wieder. KEN’ICHI merkte man nicht im Geringsten seine Verletzung an, im Gegenteil – übermütig warf er seine Drumsticks zwischen den Takten in die Luft und wirbelte sie gekonnt zwischen den Fingern. Es war eine Freude ihm dabei zuzusehen. Aber auch der Vocalist Kihiro brachte von Anfang an so viel Energie mit auf die Bühne und schaffte diese gekonnt mit seiner Stimme zwischen Screams und Clean-Gesang zu transportieren. Ob sie dieses Tempo, dieses hohe Niveau wohl den ganzen Abend durchhalten würden?

Katsumi (bass)

Katsumi (bass)

Sie hielten durch – und nicht nur das: Es wurde während und zwischen den Liedern mit dem Publikum gealbert, geredet und vielleicht auch ein bisschen geflirtet. Nach dem überzeugenden Einstig in den Abend folgten stimmungsgeladene und mitreißende Songs wie From Yesterday11th Hour und Daedalus.  Mit diesen Tracks  lieferten LOKA nicht nur einen Vorgeschmack auf ihr zweites Album Quattro, sondern schafften es tatsächlich sich an diesem Abend von Lied zu Lied zu steigern. Kihiro wusste aber auch einfach, wie er seine Fans bei der Stange hielt.  Ein anzüglicher Satz hier, ein Posing da – hatte ich schon mal erwähnt, dass  japanische Bands sich wie kein anderer in der Kunst des Posens verstehen?

SIN (guit.)

SIN (guit.)

Es stimmte einfach alles – naja, fast. Die Soundeinstellungen ließen teilweise wieder etwas zu wünschen übrig, aber das lag mehr an der Location, als an der Band selbst. Je länger der Abend sich zog, umso erschöpfter und trotzdem ausgelassener wurden Loka und Fans. Schweißtreibende Beats ließen alle bis in ihr Limit gehen. Kaum einer mehr konnte sich halten, beinahe jeder tanzte, sang und sprang im Takt vor der kleinen Bühne auf und ab.

Es war auf seine ganz eigene Art und Weise ein seltsam aufreibend magischer Abend. Denn trotz der kraftvoll-berauschenden Musik von LOKA wurde es gegen Ende gefühlvoll, intim.

Kihiro (vo)

Kihiro (voc.)

Nach dem draufgängerischen Song Club Rock Shit wurde der Sänger ganz still und fragte dann, wie viele aus dem Publikum denn die Band Pay Money To My Pain kennen würden. Und dann fing er an zu erzählen – von einem Freund, den er mal hatte. Zusammen feierten sie viel, genossen ihre Jugend. Dieser Freund war K, ehemaliger Sänger der Band P.T.P. Eines Abends haben K und Kihiro gewettet, wessen Band es zuerst schafft, in Budokan, der größten Konzerthalle Japans, aufzutreten. Doch bevor eine der beiden Bands diesen Traum verwirklichen konnte, starb K Ende 2012 an Herzversagen.

Jetzt will Kihiro den gemeinsamen Traum für K Realität werden lassen und mit LOKA eines Tages in Budokan spielen. Kihiros letzte Worte vor dem letzten Lied Tsubasa Trigger waren deshalb „… the only limits are inside of you. Let nobody hold you back!”

Dann folgte noch eine stimmungsvolle  Zugabe, aber Kihiros Geschichte klang noch lange im Raum und in den Köpfen der Anwesenden nach.

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