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Mando Diao im Interview

Mando Diao im Interview

Wir haben also diesen Interviewtermin mit Björn Dixgård von Mando Diao (Homepage). Zusammen mit Gustaf Norén ist er die treibende Kraft dieses Musikprojektes.

Eigentlich ist es 17:30 Uhr am Nachmittag, aber als wir den Raum betreten, sind wir uns nicht mehr sicher, ob es nicht doch erst 5:30 Uhr in der Früh ist. Kaffeegeruch hängt uns in der Nase und die Kleidung des Schweden ähnelt eher einem (asiatischen) Pyjama als einem Alltagsoutfit. Aber gut, hoch lebe das Rockstardasein!

Wir befürchten fast schon, dass Herr Dixgård wirklich so hochnäsig ist, wie er in der Öffentlichkeit oft wirkt. Aber da sollten wir uns täuschen. Wir führten ein äußerst nettes und interessantes Gespräch mit dem Vollblutmusiker. Worüber wir so gequatscht haben, könnt ihr hier nachlesen!

Björn Dixgård mit unserer Redakteurin Luisa Martinek

Björn Dixgård mit unserer Redakteurin Luisa Martinek

Hey, wie geht’s?
Björn:
Alles bestens, danke!

Vor einigen Jahren hast du mal erzählt, dass ihr beim Aufnehmen eines Albums ins Studio geht, nicht viel nachdenkt und einfach drauf los spielt. War das bei eurem neuen Werk Aelita auch so?
Björn:
Nein, das hat sich geändert! Es ist schwierig das mit früher zu vergleichen. Heute nutzen wir mehrere Studios. All die Jahre waren immer die Computer unsere Studios. Wir sind in den 90ern aufgewachsen, das war die Zeit, als man gerade aufgehört hat mit Tonbändern aufzunehmen. Bei der ersten Platte jedoch sind wir einfach ins Studio gegangen und haben das dort Livegespielte einfach aufgenommen, wie man es damals in den 50ern gemacht hat. Wir haben es dann mit Computern bearbeitet. Aber jetzt machen wir das anders.

Inwiefern hat sich das Prozedere denn verändert?
Björn:
In 2007 oder 2008 haben wir herausgefunden, dass unsere Aufnahmen ganz einfach schlechte Kopien unserer Demos waren. Also haben wir uns gefragt, warum wir versuchen diese in den Studios zu imitieren, anstatt einfach die Demos zu nehmen und direkt etwas aus ihnen zu machen. Wir gehen wohl etwas zurück in der Zeit. Aber was gibt es besseres als ein MTV Unplugged? Das ist der schönste Weg ein Album aufzunehmen. Wir denken jetzt mehr nach. Musikmachen war für uns immer so, wie Legosteine zusammenbauen. Es ist nicht so wie in den ganzen Rockdokumentationen, du drückst nicht einfach auf Rec, ein magischer Zauber überkommt dich und alles läuft.

Euer neues Album hört sich sehr von den 80ern beeinflusst an. Ist das Album eher ein Resultat eurer Kindheitserinnerung oder eines der Erlebnisse, die ihr mit dem Aelita Synthesizer gemacht habt?
Björn:
Das ist eine gute Frage. Ich denke einige Teile sind von unserer Kindheit inspiriert. Wir hören jetzt noch viel Musik, die wir schon als Kinder gehört haben. Außerdem haben wir Videospiele geliebt. Genauso sehr wie die Musik und auch die Mode darin. Wir haben uns sogar von der Mode in Streetfighters inspirieren lassen. Ich glaube damals haben wir es nicht wirklich als Inspiration gesehen. Denn als wir viel spielten, waren wir ganz am Anfang unserer Karriere. Aber wir haben realisiert, dass wir das geliebt haben als Kinder. Und das war also die große Hilfe für die Produktion vor allem der Visuals. Der Aelita-Synthie war das Instrument, das das Projekt eröffnet hat. Es ist natürlich in die Aufnahmen involviert und in jedem Song zugegen, aber es gründet nicht die Basis.

Mando-Diao-Aelita-cover

Euer Albumcover ist ziemlich speziell. Ist euch die Entscheidung dafür leicht gefallen? Oder befürchtet ihr, dass ihr dieses Artwork mal bereuen könntet?
Björn:
Ja, für uns war es einfach. Wir dachten, wir hatten immer so langweilige CD-Covers, so farblos. Wir bereuen gar nichts. Vor allem nicht im kreativen Bereich. Das wäre wie wenn ich sagen würde „Fuck, warum habe ich immer so viel Lego gespielt als Kind?“ Natürlich ist es unser voller Ernst. Denn es ist unser Leben, unsere Leidenschaft, unsere Musik.

Wie kam es denn dazu?
Björn:
Wir sahen etwas von der Kunst eines gewissen Ossian Melin. Er ist ein schwedischer Digital Artist und er kommt gerade groß raus in Schweden. Schon seine Eltern waren beide Künstler. Er macht mehr Digital Artwork, er arbeitet mit hoch aufgelösten und niedrig aufgelösten Bildern gleichermaßen, nimmt verschiedene Formen her und fügt noch mehr hinzu. Es hat uns fasziniert und wir haben ihn gefragt, ob er für uns ein Cover gestalten würde.

Und er sagte sofort zu?
Björn:
Ja! Wir sind mit dem Cover am Computer gesessen und haben langsam hineingezoomt und es war wie eine Reise in eine sehr sehr surrealistische Welt. Also arbeiten wir jetzt mit einer Firma für Animation auf Hochtouren für die Liveshow. Es gibt dir eine Chance dich in diese extrem psychedelische Welt hinein zu versetzen. Du kannst dich 360 Grad umschauen, hinunter- oder hinaufblicken. Es ist, als ob man darin schwimmen würde. Und genauso haben wir uns auch gefühlt, als wir die Musik für dieses Album gemacht haben. Wir haben uns gefühlt, als würden wir richtig schwimmen in der Menge an Material. Wir sind in der Technologie geschwommen, in all unseren Instrumenten, es war wie ein Trip – mind blowing!

Euer Sound hat sich bei fast jedem Album verändert. Wie einfach funktioniert denn die Kreation eines neuen Tunes? Ist das eine gemeinschaftliche Entscheidung oder Eingebung?
Björn:
Wir haben noch nie vor einer neuen Aufnahme entschieden, was wir machen wollen. Dafür sind auch immer viel zu viele Leute involviert. Vor allem beim neuesten Album. Eine Zeitlang sind wir als eine Gruppe mit fünf Mitgliedern erschienen. Aber die Band war eigentlich immer Gustaf Noréns und mein Baby. Wir sind Mama und Papa von Mando Diao. Ich bin mir nur nicht sicher, wer der weibliche und wer der männliche Part ist. (lacht) Aber es waren immer unsere Ideen und Konzepte. Jeder einzelne Musiker war eine Bereicherung in kreativer Weise, aber wir haben kein stabiles Line-Up, auch wenn die bisherigen Musiker auch auf der neuen Platte mitgespielt haben. Wenn sie aber ihre eigenen Kinder haben wollen, dann dürfen sie gerne und das wissen sie. Gustaf und ich sind Diktatoren in diesem Bereich. (lacht)

Um noch mal auf den Stil eures neuen Albums zurück zu kommen. Du hast gesagt, ihr wollt eure eigene virtuelle Realität herstellen. Was darf man visuell von eurer Show erwarten?
Björn:
Der visuelle Punkt wird sich vor allem in diesen Sommer schwierig gestalten. Wir haben unsere Vorstellungen bereits ausprobiert, sind aber mit dem Ergebnis nicht zufrieden, da Lichteffekte aufgrund der Helligkeit nicht wirklich funktionieren. Wir heben uns das also für Herbst auf, denn wir planen eine Indoor-Tour. Ich denke diesen Sommer werden wir nur vier oder fünf Songs aus dem neuen Album spielen und den Rest picken wir aus der bisherigen Karriere heraus. Der Hauptgrund, warum wir überhaupt Festival spielen, ist der vereinende Teil. Wir lieben es, die Leute so verbunden zu sehen und wir lieben es, uns mit ihnen zu vereinen. Diese Momente zu erschaffen ist großartig! Aber vom kreativen Punkt aus gesehen ist es besser eigene Shows zu spielen, denn da musst du keine Kompromisse schließen. Du kannst tun, was du willst.

Es wird ja oft die Ansicht vertreten, dass man sich nicht wirklich verändern sollte. Ihr erlaubt es euch verschiedene Sachen auszuprobieren, euren Musikstil zu verändern…
Björn:
Ja, wir wollen das so. Ich denke jedoch, dass unser erstes Album unserem letzten ziemlich ähnlich ist. Ich habe mir es nie wieder angehört, aber das ist das Gefühl, das ich habe. Wir dachten uns, wir haben so viel mehr zu geben. Wir haben so viele neue Ideen und es gibt so viele verschiedene Musikrichtungen, die wir machen wollen. Warum sollten wir in etwas verharren? Wir sind einfach sehr offen.

Wie zum Beispiel euer Album in schwedischer Sprache…
Björn:
Ja, ein Freund von uns hat eine Ausstellung dieses Poeten Gustaf Fröding gemacht hat, der vor 100 Jahren verstorben war. Keiner hat uns angebettelt, diese Zeilen mit Melodien zu untermalen. Wir haben von uns aus einen Song draus gemacht und das war so inspirierend, dass wir gleich ein ganzes Album aufgenommen haben. Bei Aelita war es genauso. Wir haben diesen Synthie in einem Laden entdeckt und nahmen ihn mit nach Hause. Er hat zuerst nicht funktioniert, aber irgendwann hat er plötzlich von sich aus begonnen, Musik zu machen. Wie ein Tier hat er eigene Sounds kreiert. Wir haben dann herum philosophiert und plötzlich die ganze Technologie in diesem Raum als Tiere und Blumen betrachtet. Somit haben wir die Kreativität für diese Produktion gewonnen. Es hat Songs und Ideen geregnet.

Was soll in 70 Jahren über Mando Diao gesagt werden, wünscht du dir etwas Bestimmtes?
Björn:
Hoffentlich werden sie denken, dass wir das alles gemacht haben, weil wir es liebten. Und wegen der Leidenschaft. Denn Musikmachen ist für uns pure Leidenschaft und Liebe. Es ist der beste Weg die Liebe auszudrücken, die wir fühlen. Und Kreativität und Leben.

Also ihr habt nicht das Ziel, als größte Band gesehen zu werden?
Björn:
Nein, nein, das muss nicht sein. Hoffentlich wird es so (lacht). Aber das ist nicht, weshalb wir es machen.

Ihr habt am neuen Album mit dem Jazz-Musiker Jan Hammer zusammengearbeitet, der hauptsächlich für den Soundtrack von Miami Vice bekannt ist. Ist die Idee dieser Zusammenarbeit während den Aufnahmen entstanden oder schon vorher?
Björn:
Black Saturday ist eigentlich der einzige Song, bei dem er mitspielt. Der Song war fast fertig, aber es gab diesen langen unstimmigen Instrumentalteil am Ende, da wo jetzt sein Solo ist. Eine Freundin von uns hatte dann den Kontakt zu Jan Hammer und fragte uns, ob wir einen Track für ihn hätten. Wir haben ihm also Black Saturday gesendet. Ich habe mir das Zurückgesandte dann zwei Mal angehört und fand es anfangs grausam. Aber das ist oft so, wenn du etwas neues Ungewohntes hörst! Nach und nach haben wir die Schönheit des Materials entdeckt und uns entschieden, das Ganze zu behalten. Jan gab dem Stück sein Solo und das war genau das, was Black Saturday gebraucht hat.

Immer weniger Bands haben noch Gitarrenparts in ihren Songs. Warum  übernehmen elektronische Stücke deiner Meinung nach die Überhand?
Björn:
Ich glaube nicht, dass es Überhand nimmt. Für mich ist der Laptop einfach ein neues Werkzeug. Dass du eine Aufnahme auf deinem persönlichen Computer machen kannst, ist großartig! Die Leute nennen immer Gitarren, Geigen und Trommeln als echte Instrumente. Das tue ich auch, aber für mich ist auch ein Laptop ein echtes Instrument. Niemand sollte über das Werkzeug urteilen, das du benutzt. Es ist deine Entscheidung, was du verwendest, um einen neuen Tune herzustellen. Ich denke also nicht, dass die Gitarren verschwinden, sondern dass sich die Musik einfach entwickelt. Und das ist großartig!

Danke für das interessante Interview, wir sehen uns im Sommer am Nova Rock Festival!

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