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Marlon Roudette im Interview

Marlon Roudette im Interview

An einem herrlichen, sonnigen Tag trafen wir Marlon Roudette (Homepage) zum Interview. Der sympathische Sänger plauderte mit uns über sein aktuelles Album Electric Soul und die Single When The Beat Drops Out. Der Song läuft in den heimischen Radios nach wir vor auf und ab. Und der Brite mit den karibischen Wurzeln wird nicht müde durch Europa zu touren, um Werbung für sein neues Werk zu machen. Außerdem verriet er uns im Interview, mit welchen Problemen er in den vergangenen Jahren zu kämpfen hatte. Und warum es ihm nichts ausmacht, so Persönliches mit der ganzen Welt zu teilen. Plundergebäck und Kaffee gab’s auch.

Hallo Marlon! Wie geht’s dir?
Marlon: Mir geht’s sehr gut! Ich hatte einen relaxten Tag in Wien und habe wirklich gut gegessen in der Nähe vom Stephansdom.

Was hast du denn gegessen?
Marlon: Tafelspitz. Ganz traditionell. Hier, bitte nimm dir! (Marlon reicht mir ein Teller beladen mit Plundergebäck.)

Oh nein danke, ich habe gerade erst gefrühstückt.
Marlon: Wie bitte? Rock and Roll! Das finde ich super! Eigentlich müsste ich jetzt auch ganz cool sagen: „Ich habe gerade eine Flasche Whiskey getrunken.“ Oder so etwas Ähnliches. (lacht) Erzähl mir mehr!
(Anmerkung: Das Interview fand zu Mittag statt und Marlons Worte waren: „You out rock and rolled me!“)

Später! Lass uns lieber über dein Album Electric Soul reden. Die erste Single heißt When The Beat Drops Out. Da kommt der schöne Satz vor: „Life happens when you’re making plans. Flying high and shaking hands.“ Kannst du mir erklären, was du mit dieser Textzeile genau meinst?
Marlon: Interessant, dass dir gerade diese Zeile aufgefallen ist. Die Inspiration dazu kam, als ich herausfand, dass ich Vater werden würde. Der Song handelt nicht davon, aber dieser einzelne Satz schon. Du kannst noch so viele Pläne machen, aber das Leben kann dich plötzlich in eine komplett andere Richtung bewegen. Der zweite Teil bezieht sich auf das Berühmtsein. Eigentlich lautete der Text vom Refrain: „When the beat drops out and the fame is gone will you still be there?“ Aber ich wollte ihn universeller, deswegen wurde daraus „when the people are gone“. Also ursprünglich ging es um die Höhen und Tiefen in der Musikindustrie. Die Frage ist eben, wer da ist, wenn du hoch oben bist, aber auch, wenn du dich in beängstigender Tiefe befindest.

Hast du so eine Situation schon erlebt?
Marlon: Ja, absolut! Ich hatte Phasen mit großem Erfolg aber ich hatte auch drei, vier Jahre, wo ich mir nicht sicher war, ob ich weiter machen kann. Da findest du dann viel heraus über andere Personen und über dich selbst. Mit der Zeit lernst du in diesen gewissen Momenten, auf was du dich konzentrieren musst. Das Musikbusiness ist eine lange kurvige Straße. Aber ich habe zum Beispiel schon seit zehn Jahren den gleichen Manager. Und natürlich ist meine Familie sehr wichtig für mich. Meine Mutter gab mir immer schon starken Rückhalt. Sie bekommt viele Anrufe von Fans mitten in der Nacht. (lacht)

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© Mario Baumgartner

Du hattest in den letzten Jahren offensichtlich viel mit dir selbst zu kämpfen. Was ist passiert?
Marlon: Viele verschiedene Dinge sind passiert. Es war ziemlich hart sich mit dem Gedanken anzufreunden, dass das letzte Album nicht erfolgreich war in England, wo ich ja lebe. Also fängt man an, sich selbst zu hinterfragen. Ich war sehr unzufrieden. Du lebst an einem Ort, wo Leute deine Musik nicht hören wollen. Dann verlor ich letztes Jahr meine Stimme. Ich musste eine Rehabilitation machen. Dafür ist meine Stimme jetzt stärker als sie vorher war! Dann wurde ich Vater, was eine große Überraschung war. Ich musste mir überlegen, wie ich das mit meinem Beruf vereinbaren kann, damit ich für ihn da sein kann. Also eigentlich hatte das Abquälen doch ein positives Ende. (lacht)

Ich habe mir das ganze Album angehört. Zuerst scheint es vom Sound her sehr positiv zu sein, aber wenn man dann genau auf den Text hört, bemerkt man, dass es eigentlich ziemlich melancholisch und irgendwie auch ein bisschen düster ist. Wie kommt das?
Marlon: Das ist eben mein Leben. (lacht) Fast alle meine Songs sind autobiografisch. Und ich tendiere dazu die kraftvollsten Songs zu schreiben, wenn ich in dieser Hinsicht reflektiere. Das heißt lächelnd zwar, aber nachdenklich zugleich. Und ich denke, um einen Song überzeugend zu machen, muss ich ja auch selbst dran glauben. Es gibt aber auch positive Lieder auf dem Album, so wie Body Language. Da geht es einfach nur um einen sexy Moment und um nichts Tiefgründiges. Das ist eben einfach alles mein Stil und es ist das was ich immer schon gemacht habe.

Der Song Hearts Pull zum Beispiel wirkt sehr persönlich…
Marlon: Ja, Hearts Pull versuche ich schon mein ganzes Leben lang zu schreiben. Es hat lange gedauert, den Text so hinzubekommen. „Souls have to die to live“ – ich denke manchmal in einer Beziehung fühlt es sich so an, dass du durch diesen Prozess gehen musst, um wiedergeboren zu werden. Darum geht’s in dem Lied. Er war der Letzte, den wir für das Album aufgenommen haben.

Ist es nicht manchmal beängstigend so persönliche Inhalte mit der ganzen Welt zu teilen?
Marlon: Am Anfang war es das schon, aber nach einer Weile bemerkte ich, dass es sehr befreiend ist für mich. Die Sachen auf der Bühne sozusagen wieder zu erleben kann manchmal schmerzhaft sein, aber es bedeutet auch, dass du es raus lässt und weiter machen kannst. Und wenn du den Song erst einmal fertig hast, besonders bei einem Major Label, hast du dann keine Kontrolle mehr darüber. Menschen werden es kaufen oder nicht, sie werden es lieben oder hassen. Du musst da einen Schritt zurücktreten und es einfach passieren lassen.

Das Album ist ziemlich elektronisch ausgefallen, mit viel Synthesizer.
Marlon: Ja, stimmt. Darum der passende Name Electric Soul.

Im Vergleich zu deinen älteren Sachen ist es viel elektronischer, meine ich. Wie kam es dazu?
Marlon: Wir wollten eine einheitliche Stimmung, die sich durch das ganze Album zieht. Ich hörte Sachen wie Drake, Frank Ocean und viele andere. Das war schon in meinem Kopf, als ich das Album gemacht habe. Also ich schätze, so bahnte sie sich ihren Weg in meine Musik. Die Songs auf dem Album sind sehr elektronisch, aber wir nahmen sie akustisch auf und sie funktionieren trotzdem, weißt du. Ich höre auch viel alte Musik, es gibt eigentlich kaum aktuelle Musik auf meiner Playlist. James Taylo zum Beispiel oder Folksänger aus den 70ern. Und ich komme auch immer wieder zu Klassik zurück.

Wo habt ihr das Album aufgenommen?
Marlon: In London, LA, New York, Berlin, Schweiz und in St. Vincent und die Grenadinen. Also auf der ganzen Welt. Finalisiert haben wir es in London. Das war mir schon wichtig, dass es an einem Ort fertiggemacht wird. Die Lieder sollen sich so anhören als kommen sie von einem Raum.

Wie lange hat die Arbeit an dem Album gedauert?
Marlon: Seit ich das vorherige Album fertiggemacht habe. Also ziemlich lange, zwei Jahre. Ich schreibe jeden Satz, jedes Wort, das ich höre und mir gefällt auf. Jede Melodie, die mir gefällt, singe ich in mein Telefon. Also ich sammle alle diese Ideen zusammen und manchmal wird etwas daraus. Es ist ein kontinuierlicher Prozess.

Mit wem hast du es aufgenommen?
Marlon: Mit Tim Bran und Roy Kerr. Sehr erfolgreiche Produzenten, sie haben das London Grammar Album gemacht. Wirklich coole Typen. Und es fühlte sich wie Luxus für mich an, denn bei den meisten Alben, die ich bisher gemacht habe, hatte ich einen super Produzenten für vielleicht drei Tracks und dann war er wieder beschäftigt. Diese Leute waren aber den ganzen Prozess über bei mir. Am Ende fragten sie mich, ob ich noch etwas vermisse auf dem Album. Und ich sagte ja, ich vermisse einen Song über St. Vincent und einen coolen, sexy Fun-Song.

Body Language, oder?
Marlon: Ja. Und der über mein Zuhause ist Too Much To Loose. Also haben wir die beiden Songs noch gemacht und somit die Geschichte auf dem Album vervollständigt.

© Mario Baumgartner

© Mario Baumgartner

Fliegst du noch oft nach Hause in die Karibik?
Marlon: Ja, ich war vor ein paar Monaten wieder dort und habe auch meinen Sohn mitgenommen. Ich versuche zwei Mal im Jahr hinzukommen, um meine Mutter und Freunde zu sehen. Aber es ist nicht so einfach.

Da fällt mir ein, auf dem Album ist oft die Steel Pan zu hören. Kommt die von dort?
Marlon: Ja genau. Sie wurde in Trinidad und Tobago erfunden. Es war das erste Instrument, das ich gelernt habe. Ich war auch in einer Steel Band, wir spielten auf Schiffen und Hotels. Es ist ein interessantes Instrument, es wird aus einem alten Ölfass gemacht. Meine ist gemacht aus einem Shell Ölfass. Und offensichtlich ist Öl die Wurzel alles Bösen und vieler Konflikte. Also das Instrument ist gemacht aus etwas, das viel Schmerz in der Welt verursacht, aber in etwas Gutem verwandelt.

Weil wir gerade von Konflikten reden. Ich erinnere mich noch an den Mattafix Song Living Darfur aus dem Jahr 2007. Beeinflusst dich politisches Geschehen immer noch? Verfolgst du es?
Marlon: Die Tatsache, dass wir im Jahr 2014 immer noch darüber reden, ist sehr schmerzvoll. Wir haben bis jetzt nicht rausgefunden, wie man viele der Krisen lösen kann. Der Israel-Palästina-Konflikt ist wirklich schwerwiegend. Die Tatsache, dass so viele Kinder sterben, und zwar durch im Westen hergestellte Waffen. Die Tatsache, dass viele unserer Führungspersonen nicht stark genug sind, genau das zu sagen, was zu sagen ist in diesen Situationen, ist schmerzhaft, weil wir sie ja in diese Position gewählt haben. Und manchmal kommt es mir so vor, wir bringen uns gegenseitig um, einfach nur, weil wir es eben seit Tausenden von Jahren so gemacht haben und nicht wegen eines bestimmten Streitpunktes. Also ich bete für eine Lösung. Nicht nur in Israel, sondern auch in der Ukraine, in Afrika.

Aber du verpackst diese Gedanken nicht mehr in deine Songtexte, oder?
Marlon: Ich denke unterschwellig schon. Ich habe auf diesem Album keinen wirklich politischen Song geschrieben, auf dem letzten Album schon. Und natürlich war Mattafix erfüllt davon. Bei diesem Soloalbum kamen einfach so viele persönliche Probleme auf. Aber beim nächsten Album werde ich denke ich schon wieder mehr politische Vibes reinbringen.

Fühlst du dich jetzt als Soloartist wohler?
Marlon: Es gibt manche Sachen, die sind einfacher. Aber ich vermisse schon den täglichen kreativen Kontakt, den man hat, wenn man jünger ist und in einer Band spielt. Als Soloartist sind andere in der Zeit da, in der du das Album machst, aber nicht zwingend auf der ganzen Reise. Dafür kannst du Entscheidungen leichter treffen und auch dabei bleiben.

Wann können wir dich in Österreich live erleben?
Marlon: Ich komme auf jeden Fall im Februar 2015 zurück. Vielleicht auch früher, also am besten einfach meine Online-Plattformen verfolgen.

Schreibst du alles selbst auf Facebook und Instagram?
Marlon: Ja, auf jeden Fall! Ich antworte auch gerne den Fans. Zurzeit lässt sich das noch leicht machen, es läuft noch nicht so verrückt.

Wart’s ab Marlon, das wird sich womöglich noch ändern!
Marlon: Wir werden sehen. (lacht) Bist du sicher, dass du nichts essen willst?

Danke! Auch für das Interview!
Marlon: Sehr gerne. Willst du Fotos von meinem Sohn sehen?

Ja, zeig her!

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