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The Menzingers – Arena Wien

The Menzingers – Arena Wien

Konzerte in der kleinen Halle der Wiener Arena haben immer einen eigenen Charme. So auch das Konzert von The Menzingers, The Smith Street Band und The Holy Mess am 14.10.2014.

Beim Betreten der kleinen Halle kommt einem ein angenehmer, natürlicher Duft entgegen, die Kartenkontrolleure sind meistens mehr hart als herzlich und die Leibesvisitationen sind gründlicher als die Magen- oder Darmspiegelungen im AKH. Doch das alles hat schon seinen Charme, zumindest, bis die erste Band startet und sich der grüne natürliche Duft in stickigen Schweißgeruch verwandelt. Aber nun gut, hier gibt es auch Punkrock mit wildem Getanze und keinen ruhigen Dungeons and Dragons Spieleabend bei Kuchen und Dicksaftschorle.

Punkt 20:00 geht’s mit der Party los – The Holy Mess (Homepage) aus Philadelphia starten ein solides Set. Auch wenn „solide“ bekanntlich die kleine Schwester von „langweilig“ ist, gilt: Es war ein solides, gutes Set! Schnell, hart und viel Action auf der Bühne. Der Sound bei The Holy Mess war leider etwas chaotisch, was im Endeffekt zu unverständlichem Jibberish in Untermalung von kratzenden Gitarren endete. Aber wenn über dieses Kriterium, für das The Holy Mess nichts können, hinweggesehen wird, war es eindeutig eine unterhaltsame Show. Anzumerken ist: Wenn man die Bärte der Band abrasieren würde, könnte man zumindest die Dreiraumbar mit einem schönen weichen Teppich überziehen!

Punkt 20:50 Uhr war es schon schwer, einen Platz zu finden. Es schien fast, als wär das Konzert besser besucht als die Konkurrenzveranstaltung von Maximo Park in der großen Halle. Gut so! Die Aussiepunks von The Smith Street Band (Homepage) sind circa das Sympathischste, was die Punkrockszene momentan zu bieten hat. Witzig, viel Charme und musikalisch sowieso Top.

The Smith Street Band bieten Emotion und trotzenden Pessimismus verpackt in mitreißende Lieder, bei denen sogar ein Suizidgefährderter neue Lebensfreude finden würde. Das Set war eine Mischung aus EP, altem und neuem Album. Als The Smith Street Band mit Young Drunk ihre Show beendeten, kam negative Stimmung auf. Denn am Liebsten hätte das Publikum den sympathischen Aussies noch stundenlang zugeschaut und zugehört.

Doch auf die traurigen Gesichter wurden bald kilometerlange Grinser gezaubert, als The Menzingers (Homepage) dann die Bühne betraten. Kaum jemand wird momentan mehr abgefeiert als die allmighty Menzingers, doch was dahinter steckt, wollten wir uns einmal persönlich anschauen. Geboten wird enthusiastischer Punkrock, indem das Wort Pop zwischen den Zeilen groß geschrieben wird. Mit I Don’t Wanna Be An Asshole Anymore nahm das Set seinen Anfang und lies die Herzen der Fans bis zum Ende höher schlagen.

Zu sagen, es war das mitreißendste Konzert, dass jemals stattgefunden hätte, wäre gelogen. The Menzingers waren nicht all zu gesprächig, doch trotzdem sehr sympathisch. Die Menge feierte und in den vorderen Reihen gab es auch endlich Headbanging, geballte Fäuste und herumfliegende Leute. Der Wiedererkennungswert der Lieder ist stark und die Performance so stark wie auf Platte. Der Hype um The Menzingers ist definitiv verständlich, auch wenn es wohl nicht jeden Geschmack trifft – vor allem wenn harter, schneller Punkrock gefordert wird.

Zu Schluss gab es noch drei Zugaben, wobei sich die Scrantonpunks von The Menzingers bei einer Nummer den Schlagzeuger von The Holy Mess auf die Bühne holten. Auf Tour entstehen halt Freundschaften und das war bei jeder Band bemerkbar. The Menzingers, The Smith Street Band und The Holy Mess traten als kleine Familie auf und hinterließen bei einer fast ausverkauften kleinen Halle einen bleibenden Eindruck. Durch und durch Punkrock, und zwar einer der ans Herz geht, ohne sich an überflüssigen Klischees zu bedienen. Selbst nach einem Tag im AMS-Kurs, der vergleichbar mit einem Kindergarten ist, hätte ich es nicht geschafft, ohne endlosen Grinser ins Bett zu gehen. Und bedanken darf ich mich letztlich bei The Menzingers, The Smith Street Band und The Holy Mess. Danke!

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Robert Ziffer-Teschenbruck
"Über Musik schreiben ist wie zu Architektur tanzen" (Marcus Wiebusch)
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