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Progression Tour mit Caliban – Arena Wien

Progression Tour mit Caliban – Arena Wien

Am 14.05.2014 spielte sich in der Arena Wien Tollkühnes ab. Gut 900 Personen passen in die große Halle und fast genauso viele wurden an diesem Abend Zeugen eines außergewöhnlichen Spektakels: Progression Tour erneut auf Wiener Bühnenbretter.

Schon vor Beginn herrschte eine aufgekratzte aber erwartungsfreudige Stimmung. Jung und Alt, Groß und Klein versammelten sich nach Einlass an den verschiedenen Bars, auf den Sitztreppen oder im Raucherbereich der Arena. Noch schnell wurden ein paar Tschick geraucht, die neuesten Band-News und Musikwissen ausgetauscht, und dann sollte es auch schon losgehen.

(c) Lennart Horst

(c) Lennart Horst

Als Erstes legten Breakdown Of Sanity vor. Schnell machte sich das Phänomen bemerkbar, was bei mehreren Couple-Shows zu beobachten ist: erste Band, wenig Stimmung. Oder alle noch zu nüchtern? Wie dem auch sei – Breakdown of Sanity machten einen guten Anfang und lieferten eine solide Vorstellung ab.

Doch das Publikum schien noch solide unentschlossen, was es mit sich anstellen sollte. Zögerlich nickende Köpfe im Takt – oder doch lieber noch ein Bier und eine Zigarette? Vom berühmt-berüchtigten Moshpit kaum ein Lebenszeichen.

(c) Lennart Horst

(c) Lennart Horst

Vorbei war dann der erste Streich – doch der Zweite folgte zugleich: Mit I Killed The Prom Queen auf der Bühne schien das bis jetzt noch wankelmütige Publikum entschlossener, aus dem Abend etwas ganz besonderes zu machen. Die namenhafte Metalcore-Band trieb die Laune mit Songs aus ihrem neuen Album Beloved ziemlich in die Höhe. Doch auch hier kaum Anzeichen von Mosh-Manier. Ein Plastikbecher flog einmal über die Köpfe hinweg.

(c) Lennart Horst

(c) Lennart Horst

Von der Ballprinzessin zum modebewussten Teufel – das Mikrofon wechselte die Hände. Nun beanspruchte The Devil Wears Prada die Bühne für die nächste halbe Stunde für sich. So langsam trauten sich immer mehr Leute im Publikum, vom Zehenzucken zu ausgelasseneren Körperbewegungen überzugehen. The Devil Wears Prada bezeichnet sich gut und gerne ja selbst als christliche Metalcore-Band. Doch von Christlichkeit war zu dieser Stunde keine Spur mehr. Nicht nur die Atmosphäre in der großen Halle heizte sich auf, auch die Temperatur stieg deutlich an. Transpiration und Bratwurstgeruch vom Würstl-Stand in der Halle schwebten über den Köpfen der ausgelassenen Menge.

(c) Lennart Horst

(c) Lennart Horst

Wenn wir es schon von gekillten Ballprinzessinnen und Prada-tragenden Teufeln hatten, darf natürlich auch ein Geist auf der Bühne nicht fehlen: The Ghost Inside erklärten als nächsten die Stage zu ihrem Spiel-Platz. Und rissen die Aufmerksamkeit der ganzen Halle an sich – der Sänger Jonathan Vigil wirbelte von der einen Seite der Bühne zur anderen, spornte die Leute an. Die Menge war kaum noch zu halten. Erhitze Gesichter, erhitze Gemüter. Fliegende Plastikbecher. Ein nicht zu haltender Moshpit im Herzen inmitten des Publikums

Und doch war das Ganze mit knapp 40 Minuten Auftritt viel zu kurz.

Aber was solls – denn zu später Stunde hieß es: Bühne frei für Caliban!

(c) Lennart Horst

(c) Lennart Horst

Ein hübsch aufgestelltes Bühnenbild untermalte den Stil des neuen Albums Ghost Empire. Das Schlagzeug stand erhöht und fügte sich perfekt in die gespenstische Hintergrundmalerei, welche eine verfallene Stadt zeigte, ein. In glitschig-gift-grünen Lettern zierte der Schriftzug Ghost Empire die rechte Seite der Bühne. Und ein paar Leinen-Geisterchen an Stöcken waren ebenfalls mit dabei. Doch wir waren alle nicht da um das Bühnenbild zu bestaunen, sondern um Caliban zu hören! Und wie wir sie zu hören bekamen…

Mit King und We Are The Many stiegen Caliban in die Spähre der Ausgelassenheit ein. Die Masse war nicht mehr zu halten, ebenso wenig die Jungs aus Deutschland, die auf der Bühne ihr Bestes gaben. Die richtigen Worte, was sich in der Halle abspielte, gibt es nicht. Von Moshpit zum Circlepit zur Wall of Death. Schubsen, Drängen, Johlen – von der bereits erwähnten Metalcore-Manier zur Metalcore-Manie.

Altbewährte Songs wie auch Neue wurden geschmettert. Immer wieder flogen noch volle Plastikbecher über die Köpfe des Publikums und ergossen sich über sie – aber das spielte schon lange keine Rolle mehr. Dreckig, schmutzig, entgeistert (auf eine Gute Weise) wurde gefeiert.

Bei der Live-Performance zu I Am Ghost fingen die Ersten bereits an, sich oben freizumachen. Nackte Männerkörper, die Ihresgleichen im Moshpit suchten. Man könnte fast sagen eine sexuell-agressive Stimmung war in der Luft. Oder kam es auch nur mir und meiner mädchenhaften Auffassungsgabe so vor?

Der Sänger Andreas Dörner brachte das Fass zum Überlaufen und animierte zu mehr, mehr, mehr.

(c) Lennart Horst

(c) Lennart Horst

Doch nichts ist für immer – und so war der kuriose Abend mit Nothing Is Forever beinahe vorbei. Aber nur beinahe. Mit Memorial, Chaos – Creation und yOUR Song wurde noch Nachschlag serviert. Doch anstatt dass die Stimmungskurve abfiel, erreichte sie hier ihren Zenit.

Das abrupte Ende dieses Abends schien surreal und hinterließ seine Spuren. Manche bluteten etwas, sogar ein Zahn steckte in einer Schulter. Doch alle waren sie irgendwie selig.

Progression Tour in Wien – und nächstes Mal so was bitte zu Halloween. Aber auch jetzt kann man von einem rundum gelungenen Konzert sprechen – verrückt aber perfekt – ganz auf seine Art und Weise.

Wie gefiel dir die Progression Tour in der Arena Wien?

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