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Robocop – Filmkritik

Robocop – Filmkritik

Halb Mensch, halb Maschine. Die perfekte Waffe im Kampf gegen das Verbrechen. Wo aber kühle Technik und menschliche Gefühle aufeinandertreffen sind Reibungen vorprogrammiert. Brasilianer José Padilha (Tropa de Elite, Tropa de Elite 2; bis heute der kommerziell erfolgreichste Film seines Heimatlandes) wagt sich für sein US Debut gleich an einen vielgeliebten Klassiker.

Detroit, 2028. Die einst florierende Industriestadt ist zu einem Moloch der Kriminalität verkommen. Die Örtlichen Gesetzeshüter können der Verbrechenswelle kaum mehr standhalten. Als Folge regieren Korruption und Gangstermethoden die Stadt.

Die Lösung für die stetig ansteigende Kriminalitätsrate scheint das in Roboter-Technologie spezialisierte Großunternehmen Omnicorp zu sein. Dieses wird geführt von Raymond Sellars (Michael Keaton) dessen Profitgier einzig von seiner Skrupellosigkeit übertroffen wird, in Form von kampferprobten Androiden zu liefern. Die amerikanischen Bürger sind jedoch zögerlich, eine Maschine frei von jedweder Empathie – dafür ausgestattet mit Infrarotscannern und Feuerwaffen (u.a.) – auf die Öffentlichkeit loszulassen. Ein Kompromiss muss her. Ein perfektes Amalgam aus effizient kalkulierender Computer-Technologie und menschlichem Einfühlungsvermögen. Ein RoboCop. Auftritt: Alex Murphy (Joel Kinnaman). Jung, ambitioniert, liebevoller Familienvater und fähiger Detective des Detroit Police Departments. Nach einem Anschlag auf sein Leben schwer verwundet wird er Omnicorps Prototyp. Eine zweifelhafte Ehre, wie sich bald herausstellt denn neben taktischer Risikoberechnungssoftware und Wireless-Anschluss besitzt der Cop in schwarz schimmernder Hardware auch einen extern kontrollierbaren Ausschaltknopf. Benutzt als Versuchsobjekt überehrgeiziger Wissenschaftler (Gary Oldman) und zukunftsweisendes Aushängeschild von Omnicorp wird Alex Murphy immer mehr vermarktbares Produkt und immer weniger menschliches Wesen…

Regisseur José Padilhas Versuch eines Neustarts Paul Verhoevens Kultklassiker RoboCop (1987) ist nur mit mäßigem Erfolg gelungen. Die Versatzstücke finden sich zwar wieder, doch bleiben diese unter all dem Special-Effect Schutt begraben. Wo Verhoeven kritisch-satirisch arbeitet und eine dystopische Zunkunftsversion entwirft in der nicht nur Kriminalität, sondern auch die Privatisierung des Staatsapparats überhandnimmt, kommt Padilha mit unausgekochten Ideen der altbeliebten Mensch/Maschine Thematik daher und wirft halbherzig die Frage nach der Moral in der Wissenschaft (Sollten-wir-nur-weil-wir-könnten?) hinten nach. Das alles wäre nicht so schlimm (muss ja nicht jeder Film eine philosophische Offenbarung sein) würde RoboCop zumindest mit einer spannenden Story voll knackiger Einzeiler á la Stirb Langsam aufwarten doch auch in diesen Sparten lässt der Film zu wünschen übrig. Die Narration ist gradlinig aber stellenweise etwas langatmig und kulminiert in einem eher antiklimaktischen Finale, die Dialoge sind so funktional wie die Polizeidronen selbst.

Robocop-Darsteller, schwedische Importware Joel Kinnaman (The Girl with the Dragon Tattoo, TV-Serie The Killing) leiht der Figur sein gutes Aussehen bringt sonst aber recht wenig an den Tisch. Er besitzt nicht Peter Wellers Charisma und Süffisanz, die die Figur in den 80er Jahren Kultstatus erreichen ließ. Michael Keaton (Batman/Batman Returns, Jackie Brown, Die etwas anderen Cops) als personifizierte Evil Corporation und Abbie Cornish (Candy, Ohne Limit, 7 Psychos) als Murphys treue Ehefrau (die ihm das Süppchen gewissermaßen einbrockt) machen einen soliden Job, doch sind ihre Charaktere dermaßen klischeehaft angesetzt, dass ihnen außer perfides Grinsen und dauerglasigen Augen nicht viel zu tun bleibt. Im Grunde fungieren beide als menschliche Repräsentationen der zwei Seiten Alex Murphys. Eine willkommene Abwechslung ist da der parteiische TV Moderator Pat Novak (wunderbar schmierig dargestellt von Samuel L. Jackson) dessen Show „The Novak Element“ im Laufe des Films wiederholt das Geschehen kommentierend eingeschoben wird. Jackson zuzusehen wie er als Novak propagandistisch seinen Standpunkt vertritt, wütend Videobeiträge vor Greenscreen hin und her wischt wie auf einem Ipad und Hologramminterviews vorzeitig abbricht weil ihm die Meinung des Gesprächspartners missfällt, bereitet schlichtweg Vergnügen und die überspitzt-satirisch dargestellte Sendung wirft die Frage nach der Neutralität der Medien auf.

Alex Murphy (Joel Kinnaman) in Robocop Uniform

Alex Murphy (Joel Kinnaman) in Robocop Uniform

Auf der technischen Seite lässt sich nicht meckern. Das Set Design kreierte eine glaubhafte, dystopisch anmutende Version von Detroit 2028, die Spezialeffekte sind solide und nicht zu knapp eingesetzt und die zackig choreographierten Kampfszenen erhalten durch die immer wieder eingesetzten Point-Of-View-Shots aus Robocops Sicht die Videogame Ästhetik eines Ego-Shooters.

Der neue Look des RoboCops 2014 wird möglicherweise Grund zur Diskussion geben, unterscheidet sich die blank polierte Hochglanzmontur doch stark vom ikonischen Original. Ein weiteres Batman Forever Nippelgate ist allerdings nicht zu erwarten.

Robocop

Kinostart: 7. Februar 2014
Genre: Science Fiction, Action
Regisseur: José Padilha
Cast: Joel Kinnaman, Gary Oldman, Michael Keaton
Land: USA
Dauer: 121 Minuten
Filmverleih: Constantin
Für Fans von: Total Recall (2012), Paycheck, Next

 

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