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Skandalkomödie The Interview: die Ereignisse im Überblick

Skandalkomödie The Interview: die Ereignisse im Überblick

Es ist der Film, den noch niemand gesehen hat, und über den genau deshalb rund um den Globus gesprochen wird: The Interview. Die Komödie mit Seth Rogen und James Franco in den Hauptrollen ist derzeit das Thema in den Medien. Wir fassen die Ereignisse rund um den Blockbuster nochmals zusammen und zeigen die neuen Entwicklungen. Los geht’s.

Allgemeines, Handlung

Der Film stammt aus der Feder von Dan Sterling, der bisher nur bei Serien mitgeschrieben hat – wenn auch diese äußerst erfolgreich waren. Dazu gehören zum Beispiel South ParkKing Of The Hill oder auch The Office. Regie führten Evan Goldberg (unter anderem Drehbuchautor von Superbad und Produzent von Bad Neighbors) und Seth Rogen.

In der Komödie sollen die Fernsehmoderatoren Dave Skylark (James Franco) und Aaron Rapaport (Seth Rogen) Nordkoreas Diktator Kim Jong-un interviewen. Denn dieser ist, wie sollte es auch anders sein, ein Fan ihrer TV-Show „Skylark Tonight“. Bevor sie ihre Reise nach Nordkorea antreten, werden die beiden vom US-amerikanischen Geheimdienst angewiesen, das Stattsoberhaupt umzubringen.

Ihr seht, The Interview punktet mit einem Stoff, der voll aus dem Leben gegriffen ist! Doch auch wenn man darüber streiten kann, ob ein geplanter Mord wirklich „lustig“ ist (auch wenn es nicht der einzige Film dieser Art wäre): Jedem wird wohl klar sein, dass keine echte Drohung gegen Nordkorea beziehungsweise Kim Jong-un dahinter steckt. Für so etwas würden sicher keine Moderatoren geschickt werden. Doch genau das ist der Knackpunkt der Geschichte.

Beschwerde im Juni, Hackerangriff im November

Schon im Juni 2014 wurde die Werbetrommel für The Interview gestartet, denn eigentlich hätte er bereits Anfang Oktober (in den USA) veröffentlicht werden sollen. Nach den ersten Protesten seitens Kim Jong-un und dessen offizieller Beschwerde bei der UN, bei der er die Veröffentlichung als „kriegerischen Akt“ bezeichnete, beugte Produktionsfirma Sony Pictures Entertainment sich dem Druck und entschied, einige Änderungen am Streifen vorzunehmen. Der neue (US-)Kinostart sollte der 25. Dezember 2014 sein.

Doch es kam alles anders. Im November wurde Sony Opfer eines Hackerangriffs ungeahnter Ausmaße: Die Hackergruppe, die sich „Guardians Of Peace“ nennt, verschaffte sich Zugriff auf die Server und machten Beute im ganz großen Stil! Private Telefonnummern zahlreicher Hollywoodstars und deren „Decknamen“ für Hotels und Ähnliches landeten im Netz. Dazu kamen private E-Mail-Korrespondenzen von Top-Managern, bei denen teils gelästert wurde, was das Zeug hält.

Ich lasse meine Karriere nicht an einer minimal talentierten, verzogenen Göre zugrunde gehen […].

– Produzent Scott Rudin (The Social Network, Verblendung) über Angelina Jolie und ihr Wunschprojekt, ein Film über Kleopatra.

Insgesamt wurden 47.000 Personendaten von Prominenten und Sony-Mitarbeitern entwendet. Etliche unveröffentlichte Filme landeten ebenso im Netz wie die Drehbücher zum neuen James Bond-Film Spectre oder auch The Interview, weshalb schnell der Verdacht laut wurde, Nordkorea würde hinter dem digitalen Raubzug stecken. Bewiesen konnte das bis dato nicht werden.

Erst hacken, dann drohen: „Erinnert euch an 9/11“

Auf den Hackangriff folgte prompt auch die erste Drohung der „Guardians Of Peace“. Nachdem zunächst versucht wurde, Geld aus Sony herauszuleiern, wurden die Drohungen schnell drastischer:

Warning

We will clearly show it to you at the very time and places “The Interview” be shown, including the premiere, how bitter fate those who seek fun in terror should be doomed to.
Soon all the world will see what an awful movie Sony Pictures Entertainment has made.
The world will be full of fear.
Remember the 11th of September 2001.
We recommend you to keep yourself distant from the places at that time. (If your house is nearby, you’d better leave.)
Whatever comes in the coming days is called by the greed of Sony Pictures Entertainment.
All the world will denounce the SONY.

More to come…

, hieß es in der letzten Nachricht der Hackertruppe.

Hollywood in Angst: The Interview zurückgezogen

Auf diese letzte Drohung reagierten Sony, Distributor Columbia Pictures und letztendlich die gesamten Vereinigten Staaten:

Am 11. Dezember 2014 fand in Los Angeles zwar die Weltpremiere von The Interview statt, diese wurde jedoch in einem kleinen Rahmen gehalten. Seth Rogen und James Franco liefen zwar über den roten Teppich, doch Interviews gaben sie keine. Die Anzahl an Sicherheitsleuten war vergleichweise ungewöhnlich hoch.

Da es in den USA üblich ist, sowohl an der West- als auch der Ostküste große Premieren zu feiern, hätte der Satirefilm Tage später eigentlich in New York gezeigt werden soll. Dazu kam es jedoch nicht mehr. Sony sagte erst das Event ab und zog schließlich den ganzen Streifen zurück, nachdem viele Kinoketten den Film aus Angst auf ihrem Programm nahmen! Beim derzeitigen Stand der Dinge wird The Interview also nie die Öffentlichkeit erreichen, denn auch eine Veröffentlichung im TV oder auf DVD sind derzeit ausgeschlossen.

Sony Pictures has no further release plans for the film.

Diese Entscheidung spaltet derzeit die USA, die bekanntermaßen großen Wert auf Meinungsfreiheit legen. Die einen heißen die Entscheidung gut – die Erwähnung „9/11“ reißt die immer noch tief klaffende Wunde im Herzen der Vereinigten Staaten immerhin weiter auf – andere sprechen davon, einen „Cyberkrieg“ verloren zu haben und sind gegen diesen Einschnitt der „freedom of speech“.

Und nun?

Während die Welt weiter über die Ereignisse diskutiert, will ein Mann Taten sprechen lassen: Der brasilianische Autor Paulo Coelho bot Sony via Twitter an, die Nutzungsrechte des Films für $100.000 zu kaufen und ihn dann kostenlos auf seinem Blog zur Verfügung zu stellen. Sein Angebot gilt bis Freitagmitternacht (Ortszeit). Man darf gespannt sein, ob eine Reaktion folgt.

https://twitter.com/paulocoelho/status/545465796202606592

Quelle: https://twitter.com/paulocoelho/status/545465796202606592

Auch die zukünftige Entwicklung im Fall Sony wird weiter spannend zu beobachten sein. Denn noch ist unklar, wie viele sensible Daten sich noch in den Händen der Hacker befinden. Vom Schaden den Sony von der ganzen Sache davonträgt, wollen wir gar nicht erst reden! Abgesehen vom finanziellen Desaster (The Interview kostete 40 Millionen Dollar, die Einnahmen hätten sich mindestens auf dieselbe Summe belaufen) ist sicher auch mit einem hohen Imageschaden des Studios zu rechnen…

Währenddessen sickerte ins Netz, wie Kim Jong-un in The Interview stirbt. (Wenn ihr schnell genug googelt, findet ihr sicher noch ein Video, bevor dieses – wir kennen das ja, aus rechtlichen Gründen – gelöscht wird.)

Update

Nachdem US-Präsident Barack Obama persönlich dazu gedrängt hat, kam The Interview doch am 25. Dezember 2014 in die – meist kleineren – Kinos. Hauptsächlich wird der Satirestreifen im Internet verkauft (leider nur in den USA und Kanada möglich). Beides brachte Sony in den ersten vier Tagen 15 Millionen Dollar ein. Zeitgleich bestätigte das FBI, dass die Hackerangriffe aus Nordkorea stammen sollen.

Auch in China erfreut sich The Interview großer Beliebtheit, schon Hunderttausende sollen ihn illegal heruntergeladen haben. Gleichzeitig entfacht ein Copyright-Streit mit Sony: Im Film wird ein koreanisches Poplied gespielt, für das angeblich keine Genehmigung eingeholt wurde.

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