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Sunrise Avenue im Interview

Sunrise Avenue im Interview

Samu Haber, seines Zeichens Sänger von Sunrise Avenue und aktuell auch wieder Coach bei The Voice Of Germany, hat uns neulich auf seiner Terrasse in einem Wiener Nobelhotel empfangen. Teure Autos vor der Türe, Champagner schlürfende Anzugträger im Innenhof, edles Mobiliar. Wer hier eincheckt, der kann ja nur ein arroganter Schnösel sein? Falsch! Samu überzeugt uns wieder einmal vom Gegenteil! Schon so viele Jahre im Showbiz und trotzdem ohne jegliche Starallüren. Die Interviewsituation war äußerst entspannt. Und das, obwohl wir dem Finnen ansehen konnten, dass Schlaf bei ihm gerade Mangelware ist.

Hey, alles klar? Es ist wohl sehr stressig zurzeit…
Samu:
Ja, es sind lange Tage. Ich hasse es, für die Morgenshows im Fernsehen und im Radio so früh aufzustehen. Vor allem, wenn ich dann auch noch singen muss um 7:50 Uhr. Aber wir sollten wirklich dankbar sein, dass es so Leute wie euch gibt, die sich für ein Gespräch mit mir Zeit nehmen und über Sunrise Avenue schreiben. Wir müssen nicht mehr an die Türen der Redaktionen klopfen und um Artikel betteln. Das ist der Preis nach zehn Jahren Arbeit eines Rockstars. 80% meiner Zeit investiere ich in Interviews und nur 3% ins Musikmachen.

Meistens machst du die Promotion ja alleine…
Samu:
 Die Band war von Anfang an irgendwie mein Projekt, die anderen Mitglieder sind gegangen und gekommen. Ich schätze alle sehr, die mich begleitet haben. In jeder Band gibt es dann einen Sprecher. Ich habe von Anfang an die Blogs geschrieben, die Lieder komponiert. Es wäre auch total stressig mit vier Leuten unterwegs zu sein. Und teuer (lacht). Aber ich genieße es, am Abend mein Glas Wein zu trinken und Abendspaziergänge zu machen.

…und dabei Fotos zu schießen!
Samu:
 Ja, ich habe meine Kamera diesmal aber leider nicht mit!

Gäbe es denn irgendetwas oder irgendjemanden, das oder den du wahnsinnig gerne einmal vor der Linse hättest?
Samu:
 Naja, wenn Barack Obama, Jon Bon Jovi oder Angela Merkel mich bitten würden, ein Familienporträt von ihnen zu machen… (lacht) Nein, ich mag eigentlich mehr diese Momentaufnahmen. Ich fotografiere keine Gebäude oder so.

Du hast also keine konkreten Pläne, zum Beispiel einmal Nordlichter am Nordkapp aufzunehmen?
Samu:
 Nein, mich interessieren mehr die Menschen. Ich genieße es aber zum Beispiel auch, einen Fotopass für ein Festival zu ergattern. Ich durfte schon bei Metallica, Linkin Park und all diesen großen Bands Bilder schießen. Das ist das coolste Ding! Einfach mit der Kapuze überm Kopf, zwischen allen anderen Fotografen, mit meinem Nikon Equipment zu stehen und James Hettfield hat keine Ahnung, wer ich eigentlich bin.

sunrise avenue-interview-2014

© Mario Baumgartner

Letzte Woche hat Sunrise Avenue das Best Of Album veröffentlicht. Nächsten Sommer macht ihr die dazugehörige Tour. Dürfen wir da auch Songs erwarten, die nicht auf der Platte sind?
Samu:
Naja, es wird natürlich hauptsächlich um diese Nummern gehen. Es ist auf jeden Fall großartig, dass wir auch wieder alte Songs, die auf Fairytales – Best Of 2006-2014 vertreten sind, spielen werden. Aber in einer neuen Version! Denn immer, wenn man nach einer Albumveröffentlichung eine Tour macht, spielt man hauptsächlich die Lieder des soeben erschienenen Albums und vernachlässigt die älteren. Und wir haben auch die drei neuen Songs, die wir überhaupt noch nie live gespielt haben. Es wird spannend!

Mehr: Sunrise Avenue kommen nach Wiesen

Ihr habt kürzlich drei Konzerte in Luzern gegeben, bei denen euch ein ganzes Orchester begleitet hat. Seid ihr jetzt auf dieser Welle unterwegs oder wird es auch wieder eine Acoustic-Tour geben wie im Jahre 2010?
Samu:
 Falls wir wieder einmal eine Acoustic-Tour machen, dann in einer anderen Form. Ich hasse es, Sachen zu wiederholen. Wir werden auch die Big Band Tour nicht noch einmal spielen. Wir werden vielleicht einzelne Shows in diesen Stilen machen, aber wir müssen vor allem etwas Neues tun. Es wird sonst langweilig. Das ist das Problem einiger anderer Bands. Die versuchen sich nie an neuen Toningenieuren oder neuen Produzenten. Manche bleiben immer in ihrem kleinen Kreis und machen jedes Jahr dasselbe. Aber man muss sich weiterbewegen. Besonders in der heutigen Zeit, in der der Wettkampf so hart ist. Und speziell ich bin eine ruhelose Seele.

Immer auf Zack!
Samu: 
Du musst auf der Bühne immer etwas Unangenehmes tun. Etwas, das dich herausfordert. Sowohl die Acoustic-Tour als auch die Big Band Theory-Tour waren eine Challenge für uns. Bei den ersten Shows haben wir uns in die Hose gemacht vor Nervosität. Ich habe aber noch nie so viel geschwitzt zuvor wie an diesem ersten Abend in Luzern mit dem Orchester. Im Leben geht es nun mal um das Gefühl von Ungemütlichkeit und Unsicherheit. Du musst Sicherheit erstreben und somit die Situation für dich gewinnen.

(c) Mario Baumgartner

© Mario Baumgartner

Bezug nehmend zur klassischen Musik: Hörst du privat Mozart und Co? Welche Situationen führen dich zu deinem CD-Regal mit dieser Art von Platten?
Samu:
Ich höre diese Musik zu Hause auf Spotify. Ich habe mir schon sehr viel Klassik angehört. Wir haben auch großartige Komponisten in Finnland aus dem letzten Jahrhundert. Ich schalte also das Spotify-Radio ein, setze mich mit einem Glas Wein zur Feuerstelle und höre diesen Kompositionen zu. Wenn ich Lust auf Rock habe, will ich immer neue Bands entdecken. Nicht immer nur dasselbe Foo Fighters Album. Aber bei klassischer Musik mag ich immer genau das hören, was ich schon Millionen Mal gehört habe. Es fühlt sich jedes Mal gut und richtig an. Ich weiß nicht warum. Diese Stücke sind ist eine sehr zu schätzende Hinterlassenschaft!

Also ist Spotify für euch als Band auch okay?
Samu:
Absolut. Ich empfinde es als Ehre, wenn jemand mein Album stiehlt! Du hörst dir dann mit deinen Freunden Songs an, die ich irgendwo mitten in der Nacht geschrieben und die wir als Band mit unserem ganzen Herzblut aufgenommen haben. Ich sollte das natürlich nicht so sagen, das stimmt schon.

Echte Fans werden sich so oder so die CDs kaufen und zu euren Konzerten kommen.
Samu:
Genau so ist es. Wir sitzen so oft mit den Leuten von Universal zusammen und es wird überlegt, wie gegen dieses Streaming vorgegangen werden kann. Das ist das Business. Aber ich fühle mich gut, wenn ich weiß, jemand hört meine Musik. Egal wie er dazu kommt. Also, verwendet Spotify!

Ihr habt drei neue Songs auf eurem Album. You Can Never Be Ready und Nothing Is Over ermutigen uns niemals die Hoffnung aufzugeben, in Beziehungen jeglicher Art.
Samu: 
Nach zwei Monaten oder zwei Jahren wird irgendwann eine Kreuzung kommen. Egal ob im Job, in deinem Hobby oder in deinem Liebesleben. Aber du wirst weitergehen. Das Leben testet dich also in einer Art.

Wie erkenne ich denn, dass es Wert ist, um ein Verhältnis zu kämpfen?
Samu: Wenn du dich gut fühlst, dann mach weiter. Umgib dich mit Leuten, die dir gut tun. Ob es ein Mädchen ist, oder es zwei sind, oder doch ein Bursche, ganz egal. Folge deinem Herzen! Wir hatten als Band genauso harte Zeiten, aber wir haben uns dazu entschlossen, nach vorne zu schauen und weiter zu gehen. Gemeinsam. Und manchmal verabschieden wir jemanden. So ist es auch in Beziehungen: Du schaust durch alle Karten und entscheidest, ob du weitermachen möchtest. Beziehungen sind nicht wie im Bilderbuch. Aber das ist nicht das Ende der Welt. Es ist vielmehr ein neuer Anfang. Ich persönlich bin eher der Typ, der versucht, für Dinge zu kämpfen. Aber jeder macht sein Ding. Ich habe auch Freunde, die jeden Tag mit einem anderen Mädel im Bett landen. Aber was andere Leute machen, ist nicht mein Kaffee. Hauptsache ihnen gefällt, was sie tun.

(c) Mario Baumgartner

© Mario Baumgartner

Du bist ja wieder bei der TV-Castingshow The Voice Of Germany dabei. Letztes Jahr gab es diesen großen Hype um deine Person. Wie bist du damit umgegangen? Warst du überrascht?
Samu:
Da ich ja nicht in Deutschland lebe, habe ich nicht alles mitbekommen. Ich habe den Hype natürlich bei den Ticketverkaufszahlen gemerkt. Aber da wir mit unserem vorigen Album den Platinstatus erreicht hatten, war es nichts vollkommen Neues für uns. Trotzdem, die Presse hat natürlich versucht, mehr über mein persönliches Leben zu erfahren. Das gehört eben dazu. Aber damit setze ich mich nicht auseinander. Wenn du beginnst, dir darüber Gedanken zu machen, was andere Leute denken, dann wird das ein schwieriges Spiel. Manche mögen mich nicht, manche lieben mich wiederum. Ich mache einfach das, wonach mir ist. Und dann sehe ich, wohin es mich führt. Ich wurde schon einige Male gefragt, ob ich bei The Voice of Finland mitmachen wollen würde, aber ich habe immer abgesagt.

Warum?
Samu:
Es tut jedes Mal gut, wieder nach Hause zu kommen. Wir sind auch in Finnland mit der Band erfolgreich, spielen nette Shows da. Aber ich bin dort kein Typ aus dem Fernsehen. Und das ist gut so. Wenn The Voice Of Germany im Kasten ist, dann geh‘ ich einfach nach Hause und stehe nicht mehr im Fokus der Öffentlichkeit. Aber keine Frage, ich mag Deutschland und The Voice.

Ist es Teil des Musikerjobs, einen Juroren in einer Castingshow zu spielen?
Samu:
Ich bin ein normaler Kerl. Ein Mensch wie du. Ich bin nicht Ville Valo oder Jim Morrison. Ich habe mir kein Ziel gesetzt, was andere Leute über mich denken sollten. Und vielleicht fallen deswegen sogar die Verkaufszahlen. Das soll es auch schon gegeben haben. Die Zuseher dachten sich, der Typ wirkt in dieser Show wie ein Arschloch. Aber wenn du ein Album und ein Musikvideo auf den Markt bringst, dann musst du Werbung machen. In den 80ern hat das auch anders funktioniert. Sobald du nur in der MTV- Playlist aufgeschienen bist, hast du deine Millionen gescheffelt. Heutzutage musst du viele Interviews geben. Ich persönlich mag das sehr gerne. Meistens zumindest. Wenn wir über ernsthafte Dinge sprechen und nicht über Affairen und Beziehungen zu und zwischen irgendwelchen Promis. Aber ich unterliege nicht dem Zwang, in einer Fernsehshow mitwirken zu müssen. Zuerst habe ich auch nein zu The Voice Of Germany gesagt. Mein Manager Mikko hat mich bei einem Bier dann überzeugt, diese Herausforderung anzunehmen.

(c) Mario Baumgartner

© Mario Baumgartner

Ist der Zurückkehrer Rea Garvey eigentlich ein guter Ersatz für die Jungs von Bossihossi, die dieses Mal nicht mehr dabei sein?
Samu:
Ich bin zwar ein guter Ersatz für Xavier Naidoo (lacht), aber ich mag niemanden mehr oder weniger als jemanden anderen. Ich verstehe mich auch gut mit Steffi (Stefanie Kloß von Silbermond, Anm.) und hatte auch Nena sehr gerne. Ich mag sie einfach alle. Ich bin in der Show, um Erfahrungen zu sammeln und den Talenten in meinem Team zu helfen. The BossHoss sind glaube ich gerade in Berlin im Studio. Wir haben noch Kontakt zueinander!

Apropos Kollegen. Ihr habt auf dem neuen Album auch eine Zusammenarbeit mit Tommy Lindgren gewagt. Bei unserem letzten Interview hast du gesagt, dass ihr als Band niemanden braucht, der mit euch kooperiert…
Samu:
Wir brauchen noch immer niemanden. Aber wenn es sich cool anfühlt, warum nicht? Musik ist kein wirklich eingefahrenes Ding. Wenn du ein Banjo in einem Rocksong haben willst, dann nimm eines mit rein! Ich habe Tommy schon einmal vor 5 Jahren wegen einer Zusammenarbeit angerufen und habe ihn nun wieder angebettelt. Wir haben zwar Kooperation gebraucht wie es zum Beispiel Avicii tut, aber das ist eine ganz andere Art von Projekt. Trotzdem ist ein gemeinsames Werken manchmal erfrischend. So auch bei unserem Song Funkytown.

Bis jetzt hat es ja auch ohne „Hilfe“ immer wunderbar funktioniert!
Samu:
Wir haben vier Alben ohne Features aufgenommen und die haben sich auch brillant verkauft. Nichtsdestotrotz wird uns Tommy hoffentlich auf einigen Konzerten der Best Of Tour begleiten und Funkytown mit uns gemeinsam performen. Ich kenne niemanden, der so verrückt ist wie er. Der Typ ist wie ein Flummiball. Out of Control!

Na dann freuen wir uns schon mal auf eure Show am 30.05.2014 in der Ottakringer Arena in Wiesen! Vielen Dank für das gemütliche Gespräch!

(c) Mario Baumgartner

Enemy Redakteurin Luisa mit Samu Haber
© Mario Baumgartner

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