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Talco – Arena Wien

Talco – Arena Wien

Am 27.11.2014 sorgten die italienischen Skapunker von Talco (Facebook) für durchgeschwitzte Leiberl und tanzende Leute ohne Leiberl. Man könnte fast von einer italienischen Skapunk Explosion in der kleinen Halle der Arena sprechen. Den Support für Talco machten die Italiener NH3 (Facebook), die ihre Songs ebenfalls auf Italienisch schreiben. Auch wenn fast niemand etwas von den Texten verstehen konnte, war die Stimmung am Kochen. Immerhin sind „Alije Alije Alijo“ und „Antifa“ international verständlich.

Endlich mal humane Zeiten. Um 20 Uhr öffneten sich die Türen und der Start für das Konzert war gegen 21 Uhr geplant. Also noch mal schnell ins Beisl, aufwärmen, auftanken und die Double-Bass lastige Musik genießen. Pünktlich ging es dann in der kleinen Halle mit NH3 los. Die haben ein mehr oder weniger ähnliches Line-Up wie Talco: Ein Saxofon, eine Trompete, Gitarre, Schlagzeug, Bass und Gesang. Die Stimmung im Publikum war mittelmäßig. Hie und da mal eine geballte Faust, ein Finger in der Luft oder ein „Ho“.

Ist auch schwer, wenn man die Musik nicht kennt und noch dazu italienisch gesungen wird. Aber egal. Die Stimmung auf der Bühne ging nämlich durch die Decke! Den sechs Italienern ist es sichtlich egal, ob sie vor zwei, 100 oder eine Million Menschen spielen. Derart motiviert spielten sie sich durch ihr Set. Kurz vor Schluss hauten sie ein „Medley-Cover“ von Toots & The Maytals‚ Klassiker Monkey Man und Sham69s If The Kids Are United raus. Da gab es dann auch genug Chöre, Fäuste und geschwungene Tanzbeine.

Zwanzig Minuten später ging es dann auch schon mit Talco los. Die Jungs haben von Anfang an angeschoben. Eigentlich bin ich ja zu alt für den Scheiß, aber Talco machen derart Stimmung, dass man einfach das wütende Tanzbein schwingen muss. Schwingen, herumspringen oder wild die Fäuste in der Gegend herumwerfen. Seltsamerweise sind es immer die durchtrainiertesten und die dicksten Konzertbesucher, die ihr Leiberl ausziehen und die Fäuste ohne Rücksicht auf Verluste am Härtesten herumwerfen.

Talco spielten eine bunte Mischung aus 14 Jahren Bandgeschichte und live poscht diese Musik einfach extrem. Einer kurzer Blick durch die Halle spiegelte die Stimmung ganz gut wieder. Leute holen tief Luft, Schweiß tropft von den Köpfen und jeder und jede hat ein tomatenrotes Gesicht. Nach 30 Minuten Power ohne Ende hatten Talco mit technischen Problemen zu kämpfen. Somit verlagerte sich das Geschehen für kurze Zeit in die Dreiraumbar zum Verschnaufen. Aber die engagierten Herrschaften der Arena kümmerten sich schnell drum und ein paar Minuten später ging es weiter.

Natürlich haben Talco die versäumte Zeit aufgeholt. Zum Schluss spielten sie vor allem Lieder ihres letzten Albums, wo sogar Leute auf Italienisch mitsingen konnten. Vielleicht war es auch nur irgendein Gebrabbel, ist ja egal. Was wichtig ist – Talco sind live der Kracher. Die Leute sind freiwillig und unfreiwillig in der Gegend herumgeflogen, es wurde mehr getanzt als am Opernball und spontane Anfälle von Crowdsurfing durften natürlich auch nicht fehlen. Auch wenn einer der Konzertbesucher das Crowdsurfing mit Planking verwechselte und sich so steif wie möglich von den Leuten durch den Raum tragen ließ, gab es wenig „Köpfe auf Boden“ oder „Fuß ins Gesicht“ Vorfälle!

Denn das ist ja das Schöne an so einem Konzert. Nach außen hin sieht es aus, als hauen sich 200 Leute die Köpfe ein. Aber sobald mal wer hinfliegt oder zu hart getroffen wird, hilft man sich gegenseitig auf, gibt es Umarmungen und ab und zu sogar Bussis. Das stärkt das Gefühl von Zusammenhalt. Zusammenhalt für zumindest 90 Minuten. Und wenn man dann noch aufgrund der verlängerten Spielzeit um die letzte U-Bahn kämpfen muss – dann wird es richtig nostalgisch!

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Robert Ziffer-Teschenbruck
"Über Musik schreiben ist wie zu Architektur tanzen" (Marcus Wiebusch)
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