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Tendenze Festival Piacenza – Tag 3

Tendenze Festival Piacenza – Tag 3

Italien – ein Land in dem der Prosciutto noch an den Bäumen wächst, wo sich das Volk an den Durchmessern ihrer Pasta misst und sich die Kreisverkehre um die eigene Achse drehen. Ach ja… und gute Musik haben sie auch – zumindest am Tendenze Festival (Homepage) in Piacenza. Wir sind mit unserem niederösterreichischen Lokalhelden Onk Lou – oder in diesem Fall Onk Luigi – nach Italien gefahren und haben das Festival mal genauer unter die Lupe genommen.

Samstag, 13.08.2014, 23:00 Uhr, direkt nach dem The Gogets Konzert in Hollabrunn, ging es ab ins Auto und durch strömenden Regen Richtung Italien. Schleißige 899km. Wenn man nach stundenlangem Autostrada-Fahren und Schlafentzug nicht mehr weiß, wo man genau ist, sollte man sich immer diese alte Bauernweisheit vor Augen halten:

Wenn die Maut die Gage auffrisst, weisst, dast in Italien bist!

09:30 morgens, 21 Grad, Tramezzini mit Funghi im Autogrill und ein kurzes Nickerchen im Auto – ein klassischer Sonntagmorgen eben. Und dann mal das Festivalgelände begutachten. Vier Bühnen, davon zwei Hauptbühnen, eine kleine überdachte Bühne neben der Hauptbar (nennen wir sie für den Lesefluss Beislbühne) und im Wald hinten der Hip-Hop-Corner. Außerdem genügend Standln von veganem Chili bis Merchandising und Calzone-Falt Workshop. Alles in allem für die Größe sehr viel Angebot. Wir sind nett empfangen worden, der Soundcheck ging zackig und in der Bandküche gab es Risotto!

Tendenze Festival
19:00 Uhr – Die Party kann starten. Der Plan sieht wie folgt aus: Von 19:00 bis 20:30 zwei Shows auf der Beislbühne, ab dann gibt es gleichzeitige Gigs auf Bühne eins und der Beislbühne und dazwischen die Gigs auf Bühne zwei. Jedes Konzert dauert 30 Minuten, jeder Slot (egal ob 19:00 oder 23:30) hat dieselbe Länge. Hört sich kompliziert an, war aber gut geplant. Ach ja und der Hip-Hop Wald macht sein eigenes Ding zwischen Mafiosirap bis Battle-Workshop.

Tendenze Festival

Los ging es mit Paolo Fornasari , der romantisch auf seiner E-Gitarre Akkorde mit massig Hall spielte und ähnlich wie Thom Yorke drüberträllerte. Danach kam Mikeless, der Mann fürs Grobe an der Loop-Maschine. Fetter Groove auf der Gitarre, etwas Beatboxing, guter Gesang – Top! Aber jetzt Showtime für Onk Lou. Super Gig, super Sound, super Feedback, obwohl die Publikumsgröße etwas kleiner wurde, da nun auch die Action auf Bühne eins losging. Dennoch waren genügend Leute da und Onk Lou ist gut angekommen, immerhin war er letzten November schon mal in Piacenza. Und ein bisschen Merch wurde auch noch verkauft.

Tendenze Festival

Mein Italienisch-Wörterbuch wirft mir „eingestellt“ beziehungsweise „orientiert“ aus, wenn ich Tendenze eingebe. Es könnte aber genau so gut für Vielfalt stehen, denn die Auswahl an Bands, die wir an dem Abend noch sahen, reichten von A bis Z. Wie der Wiener sagen würd „Des Festival spüt olle Stickln!“. Hier ein kurzer Auszug des Line Ups, falls sich jemand den italienischen Horizont der Musikwelt um ein paar Einträge erweitern möchte.

Evil Eye Lodge spielten auf der Beislbühne eine Mischung aus Mötorhead und Queen, sowohl musikalisch als auch optisch. Mosche Di Velluto Grigio sorgten auf Bühne zwei für Irish Folk mit Dudelsack, Saxophon und Quetschen. Irgendwo zwischen The Dubliners und Flogging Molly. Mit einem Irish-Folk Cover des englischen The Clash Klassikers I Fought The Law schossen sie mit ihrem Italo-Englisch bei uns den Vogel ab! Und wer auf witzigen Surf-Rock mit Saxophon steht, dem hätte Diabolico Coupé sicher gefallen. Fünf Männer mit Bankräubermasken die nach Titty Twister Orchestra ohne Gesang klingen.

Ansonsten gab es noch hie und da mal Punk, ein Black Flag Stonerrock Cover, italienische Guano Apes und Glam-Rock zu sehen, bis um 01:00 das Dj-Set anfing. Eigentlich hieß es, um 01:00 wäre Sperrstunde, weil es Sonntag ist, aber Regeln sind da, um gebrochen zu werden. Also gab es bis 04:30 gratis Bier und Barbecue für alle! Ein paar Stunden Schlaf, ab ins Auto nach Venedig zum Mittagessen und dann zurück ins gute alte Wien.

Tendenze Festival

Fazit

Das Tendenze Festival war definitiv die Reise wert. Viele gute Bands, viele italienische Gesichter, gutes high-carb food und nette Leute. Die Organisation war top, der Ablauf war gut organisiert und das Schmankerl habe ich für den Schluss aufgehoben. Das Tendenze Festival ist gratis! Von dem her – Kudos an die Veranstaltung und Einladung. 1800KM fahren für 30 Minuten spielen klingt eigentlich nach einer Schnapsidee aber liebes Tendenze Festival – you made it worth our while!

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Robert Ziffer-Teschenbruck
"Über Musik schreiben ist wie zu Architektur tanzen" (Marcus Wiebusch)
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