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Thirty Seconds To Mars – Marx Halle Wien

Thirty Seconds To Mars – Marx Halle Wien

Wir waren am 1. Juli beim Konzert der amerikanischen Pop-Rock-Band Thirty Seconds To Mars (Homepage) in der Wiener Marx Halle und erlebten dort einige Überraschungen. Gleich zu Beginn fiel auf: Da fehlt doch wer. Richtig, Schlagzeuger Shannon Leto war nicht da. Der gute Herr war im Juni in Hollywood zum wiederholten Mal betrunken am Steuer erwischt worden. Er wurde festgenommen aber kam gegen Kaution frei. Doch bis auf Weiteres verhängte das Gericht ein Ausreiseverbot. Und das genau vor ihrer Love Lust Faith + Dreams Tour – ziemlich blöd gelaufen.

Bruder und Sänger Jared Leto und Gitarrist Tomislav Miličević entschieden sich, die Drums vom Computer abspielen zu lassen. Inklusive Synthesizer Schnickschnack und Back Vocals. Klar, Shannon ist ein guter Schlagzeuger und für die Band unersetzbar, aber ein Live-Show ganz ohne Ersatz spielen? Ohne Erklärung und Entschuldigung? Für den zahlenden Besucher und Musikliebhaber sollte sich dieses Konzert ein bisschen so wie ein Schlag ins Gesicht anfühlen.

Thirty Seconds To Mars Wien

© Mario Baumgartner

Doch den Fans schien das nichts auszumachen. Sie waren ohnehin hin und weg von Schauspieler und Oscar-Preisträger Jared Leto, der beim ersten Song Birth die Bühne betrat wie ein moderner Jesus vor seinen Jüngern. Ganz in weiß gekleidet, weißer Mantel, lange Haare, Sonnenbrille, weiße Flagge in der Hand und Krone am Kopf. Man mag von seinem äußeren Erscheinungsbild zwar halten was man will, seine Stimme ist aber unbestreitbar gut. Die ging nur leider unter in den lauten Drums aus der Box.

Doch Leto verstand es eine Show zu veranstalten, das Publikum zu motivieren und es vor allem auch zum Lachen zu bringen. So unterbrach er zum Beispiel gerne die Songs, um dem Publikum mitzuteilen, dass es die falsche Strophe singt: „You got confused guys. We are singing the first vocal right now! Let’s start again.“ oder dass es zu lahm ist: „Who of you is sleepy? Go to the side and take a nap there, because the rest of us wants to get crazy here.“ Er ließ die Fans darüber abstimmen, ob er sich denn einen Bart wachsen lassen soll und erzählte ihnen wie sehr er „Schbritzä“ in Österreich liebt. Besonders freute er sich an diesem Abend über eine Socke, die auf die Bühne geflogen kam. Mit seiner Art brachte Leto nicht nur die Herzen der weiblichen Konzertbesucher zum Schmelzen, nein, auch die Burschen hatten Tränen in den Augen. So einfach kann Unterhaltung sein.

Thirty Seconds To Mars Wien

© Mario Baumgartner

Thirty Seconds To Mars packten alle großen Hits aus, wie This Is War, Conquistador und Kings & Queens. Riesige Luftballons wurden in die Menge geworfen und flogen für die Hälfte des Konzerts über den Köpfen der Besucher herum. Von dem Duo auf der Bühne war kaum mehr etwas zu sehen. Vielleicht war das eine gute Taktik, um davon abzulenken, dass da eigentlich jemand fehlt. Besonders laut wurde es bei Do Or Die. Konfetti flog durch die Luft. Der Chorgesang des Publikums funktionierte perfekt. Es formte mit den Fingern die verschiedensten Zeichen und streckte sie in die Luft. Als Teil der Echelon genannten Fangemeinde sollte man die wohl kennen, ich hatte jedenfalls keine Ahnung und fragte mich, wo denn das gute alte Peace Zeichen hingekommen ist.

Nach City Of Angels und End Of All Days kam ein Akustikpart. Im wahrsten Sinne des Wortes war auf Knopfdruck das Schlagzeug weg und Leto stand alleine mit Gitarre auf der Bühne. Da gab er Hurricane, The Kill und From Yesterday zum Besten und bewies noch einmal seine gesangliche Stärke. Einen fulminanten Abschluss bildete die Hymne Closer To The Edge und die aktuelle Single Up In The Air. Dazu holte Leto Fans auf die Bühne und tanzte gemeinsam mit ihnen.

Thirty Seconds To Mars Wien

© Mario Baumgartner

Auch wenn dieser Abend was Live-Musik anbelangt eine Zumutung war, boten Thirty Seconds To Mars eine unterhaltsame Show. Und Leto schafft es irgendwie den Jugendlichen nicht nur bei einem Konzert das Gefühl zu geben, sie würden ihm ganz nah stehen. Er spricht ihnen aus der Seele, wenn sie sich in Momenten wieder finden, in denen alles aussichtslos scheint und nur Musik als Zufluchtsort gilt. Dafür schreiben Thirty Seconds To Mars den Soundtrack. Vielleicht ist das der Grund, warum die Band jetzt schon von einigen Kritikern sogar als Idole einer gesamten Generation betitelt wird.

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