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Yves Saint Laurent – Filmkritik

Yves Saint Laurent – Filmkritik

Im Juni 2008 starb Modelegende Yves Saint Laurent im Alter von 71 Jahren. Sechs Jahre nach seinem Tod bringt Regisseur Jalil Lespert dessen turbulente Lebensgeschichte auf die Leinwand.

Mit gerade einmal 21 Jahren hat sich Yves Henri Donat Mathieu-Saint-Laurent (Pierre Niney) bereits als rechte Hand des Designers Christian Dior ein Namen gemacht. Als Letzter unerwartet das Zeitliche segnet wird Yves kurzer Hand zum künstlerischen Leiter des einflussreichen Modehauses gemacht. Der Druck der auf dem schüchternen Modemacher lastet ist immens, Selbstzweifel nagen unerbittlich an ihm und lassen ihn zweifeln ob, er der Herausforderung gewachsen ist. Seine heiß erwartete erste Kollektion für Dior wird ein bahnbrechender Erfolg und Saint Laurent wird ein Teil der illustren Pariser High Society. So lernt er den Schriftsteller Pierre Bergé (Guillaume Gallienne) kennen und verliebt sich in ihn. Als Saint Laurent nach einem psychischen Zusammenbruch, Diagnose bipolare Störung, den Militärdienst verweigert (Unabhängigkeitskrieg Algeriens seit 1954) und in der französischen Öffentlichkeit in Schimpf und Schande gerät, rettet Pierre Yves nicht nur aus seiner tiefen Depression, sondern auch dessen künstlerische Karriere. Von Dior nach dem Skandal als nicht mehr tragbar empfunden, gründen Bergé und Laurent das später legendäre Haute Couture Label „Yves Saint Laurent“. Als jüngster selbstständiger Designer seit jeher erobert Yves Saint Laurent den Modeolymp und erregt mit seinen avantgardistischen Kreationen internationale Aufmerksamkeit.  Yves geht auf im Jet-Set Leben, lässt sich treiben in einem Strom voller Exzesse. Sex, Drogen, Musik, Kunst, ein flirrender Wirbel der Ausschweifungen, die letztlich nicht nur seine Gesundheit, sondern auch seine Beziehung zu Pierre zu gefährden droht.

Jalil Lespert legt das Hauptaugenmerk seines Films auf die turbulente Beziehung der beiden Protagonisten. Er zeigt uns Bergés Faszination für das junge, psychisch labile Genie und die quasi lebenserhaltende Notwendigkeit, die er für Saint Laurents Schaffen und Sein darstellt . Episodenhaft wird ihr Zusammenleben nachgezeichnet wie die „Szenen einer Ehe“. Alles vereinnahmende Liebe, aufopfernde Unterstützung, schmerzhafter Betrug, nicht-überbrückbar scheinende Differenzen, unsterbliche Verbundenheit. Ein buntes Bouquet an den vielfältigen Facetten einer Liebesbeziehung. Manchmal fehlt dabei ein wenig der Fluss und die Narration wirkt abgehackt und stockend.

Der Film ist am stärksten in den Sequenzen, in denen er die beiden Teile des Ganzen aufeinanderprallen lässt. Die verheerenden, beinahe an physischen und emotionalen Missbrauch grenzenden Auseinandersetzungen werden mit Intensität und Hingabe umgesetzt von Niney und Galliene, deren überzeugende Performances ein Highlight des Films darstellen.

In seinen Verstrickungen um das Genie, das ebenso selbst-destruktiv wie talentiert ist, und dem Mann im Hintergrund, der besagtes Wunderkind geduldig bei geistiger Gesundheit hält, lässt Lespert aber eine entscheidende Masche fallen. Zwar wird Yves Saint Laurent von allen Seiten Genius attestiert, was aber seine Designs so genial machen, was sie von anderen hervorhebt, soweit dass seine Kreationen 1983 im Metropolitan Museum of Modern Art in New York ausgestellt wurden, und vor allem welche kulturelle Signifikanz sein Schaffen hatte, vermag der Film nicht zu vermitteln.

Yves Saint Laurent ist ein geradliniges Biopic das mit Talenten punktet aber, anders als die namengebende Ikone der Couture, wenig Risiken eingeht. So bleibt der Film eher durchschnittliche 0815-Klamotte als ein revolutionierendes Stück Kinogeschichte.

Yves Saint Laurent

Kinostart: 18. April 2014
Genre: Biopic, Drama
Regisseur: Jalil Lespert
Cast: Pierre Niney, Guillaume Gallienne, Charlotte Le Bon
Land: Frankreich
Dauer: 104 Minuten
Filmverleih: Constantin Film
Für Fans von: Coco Chanel – Der Beginn einer Leidenschaft

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