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Zach Braff im Interview

Zach Braff im Interview

Im Rahmen seiner Wish I Was Here Promotour machte Schauspieler Zach Braff, allseits bekannt für seine Rolle als J.D. in der Serie Scrubs, letzte Woche halt in Wien. Unsere Redakteurin ließ es sich dabei nicht nehmen den Hollywoodstar zu einem kurzen Gespräch zu treffen und über seinen neuen Film, starke Frauen, den Terminator und ein mögliches Fernsehcomeback zu tratschen.

Wie kam dir denn die Idee zu diesem Film?
Zach: Ich glaube ehrlich gesagt unter der Dusche. Dort wo du alle guten Ideen hast. (lacht) Ich hatte einen Typen vor mir, einen ungebildeten Stoner, der versucht seine Kinder selbst zu unterrichten und ihnen etwas in Geometrie beizubringen. Ich fand das ziemlich lustig. Ich habe selbst einmal Nachhilfe darin gegeben. Ich hatte natürlich nicht die geringste Ahnung. Jedes Mal wenn ich etwas gefragt wurde, dachte ich mir nur “Ich bin nicht die Person, die hier sitzen sollte.“ (lacht) Dann gab es noch diesen Mark Ruffalo Film You Can Count On Me, der mich ziemlich inspiriert hat. In einer Szene spricht er mit seinem Neffen und die Art, wie er mit ihm redet, als hätte er es noch niemals mit einem Kind zu tun gehabt. Also es war, denke ich, eine Mischung all dieser Dinge. Mein Bruder hat natürlich auch einen wesentlichen Teil dazu beigetragen. Er ist selbst Vater von zwei Kindern.

Wie bringt man Schreiben, Regie und Schauspielerei unter einen Hut?
Zach: 
Das Schreiben ist mit Abstand am schwierigsten, da es einen am meisten isoliert. Regieführen und Schauspielen macht einen riesen Spaß. Da ist man am Set mit all den Anderen und versucht in kurzer Zeit, das Beste aus jedem herauszuholen. Es ist ein richtiger Adrenalinschub. Natürlich extrem stressig aber gleichzeitig eine unglaubliche Freude! Beim Schreiben hingegen ist man die meiste Zeit alleine. Es kann einen ziemlich mitnehmen und frustrieren. An manchen Tagen denkst du, du hast es drauf und an anderen wieder nicht.

Wish I Was Here geht einem mit seiner Story und seinen Figuren sehr nahe. Wie erreicht man als Filmemacher einen derartigen Effekt beim Publikum?
Zach: 
Naja, mein Bruder und ich haben sehr lange an dem Drehbuch geschrieben. Vieles geschieht aber auch in der Nachbearbeitung. Ich habe oft gesagt bekommen, dass man seinen Film erst so richtig im Edit-Room findet. Bis ich Garden State gedreht hatte, wusste ich nicht, was damit gemeint war. Während des Drehs überlegt man nicht viel, sondern versucht so viel Material wie möglich zu sammeln – wir haben diesen Film in 26 Tagen gedreht, was vollkommen verrückt ist – danach hat man das ganze auszusortieren und zurechtzuschneiden. Ab dem Zeitpunkt verändert sich alles. Denn plötzlich hast du eine tolle Performance vor dir und der Film entwickelt sich in eine ganz andere Richtung. Die Szene von Kate und Mandy im Spital, zum Beispiel, war so eindrucksvoll, dass wir uns entschieden den Film so zu lenken, dass er auf diesen Moment aufbaut. Man beginnt alles in eine Form zu bringen und berücksichtigt dabei, was an Performances und Szenen am besten zusammenwirkt. Auf dem Blatt Papier sieht man das schließlich nicht. Ich hatte ja keine Ahnung, dass Joey anfangen würde zu weinen in der Szene mit ihrem Onkel. Du fängst also diese unglaublich starken Momente ein und mit ihnen verlagert sich automatisch das Gewicht. Eine Szene rückt in den Vorder-, eine Andere in den Hintergrund.

Der Film hält eine auffallend gute Balance zwischen tragischen, wie komischen Elementen. Wie entscheidet man, was witzig ist, ohne es zu übertreiben?
Zach: 
Das geschieht auch alles in der Nachbearbeitung. Viele Szenen muss man einfach beinhart rausschneiden. Da waren zum Beispiel Dinge, die Donald und ich in der Aston Martin Szene trieben – das meiste war improvisiert – die waren dermaßen lächerlich und so was von Scrubs, dass ich mir nachher sagte „Was zum Teufel haben wir uns dabei eigentlich gedacht?“ Es war wie als ob J.D. und Turk zurück wären. (lacht) All das wird sicher auf der DVD als Special enden. Ich habe aber auch in der Hinsicht viel von Scrubs gelernt. Bill Lawrence ist ein Meister darin. Ich weiß noch, ich bekam oft ein Skript in die Hand, bei dem ich mir dachte, dass das einfach nicht funktionieren könne, weil die Wende so groß war. Wir zogen es trotzdem durch und es klappte jedes Mal. Er konnte noch auf die absurdeste Fantasy-Sequenz eine vollkommen Ernste folgen lassen. Was natürlich ebenso mitspielt, ist die Abfolge. Man kann dem Publikum nicht zu viel auf einmal zumuten. Hat man, zum Beispiel, zwei extrem emotionale Szenen hintereinander, weiß man, dass dazwischen etwas reinmuss, das auflockert. Die Zuseher brauchen eine Möglichkeit aufzuatmen.

Natalie Portmans Charakter in Garden State wird öfters nachgesagt ein sogenanntes „Manic Pixie Dream Girl“ zu sein. War dir diese Kritik bewusst und wurde sie beim Schreiben von Sarah Bloom berücksichtigt?
Zach: 
Ja, ich hasse diesen Begriff. Aber ich habe mich davon, was Sarah angeht, nicht beeinflussen lassen. Sie sind beide starke Frauen, die ihren Männern zur Hilfe kommen. Ich denke, das rührt vielleicht daher, dass ich selbst insgeheim davon träume von einer starken Frau gerettet zu werden. Es ist sicher ein Motiv in beiden Filmen. Aber ich fand diese Bezeichnung ziemlich beleidigend gegenüber Natalies Leistung. Sie war herausragend in dem Film. Sie hat genau den Charakter zum Leben erweckt, den ich geschrieben hatte, jemand der lustig und schrullig ist und sich und das Leben nicht zu ernst nimmt. Das ist einfach die Art von Frau, die ich attraktiv finde. Aber ich denke, dass nachdem der Film so viel Erfolg hatte, dieser Typ zu einem Klischee wurde. Die Leute hatten dann schnell einmal die Nase voll davon. Das ist auch okay so. Das passiert mit fast allem, das ein Hit wird. Mich ärgert nur, dass es auf etwas zurückfällt, das die Leute ursprünglich mochten, etwas das kreativ und positiv war.

Zach_Braff_Lisa_Sycha

Enemy-Redakteurin Lisa mit Zach Braff

Deine Hauptfigur Aidan muss sich immer wieder mit der Frage befassen, wie weit er für seinen Traum gehen kann. Wie weit, meinst du, kann man das im realen Leben tun?
Zach: 
Ich denke, wenn du alleine bist, kannst du deinen Traum verfolgen, solange du willst. In dem Moment, in dem du dich jedoch in einer Beziehung befindest und du Kinder durchzufüttern hast, hast du eine gewisse Verantwortung zu tragen. Mein Charakter in dem Film ist ziemlich egoistisch in der Hinsicht, da er sich ja zu Beginn komplett auf sich konzentriert. Ihn muss erst seine Frau so richtig zurechtrücken.

Du scheinst gerne Freunde in deine Projekte zu inkludieren. So bekommen wir deinen Scrubs-Kollegen Donald Faison, wie auch Jim Parsons wieder an deiner Seite zu sehen. Wie gestaltete sich diese Zusammenarbeit?
Zach: 
Ja, ich rede mir gerne ein Jim Parsons entdeckt zu haben. (lacht) Er kam damals zum Reading von Garden State. Er war dermaßen lustig, dass wir ihn ohne zu zögern genommen haben. Er hat nachher für seinen Part ziemlich viel gute Kritik bekommen, sprach weiter in Hollywood vor und erhielt schließlich die Rolle in Big Bang. Jetzt ist er der bestbezahlteste Schauspieler im amerikanischen Fernsehn. Aber wie gesagt, wir wollen nicht vergessen, wem er das zu verdanken hat. (zwinkert und lacht) Ich arbeite aber prinzipiell gerne mit derselben Truppe. Ich mag es auch, wenn das andere Regisseure tun. Bei einem Dreh ist Zeit Geld. Du kannst es dir daher kaum leisten jemanden zu engagieren, aus dem du erst eine gute Performance herauskitzeln musst. Du brauchst Leute, bei denen du weißt, dass sie auf Kommando lustig sein können und darüber hinaus noch in der Lage sind, etwas Komisches noch komischer zu gestalten. Hat man erstmals dieses Ensemble zusammen, trennt man sich nur sehr ungern von ihm.

Deine Crowdfunding Kampagne hat weltweit viel Aufsehen erregt. Könntest du kurz erläutern, wie es dazu kam?
Zach: 
Die Kampagne wurde ins Leben gerufen, weil schlichtweg niemand daran interessiert war den Film zu machen. Ein Studio hätte ihn sowieso nie in Betracht gezogen. Bei dem Wort „Jeschiwa“ hätten sie das Skript schon in die Ecke geworfen. (lacht) Ein Independent-Financier hätte ihn wohl eher genommen, aber auch nur unter bestimmten Bedingungen. In dem Fall wäre eine Szene nach der anderen gestrichen worden. Normalerweise hätte ich wahrscheinlich nachgegeben aber genau zu diesem Zeitpunkt, gelang es Rob Thomas den Veronica Mars Film zu finanzieren und es war revolutionär! Ich bin gesegnet mit einer verrückten, treuen und leidenschaftlichen Internetfanbase, also dachte ich mir „Wieso es nicht versuchen?“ Alle sagten, es würde nicht funktionieren, weil Veronica Mars eine Marke für sich war. Mein Argument war schließlich nicht Scrubs – der Film oder Garden State 2 zu machen. Alles, was ich anzubieten hatte, war eine Idee, von der ich dachte, dass sie gefallen würde. Im Endeffekt schafften wir es doch und das in weniger als 48 Stunden. Natürlich brauchten die Medien dann eine neue Story, und zwar dass es falsch war, es zu tun. Das letzte halbe Jahr habe ich nun damit verbracht, meinen Standpunkt zu erklären und mich zu rechtfertigen, warum es das nicht war. Dieser Film wird nicht das große Geld machen. Ich werde wahrscheinlich eher Geld an ihm verlieren. Das Ganze war im Grunde ein großes Experiment: Könnte ich einen Film produzieren mit den Fans für die Fans.

Was war bis jetzt die positivste Erfahrung, die du dank Crowdfunding machen durftest?
Zach: 
Die Menschen. Auch wenn ich es nicht wiederholen würde – dafür war es mir einfach viel zu viel Arbeit – die Menschen waren wundervoll! Ich bin um die ganze Welt gereist und habe all diese Q&As und Meet & Greets gehalten. Wir hatten sogar einen eigenen Online-Channel eingerichtet, auf dem wir „Behind the Scenes“ Videomaterial hochstellten. Es war einmalig! Die ganze Politik dahinter hat mich jedoch geschafft. Ich bin definitiv nicht die Stimme des Crowdfunding und ich möchte sie auch nicht weiter sein.

Stimmt es, dass du Arnold Schwarzenegger im Fitnessstudio getroffen hast?
Zach: 
Ja, das ist tatsächlich passiert. Ich war gerade beim Trainieren an einer Maschine, als Arnold reinkam mit zwei Bodyguards an seiner Seite. Ich konnte es zuerst nicht glauben. Ich dachte mir nur „Was passiert gerade? Inspiziert er die Fitnessstudios von L.A.?“. Er war ja damals Gouverneur. (lacht) Es stellte sich im Nachhinein heraus, dass er den Besitzer kannte. Auf jeden Fall kam er zu mir, und ich weiß nicht ob er mich als Schauspieler oder als Staatsbürger anredete, aber er sagte: „Was möchtest du mit deinem Work-out erreichen?“ Es war surreal und meine Antwort war ehrlich gesagt auch ziemlich peinlich. Ich sagte ihm ich würde gerne so aussehen wie Brad Pitt in Fight Club. Er meinte darauf nur, dass das alles eine Frage der Diät sei und ich viele Karotten essen solle. Also bin ich nach Hause gegangen und habe 2 Wochen nichts anderes als Karotten gegessen. (lacht)

Werden wir dich jemals wieder im Fernsehen zu sehen bekommen?
Zach: 
Mit Sicherheit! Vor einem Jahr hätte ich wahrscheinlich noch mit einem klaren „Nein“ geantwortet, aber all das, was sich gerade im Fernsehen tut ist so aufregend. Game of Thrones, Breaking Bad, Fargo – diese Breite an Inhalten. Es gibt jetzt so viel Raum. Ich glaube wirklich, dass das Fernsehen zurzeit der Ort ist, an dem Großes geschaffen wird. Ich liebe Filme über alles, aber wenn ich die Wahl habe, mich von einer richtig guten Fernsehserie für einen Monat oder von einem Film für 2 Stunden abhängig zu machen, nehm ich doch lieber die Serie.

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