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Zulu – Filmkritik

Zulu – Filmkritik

Bereits im Mai 2013 wurde Jérôme Salles (Largo Winch)Film Zulu in Cannes gezeigt, jetzt kommt der Film auch in den heimischen Kinos. Nach Caryl Ferey‘s Romanvorlage liefert der französische Regisseur einen knallharten Thriller angesiedelt unter der strahlenden Sonne Südafrikas.

Ali Sokhela (Forest Whitaker) ist Chef der Mordkommission in Kapstadt. Als eine brutal zugerichtete Leiche einer jungen Studentin mitten im botanischen Garten gefunden wird, ruft das Workaholic Ali und seine zwei Kollegen auf den Plan. Der regelbewusste Familienvater Dan Fletcher (Conrad Kemp), der in seiner zerstreuten Liebenswürdigkeit kaum zu übertreffen ist, findet sein dunkles Spiegelbild in Partner Brian Epkeen (Orlando Bloom), ein rauer, notirischer Zu-spät-Kommer mit einer gescheiterten Ehe, der seinen Morgenkaffee mit einem Stück Zucker und viel Whiskey nimmt. Bei ihren Ermittlungen findet das ungleiche Trio heraus, dass sich die Tote unter dem Einfluss einer neuartigen Droge befand. Deren Effekt ließ sie komplett die Kontrolle über sich selbst verlieren und gewalttätig werden. Je tiefer ihre Nachforschungen gehen desto mehr wird ihnen bewusst, dass es sich nicht um einen einfachen Drogenmord handelt. Skrupellose, unmenschliche Verbrechen werden aufgedeckt. Ein Netz an Korruption entspinnt sich, dass seine Wurzeln in den Zeiten der Apartheit findet. Als Ali, Fletcher und Epkeen der Aufklärung immer näher kommen, hat das weitreichende Konsequenzen für sie selbst und ihre Angehörigen.

Mit Zulu inszeniert Jérôme Salle einen actionreichen Thriller, der stilistisch im Neo-Noir der 70er Jahre zu verankern ist. Auf narrativer Ebene finden sich quasi alle Versatzstücke. Der Polizist mit persönlichen Dämonen, skrupellose Verbrecher, ein mörderischer Plot und sogar eine mysteriöse Nachtclub Tänzerin als Femme Fatale. Das Baukastenprinzip in Narration und Charakterkonstellation wird aber durch den Schauplatz ein wenig aufgewertet. Südafrika ist ein von der Mainstream Filmindustrie relativ unbeflecktes Terrain, so bringt Salle in diesem Aspekt etwas Neues an den Tisch das seine Zuschauer bei Stange hält.

Formal unterstützend ist Denis Roudens großartige Kameraarbeit, das gleißende Licht der südafrikanischen Sonne scheint die Szene zu überfluten, holt die Gräueltaten aus der Dunkelheit hervor. Das Bild wirkt beinahe gewaltsam hart, wie die Ereignisse die sich vor der oft wackeligen Handkamera abspielen. Rau und authentisch. Die Sequenzen in der Nacht sind im Kontrast dazu wie mit einem Schleier überzogen. Diesig, düster, undurchsichtig.

Brian Epkeen (Orlando Bloom)

Brian Epkeen (Orlando Bloom)

In dieser Zwischenwelt bewegen sich Salles Charaktere. Während wir mit Brian Epkeen quasi die Brockhaus-Definition eines heruntergekommen Cops vorgesetzt bekommen, vollständig mit Pillenkonsum und wechselnden Damenbekanntschaften, ist Forest Whitakers Ali Sokhela schon eine weitaus faszinierendere Figur. Ein von Schlaflosigkeit geplagter Polizist, dessen engere Beziehungen sich auf seine lebensfrohe Mutter und eine Prostituierte beschränken, mit der er ein besonderes Verhältnis pflegt. Whitaker spielt Sokhela überzeugend als reservierten, zielstrebigen Mann, unter dessen ruhiger Oberfläche es stets zu brodeln scheint. Orlando Bloom kommt gegen Whitakers Präsenz kaum an. Sein wohl definierter Körper, den der Zuschauer in unterschiedlich bekleideten Stadien zu sehen bekommt, Bartstoppeln und geschminkte Augenringe lassen zwar physisch keine Ähnlichkeit mehr zu seiner bekanntesten Rolle erkennen, doch der schauspielerische Ausdruck ist unverkennbar der des emotionslosen Elben.

Eine weitere Hauptrolle im Film nimmt die Stadt selbst ein. Salle porträtiert Kapstadt als zweifelhaftes Paradies, in dem scharfe Gegensätze definierend sind. Die von Armut gezeichneten Gangviertel und Townships (ein Siedlungsprojekt dass zur Zeit der Rassentrennung die Nicht-Weiße Bevölkerung auf diese Gebiete eingrenzte) in denen Ali seine Kindheit verbrachte stehen im starken Gegensatz zur piekfeinen, blütenweißen Villengegend in der Epkeens Ex-Frau haust oder der Vorstadtidylle die Fletcher mit seiner Familie geniest. Das Apartheitsregime hat seine Spuren hinterlassen und Salle macht das in seinem Film sichtbar.

Zulu ist einpackender Thriller, der stellenweise ein wenig in bekannte Raster fällt, aber sich auf visueller Ebene beweist.

Zulu

Kinostart: 9. Mai 2014
Genre: Thriller, Drama
Regisseur: Jérôme Salle
Cast: Forest Whitaker, Orlando Bloom, Conrad Kemp
Land: Südafrika, Frankreich
Dauer: 110 Minuten
Filmverleih: Filmladen
Für Fans von: LA Confidential, Street Kings, Largo Winch

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