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Antilopen Gang – B72 Wien

Antilopen Gang – B72 Wien

Wenn die Beamten des Verfassungsschutzes ihre Schicht beenden, traut sich auch die Antilopen Gang (Homepage) auf die Straße. Am 01.03.2015 ging beim ausverkauften Konzert im B72 demnach die Party ab. Zwischen Anti Alles, Aversion und abgefucktem Punkrap mit Live Drumming.

Antilopen für den Weltfrieden

Die Antilopen Gang sind Rapper, deren Herzen so schnell schlagen wie 77er Hardcore-Punk Nummern. Sie sind keine normalen Hip-Hopper. Sie strotzen vor Sarkasmus, Abneigung gegen den Staat und nehmen sich kein Blatt vor den Mund. Eine Gang, bei der die Grenze zwischen Punk und Hip-Hop einmal mehr undurchsichtiger wird.

Die Antilopen Gang besteht aus den Rappern Koljah, Danger Dan und Panik Panzer. Das Konzert war im Vorfeld schon ausverkauft. Provokation verkauft sich halt gut. Immerhin wurde das letzte Antilopen Konzert in Wien durch ein Auftrittsverbot aufgrund menschenverachtender Texte verhindert. Umso mehr ein Grund, sich diese Party nicht entgehen zu lassen. Der deutsche Rapper form (Facebook) heizte der Masse aus Turnbeutelträgern, Hipster-Kiddies und Politdiskutanten schon mal ein. Um 22:00 ging es dann mit der Vorlesung „Ironie für Fortgeschrittene“ los.

Antilopen auf der Bühne

Das abgefuckte Schlagzeug aus Mülltonnen und abgeschlagenen Becken auf der Bühne würde nicht mal die letzte Garagenband in Simmering bespielen. Die Antilopen sind aber eben anti und setzen auf Punkattitüde. Live-Looping, Dj-ing und Live Drumming. Aversion gegen Konformität eben. DJ Moses Müllmann Cool eröffnete das Konzert mit einem mystischen Schlagzeugsolo. Bis dann letztendlich die Gang auf die Bühne hüpfte und mit die neue Antilopen Gang startete. In der letzten Strophe wurde dann auch gleich klar: Das ist kein normales Hip-Hop Konzert, hier gibt es Pogo.

Zehn Dinge, an denen du merkst, dass du auf keinem normalen Hip-Hop Konzert bist, sondern bei den Antilopen.

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  • Kurz vor der Show spielt es nicht Kanye sondern Knochenfabrik.
  • Die Chöre während des Konzerts bewegen sich weniger bei „Smoke Weed Everyday“ sondern mehr bei „Hoch die internationale Solidarität“.
  • Der Rapper chillt nicht hinter der Bühne, sondern vor der Bühne. Am Besten liegend auf den Händen der Fans.
  • Mit nur sechs Händen schaffen es die Rapper mehr Mittelfinger zu zeigen, als es der gesamte Wu Tang Clan in einem ganzen Monat schafft.
  • Anstatt hysterischer Swag-Girls, die kreischend zum Beat springen, gibt es eine Wall of Death aus Hipstern, Antifaschisten und der Side-Cut Mafia.
  • Die Wände des B72 biegen sich nicht aufgrund der U-Bahn, sondern wegen des heftigen Pogos.
  • Als letzte Zugabe gibt es nicht den massentauglichsten Hit, sondern Mollis und Steine gegen Bullenschweine.
  • Der DJ hängt nicht unheimlich smooth hinter seinen Turntables ab, sondern springt quer über die Bühne, wirft Mülltonnen herum und schlägt gewalttätig auf alles ein, was annähernd wie ein Schlagzeug aussieht.
  • Im Publikum findet man mehr Antifa Logos als Ecko-Wear.
  • Unmittelbar nach dem Konzert spielt es keine Lieder von labelnahen Kollegen, sondern Wir müssen hier raus der Ton, Steine, Scherben.

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In die folgenden 90 Minuten pressten die Antilopen viele Hits von Aversion, Songs der verschiedensten Vorgängerkonstellationen und eine große Portion Fuck Off Attitude. Ein Konzept, das funktioniert. Auch wenn sie es eigentlich nicht als Konzept, sondern als generelle Abneigung gegen alles und jeden ansehen. Ein weiteres Schmankerl des Konzerts war, dass Danger Dan ein paar Nummern wie zum Beispiel Enkeltrick, Ölsardinenindustrie oder Ikearegal live am Keyboard vertonte.

Das Publikum war jedenfalls mitgerissen und feierten den Weltuntergang, Revolte und gute Laune. Die Antilopen schaffen es einen Haufen Studenten zu beleidigen und ihnen nachher ein lautstarkes „Fick die Uni“ rauszulocken. Beim Konzert gab es keine Downer oder Schwachstellen. Das B72 tanzte durchgehend, der „Schmee“ rannte und außerdem anti alles. Schlichtweg großartig. Wie zu erwarten war, gab es zwischenzeitlich ein paar mit Ironie und Sarkasmus vollgestopfte politische Ansagen, bis sich Danger Dan letztendlich mit „Wir waren die HC Strachengang“ verabschiedete.

Linkslinkes Lügenpresse Fazit

Das Antilopen Gang Konzert war whack, die Gang ist nicht dope und anti schon gar nicht. Die Gang kann nicht rappen und wurde mit vollen Bierdosen beworfen. Den DJ haben sie vorher in einer naheliegenden Bahnhofskantine in Kaiserebersdorf aufgegabelt. Kein Wunder, dass Campino ihre Lieder schreiben muss. Von Aversion war nichts zu spüren. Die künstliche Arroganz ist gar nicht so künstlich. Die Ironie gar nicht so ironisch. Nach dem Konzert gingen sie Backstage Geld zählen und Drogen nehmen. Die Antilopen sind gefährlich. Sie mobilisieren auf ihren Konzerten kriminelle Untergrundformationen und rufen zur Revolte auf. Sie verbreiten in ihrer Musik unterschwellige Botschaften und manipulieren die Jugend. Das nächste Konzert mussten die Antilopen ad hoc absagen. Sie sind gerade auf dem Weg in den Dschihad.

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Robert Ziffer-Teschenbruck
"Über Musik schreiben ist wie zu Architektur tanzen" (Marcus Wiebusch)
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