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Band des Monats Oktober – Fran San Disco

Band des Monats Oktober – Fran San Disco

Drei Jahre hat es gedauert, bis Fran San Disco (Homepage) endlich mit ihrem Debütalbum Reality Show rausgerückt haben. Das Warten hat sich aber definitiv gelohnt. Reality Show schafft seine ganz eigene Welt, vollgestopft mit Discokugeln, Synthiespielereien und Indie. Wieso das Projekt Fran San Disco heißt, ob man nach jahrelangen Banderfahrungen endlich erwachsen geworden ist und wieso sie keine Wahlkampfsongs für Parteien schreiben würden, haben uns Fran San Disco im Interview zur Band des Monats Oktober erzählt.

Fran San Disco – Das Interview

Zuerst einmal zum catchy Namen: Was und wer steckt hinter Fran San Disco?
Der Name entstand in nächtelangen Brainstorming-Sessions in unserem Proberaum. Gerüchten zufolge sollen auch die Kreativität stimulierende Substanzen wie Traubenzucker oder Rotbusch-Tee involviert gewesen sein – so genau weiß das niemand mehr. Das passierte damals auch noch in der Originalbesetzung mit Mathias Novovesky am Schlagzeug und Lukas Ostermann am Bass. Mittlerweile haben sich die beiden verabschiedet und Fran San Disco besteht aus Consti Weiser und Michi Müller (Gesang, Gitarre), Benedikt Zettel (Synthie), Stefan Havranek (Gitarre) und unseren beiden „Neuen“ Julian Essl (Bass) und Daniel Nagelstutz (Schlagzeug). Beim Abschied gab es aber keinerlei böses Blut und Julian und Daniel haben uns sowohl technisch als auch kreativ weitergebracht.

Und was zum Teufel ist Disco Power Pop?
Keine Band lässt sich gern in eine Schublade stecken, deswegen haben wir uns kurzerhand ein eigenes Genre „ausgedacht“, das unserer Meinung nach unsere Musik am Besten beschreibt. Den Begriff hat der Grafikdesigner und auch Bruder von Benedikt geprägt, der auch für unser Album-Artwork verantwortlich zeichnet – Thomas Zettel aka Zellerluoid (Facebook).

Beschreibt doch mal einem Außenstehenden in ein paar Sätzen, um was es in euren Liedern geht.
Da ist die Bandbreite recht groß: von der durchzechten Partynacht bis zum Hangover danach oder dem Einfluss digitaler Medien auf unsere Leben. Wir versuchen einfach, das was uns tagtäglich bewegt, in Songs zu verpacken und dazu einen Beat zu servieren, der die Leute zum Tanzen bringt.

Reality Show / Fran San Disco

Cover von „Reality Show“

Die Band gibt es seit 2009, damals habt ihr voll den Zeitgeist getroffen. Jetzt ist es 2015 und die Clubs spielen keine The Killers-, Digitalism- oder Bloc Party-Dauerschleifen mehr. Trefft ihr mit Reality Show den Zeitgeist oder ist euch das gar nicht wichtig?
Mit dem Zeitgeist Schritt zu halten ist ja mittlerweile fast unmöglich. Täglich taucht irgendein neuer Hype auf, das Internet dient hier als Katalysator und was heute „cool“ und „hip“ ist kann morgen schon wieder „out“ sein – so wie die Wörter „cool“, „hip“ und „out“ selbst. Uns war wichtig, dem Album die Zeit zu geben, die es braucht. Es hätte keinen Sinn gemacht, vor zwei Jahren Druck zu machen und dann vielleicht mit dem Ergebnis nicht zufrieden zu sein.

Wen würdet ihr zu euren Einflüssen zählen? Gibt es vergleichbare Bands im In- und Ausland?
Schwierig, da wir musikalisch doch aus verschiedenen Ecken stammen. Vielleicht ist es genau diese Vielfalt und Uneinigkeit, die zur Stärke werden kann. Mehrere Einflüsse, die eigentlich gar nicht zusammenpassen, aber irgendwie unter einen Hut gebracht werden wollen. Da kommt oft etwas Interessantes raus.

Wenn man als Band drei Jahre an seinem Debütalbum bastelt – Was erhofft man sich nach dem Release?
Naja, in erster Linie waren wir einmal froh, endlich das fertige Album in Händen zu halten. Die Release Show war auch eine echt geile Party mit vielen bekannten Gesichtern, die uns sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben wird. Jetzt heißt es einmal spielen, spielen, spielen. Durch unsere dreijährige Liveabstinenz sind wir fast ein bisschen eingerostet, aber auf der Bühne zu stehen ist dann wieder so ein euphorisierendes Gefühl, dass man davon einfach nicht genug bekommt. Schön wäre, vielleicht mal ein bisschen Radio-Airplay zu bekommen und unsere Konzert-Reichweite zu erhöhen.

Mit Reality Show habt ihr ja eine eher elektronische Richtung eingeschlagen. Wie kam diese Wende? Aus persönlichem Interesse oder hat euch da etwas dazu geleitet?
Es war irgendwie ein logischer Schritt – die Songs haben das Elektronische verlangt. Wir sind aber weiterhin „Handwerker“ und arbeiten live kaum mit Samples – da wird jeder Knopf selbst gedrückt. Das ist unserer Meinung nach auch die große Stärke. Die rohe Energie auf der Bühne. Das schafft man als rein elektronische Band nur schwer.

 

Ihr habt ja früher in Punk, Ska und Rockbands gespielt. Die Musik von Fran San Disco ist schon etwas ernster. Kann man hier von Erwachsenwerden sprechen?
Klar ändern sich musikalische Vorlieben mit den Jahren. So wie wir uns als Menschen weiterentwickeln, ist auch unsere Musik in eine andere Richtung gegangen. Das heißt nicht, dass man alte Leidenschaften über Bord wirft, aber man wird eben offen für neue Einflüsse und verändert auch sein Verhalten. Wenn man das Erwachsenwerden nennen mag, dann okay. Aber so richtig erwachsen ist man doch nie.

Wenn ihr euch eine internationale Band und nationale Band aussuchen dürft, um mit denen die Bühne zu teilen – wer wäre das und wieso?
Hier wird es schwer, eine gemeinschaftliche Antwort zu geben. National wäre es wohl Falco – wenn nur aktuelle zählen, dann Bilderbuch oder Ja, Panik!. Die beiden stehen irgendwie in der Tradition von Falco, sie spielen auch mit seiner Ästhetik. Ja, Panik textlich und Bilderbuch sind einfach eine hammer Liveband! International wird’s noch schwieriger, weil es da so viele gibt. So ein Bombast-Konzert à la Pink Floyd oder Muse wäre natürlich Wahnsinn. Alleine schon da einmal Backstage reinschnuppern zu können, ist sicher ein Erlebnis. Musikalisch gäbe es aber sicher noch tausende andere. Social Distortion oder The Strokes – so viel zu unseren vielfältigen Einflüssen.

Hat man es als junge Band in Österreich leicht, Bekanntheit zu erlangen oder klappert man mal Jahre lang die Beisln im Umkreis von 50km ab, bis man endlich mal weiter raus kommt?
Es kann so oder so gehen, nachhaltiger ist aber wahrscheinlich die „Ochsentour“ durch die Beisln. Da spielst du dann schon mal vor 20 Leuten in irgendwelchen Jugendzentren in einem Kaff in Oberösterreich, aber so entsteht einerseits Dankbarkeit bei der Band, für das was man tut und andererseits auch eine ganz andere Fan-Bindung, als wenn du von heute auf morgen eine „Berühmtheit“ bist. Das ist dann meistens ganz schnell vorbei und man macht sich von seinen Förderern abhängig.

Wie betrachtet ihr die aktuelle österreichische Musikszene und den Überhype von Wanda, Bilderbuch und Co.?
Das war nur eine Frage der Zeit. Österreich hat schon seit Jahren einen riesigen Output großartiger Musik. Gewisse Radiosender haben das ja auch sehr früh erkannt und gefördert, und jetzt springen halt auch die „Mainstream“-Medien auf den Zug auf. Mal sehen, welche Auswirkungen das auf die Musikszene abseits dieser „Glanzlichter“ haben wird.

san fran disco

Sonntag sind die Wien-Wahlen. Hat Politik in Musik eurer Meinung nach etwas zu suchen? Da gab es vor Jahren den HipHop Collabo-Track für die SPÖ, die FPÖ-Hausband um die Otti-Brüder oder den „Rapper“ Strache. Würdet ihr je für eine Partei einen Wahlkampfsong machen?
Natürlich kannst du kaum Musik machen, ohne auch politisch zu sein. Da geht es aber gar nicht um banale links-rechts Geschichten. Wer etwas Relevantes zu sagen oder zu singen hat, bezieht damit in irgendeiner Weise Stellung, was ja schon ein politisches Statement ist. Aber für eine Partei einen Song zu schreiben – das geht dann schon zu sehr in Richtung Mäzenentum, aus dem sich die Kunst ja mittlerweile befreit zu haben scheint. Auch wenn das bei genauerer Betrachtung keinesfalls der Wahrheit entspricht. Für uns wäre das aber nichts, schon gar nicht für die FPÖ.

Was war der Auslöser dafür, dass ihr eine Ode an Wien geschrieben habt?
Wien ist die einzige Weltstadt in Österreich und hat massiven Einfluss auf die meisten Österreicher, auf uns zumindest enorm. Wir leben ja auch teilweise in der Hauptstadt und genießen die damit einhergehenden Vor- und Nachteile. Wien ist eine Stadt, die sich zu einer der interessantesten in Europa entwickelt, da kann man schon eine Hymne darauf schreiben. Auch wenn wir auch die dunklen Seiten beleuchten wollen. Es gibt halt kein schwarz/weiß, sondern eher grau.

Gibt es schon Pläne für die Zukunft? Das Album ist draußen, die Release Show vorbei…
Wie gesagt, primär wollen wir spielen und unser neues Album bekannt machen und unter die Leute bringen. Es wird demnächst ein neues Video geben und parallel beginnen wir auch schon, an neuen Songs zu arbeiten – wir wissen ja nun, wie lange es dauert, bis wir ein Album fertig haben…

War es im Nachhinein betrachtet eine gute Entscheidung, Anzüge als Bühnenoutfit zu wählen?
Man schwitzt schon ganz schön auf der Bühne! Aber wenn die Konzertbesucher bereit sind, ihr hart erspartes Geld für uns auszugeben, dann sollte man ihnen auch etwas bieten!

Zum Schluss will ich von euch noch einen Tipp haben, wie man sich denn am Besten seelisch und körperlich auf ein Fran San Disco Konzert vorbereitet?!
Die Muskeln gut dehnen, Meditieren, auf die Ernährung achten, eine Stunde vorher nichts essen und genügend Flüssigkeit zu sich nehmen… Blödsinn, einfach hinkommen, Spaß haben und abgehen! Das mit der Flüssigkeit ist aber ernst gemeint!

Vielen Dank für das Interview!

Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist, kann sich Fran San Disco am 22.10.2015 im Wiener Chelsea anschauen.

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Robert Ziffer-Teschenbruck
"Über Musik schreiben ist wie zu Architektur tanzen" (Marcus Wiebusch)
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