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Bernhard Eder – TAG Wien

Bernhard Eder – TAG Wien

Hattet ihr auch als Kind einen Teddybären, den ihr von allen Stofftieren am liebsten hattet, obwohl er ständig bloß traurig aus der Wäsche blickt? Ähnlich verhält es sich mit Bernhard Eder und seinen Songs, die er am 16. März 2015 im TAG in der Gumpendorfer Straße präsentierte.

Denn überbordende Lebenslust ist nicht so seine Sache.Vorwurfsvoller Schwermut, gepaart mit bitteren Enttäuschungen, die das Leben für einen bereithält, durchziehen all seine veröffentlichten Alben. Obwohl auf Album Nummer Fünf namens Nonsleeper der Schluchzfaktor bei Weitem geringer ist als bei seinen Vorgängern, ist man trotzdem geneigt, sich mit einer Tasse Tee mit Rum unter die Bettdecke zu verkriechen und ein wenig nachdenklich zu werden. Ab und an ist dies genau das Richtige.

Die Präsentation seines neuesten Albums zelebrierte Eder, wie bei seiner vorigen Release Show, im TAG. Ein Theater, groß genug für 130 Sitzplätze und eine Band. Eine ungewöhnliche und doch ungemein passende Location für Eders CD-Präsentation – war doch der gesamte Abend fast wie ein Bühnenstück durchinszeniert.

Bernhard Eder - Live - TAG - by Bernhard Luis Pasching (3)

@ Bernhard Luis Pasching

Als Mitmusiker bat Bernhard Eder die Crème de la Crème der heimischen Indieszene mit auf die Bühne. Man erkannte Marlene Lacherstorfer am Bass (Velojet), Julian Schneeberger an der Gitarre (Garish, Bo Candy And His Broken Hearts), Markus Perner am Schlagwerk (Garish, Thees Uhlmann), Ryan Thomas Carpenter am Pianino und an den Keys (Nowhere Train, Ian Fisher & The Present) und Judith Anastasia Prolo an der Violine (Fräulein Hona).

Ungemein stimmungsvoll und wohlklingend präsentierte Bernhard Eder Auszüge aus seinem frisch releasten Album, gemeinsam mit einem Best Of seiner vergangenen Werke. Perfekter sechsstimmiger Gesang gepaart mit äußerst dynamisch umgesetzten Arrangements, die stets ans Limit der hauseigenen Beschallungsanlage stießen, fesselten die Hörerschaft. Kaum ein falscher Ton war an diesem Abend zu Hören.

Mit seinen launigen Ansagen setzte er flapsige Kontrapunkte zur Tiefe seiner Songs. Fast wie ein Entertainer spielte Bernhard Eder mit dem Publikum, lehnte lasziv am Klavier, kokettierte mit den Zuhörern und schritt durch den Saal, soweit das Mikrofonkabel es zuließ. Sein stetes Spiel mit der eigenen sympathisch-machenden Unbeholfenheit manifestierte sich auch an seiner gewählten Kleidung. Eine blassgelbe Hose im Ensemble mit einem Leibchen der russischen Marine erinnerten mehr an die weggelegte Kleidung des großen Bruders als an ein fancy Bühnenoutfit.

Ein obligatorischer Unplugged-Teil zog die Band gegen Ende des Sets an die Bühnenvorderkante und auch ein Duett zum Song In Confidence durfte nicht fehlen.

Ich bin der Kuschelbär aus Wien

, meinte Bernhard Eder als Abschluss seiner gelungenen CD-Präsentation. Man ist geneigt ihm recht zu geben und freut sich schon auf seine Tasse Tee mit Rum unter der heimeligen, schützenden Bettdecke.

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Luis Pasching
äähm, mir ist grad ein bisi schlecht
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