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Chibi-Robo! Zip Lash im Test

Chibi-Robo! Zip Lash im Test

Wenn Kinofilme uns eines gelehrt haben, dann, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis Aliens uns heimsuchen würden, mit der Absicht unsere natürlichen (und weniger natürlichen) Ressourcen an sich zu reißen. In Chibi-Robo! Zip Lash ist der Tag gekommen und die Bedrohung aus dem All hat es unter anderem auf unsere Süßigkeiten und Snacks abgesehen! Doch zum Glück gibt es einen kleinen Helden, der zwischen uns und der Gefahr einer gesunden Ernährung steht…

Achten Sie auf die Marke!

Die Ausgangssituation von Chibi-Robo! Zip Lash ist simpel, unspektakulär und für das Geschehen im weitesten Sinne irrelevant. Wie man es von Jump ’n‘ Runs eben gewohnt ist. Wie schon bei den Kollegen Mario, Kirby und Kong ist die Geschichte auch hier überwiegend Motivation einen putzigen Helden quer über die Welt zu hetzen. Diesmal sogar tatsächlich, denn die sechs Welten, mit ihren je sechs Leveln plus Bosskampf, orientieren sich an den Kontinenten unserer Erde. Wobei im Level selbst nur sehr lose Verknüpfungen ersichtlich sind und die Variation im Design der Level überschaubar bleibt.

So unbedeutend die Handlung sein mag, so sehr kann man ihr jedoch einen gewissen Charme nicht absprechen. Es ist unsinnig, aber zwischen dem fiesen Kichern der immer wieder vorkommenden Aliens oder dem Umstand, dass unser Chibi-Robo jeden Erfolg mit Posen und Tänzen feiert, muss man doch immer wieder schmunzeln. Für einen Titel, der doch eher ein jüngeres Publikum anspricht – eindeutig mehr Kirby als Donkey Kong – ist das mehr als ausreichend.

Einfach der Markierung folgen: Nicht nur Haftflächen sind farblich hervorgehoben, auch der perfekte Punkt um abzuprallen.

Einfach der Markierung folgen: Nicht nur Haftflächen sind farblich hervorgehoben, auch der perfekte Punkt um abzuprallen.

Ein Aspekt des Geschehens, der jedoch besonders hervorgehoben werden muss – das Spiel selbst warnt bei Beginn sogar vor seiner Präsenz – ist die vermeintliche Werbung. In jeder Welt kann man einem anderen Spielzeug begegnen, welches sich nach Snacks und Süßigkeiten sehnt, wie man sie vor den Aliens retten kann. Diese Snacks sind jedoch nicht irgendwelche erfundenen Knabbereien, sondern tatsächliche Markenprodukte. In der Praxis ist dies weit nicht so negativ wie man glauben mag, denn auch wenn man zweifellos mit Werbung zu tun hat, so verleiht es dem Spiel einen gewissen Hauch von Realität, die Welt wirkt umso mehr wie unsere eigene und darüber hinaus muss man bedenken, dass die absolute Mehrheit der vorkommenden Süßigkeiten und Snacks ausschließlich in Japan erhältlich sind. Damit sind sie für das hiesige Publikum weniger Werbung für Produkte die man mal eben kaufen kann, als vielmehr ein Einblick in die leckere Seite des japanischen Alltags – was weitaus interessanter ist, als man denken mag.

Kleiner Robo, ganz groß?

Ähnlich wie die Geschichte, ist auch das Gameplay nichts allzu Ungewöhnliches, dafür jedoch grundsolide. Wenn es um Jump ’n‘ Runs geht, weiß man im Haus Nintendo eben was man macht. Wie in so vielen (quasi-)zweidimensionalen Vertretern des Genres geht es auch hier darum ein Level mit genauen Sprüngen zu durchqueren, nebenbei ein paar Gegner zu besiegen, vielleicht einige Sammlerstücke einzusacken und während man sich von Level zu Level und Welt zu Welt arbeitet, obendrein noch ein paar Bosse zu bezwingen. Das ist im Endeffekt auch schon alles, doch bringt Chibi-Robo! Zip Lash ein paar Eigenheiten mit sich, die sowohl die besten Momente des Spieles, als auch die größten Probleme zur Folge haben.

Chibi-Robos primäre Art Gegner zu bekämpfen (auch wenn ein Sprung auf den Kopf die meisten von ihnen zumindest ins Wanken bringt) ist mit einem Kabel, welches gleichzeitig auch die wichtigste Art der Fortbewegung ist, da der Stecker an bestimmten Flächen haften kann und man sich so über Abhänge ziehen oder wie Tarzan hinwegschwingen kann. Gerade dann, wenn man diese Fähigkeiten ausreizen muss, wenn es heißt schwingen-schwingen-sprung-haften-ziehen in kürzester Zeit weil man sonst in den Tod fällt, oder man mit einem Rätsel konfrontiert ist, in dem das Kabel von Wand zu Wand abprallen muss und so um Ecken manövriert gehört, dann mausert sich das Spiel zu einem richtigen Meisterwerk. Gut ist, dass man solche Momente mindestens einmal pro Level hat. Blöd nur, dass einem die Probleme fast im Sekundentakt auffallen.

Fahrzeuglevel zählen zu den absoluten Höhepunkten in Chibi-Robo! Zip Lash.

Fahrzeuglevel zählen zu den absoluten Höhepunkten in Chibi-Robo! Zip Lash.

So hat man zwei Arten des Kabel zu schleudern im Spiel: den Schnellwurf und den Power-Wurf. Beide erfüllen ihren Zweck. Den Schnellwurf kann man sofort durchführen, allerdings ist er sehr schwach und kann lediglich nach vorne oder schräg nach oben durchgeführt werden, nie direkt nach oben. Genaues Zielen, sowie das Abprallen von Wänden, ist nur mit dem stärkeren Power-Wurf möglich, der jedoch sehr lange zum Aufladen braucht. Fakt ist leider, dass über große Teile des Spiels der Power-Wurf die einzig zielführende Option ist und die lange Aufladezeit raubt dem Gameplay jegliche Dynamik. Wo man eben noch voller Begeisterung mit dem Schnellwurf Gegner zerlegt und sich durch die Luft schwingt, kommt das Spiel plötzlich zum totalen Stillstand, da man erst einmal anhalten und den Power-Wurf aufladen muss. Auf dem Papier harmlos, ist man nach ein paar Leveln am Stück bald genervt. Der Schnellwurf ist da die bessere Alternative, hier braucht es jedoch sehr lange bis man sich daran gewöhnt hat, dass ein Angriff nach oben immer – IMMER – schräg nach vorne schlägt und nie senkrecht nach oben.

Auch die Art wie man von Stage zu Stage vorankommt lässt zu wünschen übrig. Anders als bei anderen Titeln, wo man entweder gleich alle Level einer Welt auswählen kann oder einfach eines nach dem anderen spielt, muss man hier mit einem Roulette die Anzahl der Schritte, die man in der jeweiligen Welt macht, erdrehen. Landet man danach auf einem Level, das man schon abgeschlossen hat, muss man dieses erneut spielen. Erst nachdem der Boss der jeweiligen Welt besiegt ist, können die Level einzeln ausgewählt werden. Der Fairness wegen muss jedoch gesagt sein, dass es ein leichtes ist bei jedem Dreh auf eine 1 zu kommen. Damit ist das Reiseroulette weniger mühsam, als es eher vollkommen überflüssig ist.

Überflüssig beschreibt generell einige Aspekte ganz gut. Da das Spiel alles in allem eher einfach gehalten ist, mangelt es einem an wenig. Statt Extraleben gilt es Watt zu verdienen indem man innerhalb der Level Müll sammelt und diesen im eigenen Schiff verbrennt. Kein Problem, da mehr als genug Gegner Abfälle zurücklassen. Für bestimmte Passagen muss das Kabel eine gewisse Länge erreicht haben. Diese wird jedoch mit jedem Level zurückgesetzt und es gilt Items zu sammeln, welche das Kabel wachsen lassen. Davon gibt es aber so viele, dass man bald die maximale Länge erreicht hat. Es heißt Geld zu sammeln, damit man sich Ersatzbatterien und Rettungsdüsen holen kann, die einem vor einem Mangel an Strom oder bedrohlichen Stürzen retten. Wie praktisch, dass man nach zwei, drei Stages schon genug Geld für das gesamte Spiel gesammelt hat.

Für Kinder gut geeignet, erfahrenere Zockerherzen könnten sich in Angesicht des niedrigen Schwierigkeitsgrades jedoch unterfordert fühlen. Glücklicherweise verfügt das Spiel nicht nur über die bereits erwähnten, ebenso kreativen wie spaßigen Gameplayelemente, sondern auch über einige Spitzen im Schwierigkeitsgrades. Diese kommen etwa dann wenn das Timing stimmen muss und man eines der diversen Power-Ups einsetzen darf – von denen es zwar nicht extrem viele gibt, wenn sie jedoch auftauchen, machen sie enorm viel Spaß. Ähnlich ist es mit den Fahrzeugleveln. U-Boot, Ballon, Skateboard, Wakeboard, Chibi-Robo schmeißt sich auf eine Vielzahl von Vehikeln und wirft dabei das bisherige Gameplay über den Haufen. Das sorgt für massig Abwechslung und während manche dieser Passagen sich viel Zeit lassen (das U-Boot Level ist besonders langsam, doch stört es hierbei weit weniger, da es zum Inhalt der Stage passt), bekommen wir auch die temporeichsten und vielleicht sogar besten Level des gesamten Spieles auf diesem Weg.

Im Norden Afrikas: Nirgends wird so deutlich in welchem Teil der Welt man sich befindet, als bei den Bosskämpfen.

Im Norden Afrikas: Nirgends wird so deutlich in welchem Teil der Welt man sich befindet, als bei den Bosskämpfen.

Für ihre eigenen (kleinen) Hürden sowie nochmal eine Dosis Vielfalt sorgen die Bosskämpfe. Hier bekommt man das, was man aus anderen Nintendotiteln kennt – unterschiedlichst aufgebaute Kämpfe, bei denen man die Schwachstellen des Feindes herausfinden muss.

Es ist diese Vielfalt exzellent eingebauter Ideen, sowie die streckenweise fabelhafte Art und Weise auf die man Chibi-Robos Kabel nutzen kann, die Chibi-Robo! Zip Lash trotz seiner Probleme zu einem äußerst gelungenem Titel machen, der auch Leuten mit mehr Routine, die darin keine Herausforderung mehr sehen werden, zumindest noch Spaß machen kann.

So muss Technik?

Visuell bietet Chibi-Robo! Zip Lash viel, das durchaus gefallen, aber wenig, das wirklich zu begeistern vermag. Es ist ein relativ hübsches Spiel, mit einem ungemein putzigen Hauptcharakter, toll designten Bösewichten und einem überraschend guten 3D Effekt. Darüber hinaus sind die Level überwiegend jedoch ein unspektakulärer Einheitsbrei, Abwechslung gibt es nur von Welt zu Welt und selbst dann beschränkt sich diese meist darauf dass der Hintergrund statt grünem Gras nun blaues Wasser ist (außerdem begibt man sich früher oder später immer wieder in Gebäude hinein, die, egal in welcher der Welten man sich befindet, alle gleich aussehen). So gleicht sich das aus, relativ fade Hintergründe werden durch solides 3D und hübsche Charaktere aufgehoben. Was das Spiel weiters noch rettet sind einige ansprechende Details, wie die Aliens, welche sich im Hintergrund der Level verstecken und einen dabei beobachten wie man sich quer durch die Welt kämpft, und ein gelungener Soundtrack, der vielleicht ein wenig unspektakulär ist, aber das Geschehen perfekt untermalt. Das Fazit welches man hier ziehen kann ist und bleibt damit, dass Chibi-Robo! Zip Lash in Summe nicht besonders negativ auffällt, sich aber eben auch nicht mit Ruhm bekleckert.

Amiiboception: Der Amiibo ermöglicht das Sammeln von Figuren - wie dem Chibi-Robo Amiibo selbst - auch im Spiel.

Amiiboception: Der Amiibo ermöglicht das Sammeln von Figuren – wie dem Chibi-Robo Amiibo selbst – auch im Spiel.

Das könnte man so stehen lassen, aber die Unterstützung des ja nach Version mitgelieferten Amiibo darf natürlich nicht ignoriert werden. Der vermeintlich größte Nutzen den der Amiibo bringt, ist eine Verwandlung Chibi-Robos in Super Chibi-Robo. Keineswegs schlecht, aber da der Schwierigkeitsgrad ohnehin nicht allzu harsch ausfällt, hat man (nach einem ersten Testlauf) nicht mehr allzu viel davon. Mehr Spaß, vor allem langfristig, bringt da die Option der Sammelleidenschaft freien Lauf zu lassen, denn hat man erst den Amiibo eingesetzt, erhält man Zugang zu einem Automaten, mit dem man auch innerhalb des Spieles Figuren erhalten kann. Dies gilt übrigens auch für andere Amiibo (ein Mario Amiibo etwa kann eine Chibi-Robo Figur in Mario-Pose freischalten), welche darüber hinaus auch noch täglich ein paar Münzen abwerfen. Das Gemeine beim Anhäufen der virtuellen Figürchen ist, dass manche von diesen besonders selten sind, eine vollständige Sammlung kann also durchaus lange auf sich warten lassen. Wer die Trophäen in Super Smash Bros. schon mochte, wird mit dieser Option sicherlich glücklich werden. Wer damit nichts anfangen kann, wird allerdings kaum Verwendung für Nintendos Figuren haben und kann sich den Chibi-Robo Amiibo genauso gut ins Regal stellen. Wunderschön verarbeitet ist das kleine, praktisch lebensgroße Ding auf jeden Fall und auch von der Integration ins Gameplay losgelöst eine Empfehlung.

Weil ich es mir wert bin

Ein Aspekt der unbedingt noch angeschnitten gehört im Fall von Chibi-Robo! Zip Lash ist das Preis-Leistungs-Verhältnis und die Frage wie weit dieses ein Fazit im Endeffekt beeinflussen soll. Chibi-Robo! Zip Lash kann man für den handelsüblichen Preis eines 3DS Titels kaufen, 40€-45€, meist ein wenig günstiger, wenn man Preise vergleicht. Dies gilt allerdings nur für die Variante mit dem Amiibo. Das Spiel ist demnach eigentlich ein günstigerer Titel, wie auch der Preis von 29,99€ im Nintendo eShop zeigt – und das für ein vollwertiges Spiel, welches nicht schneller durchgespielt ist, als die meisten Ableger von, beispielsweise, Kirby. Durch den Amiibo erhält der geneigte Sammler nochmal eine Ecke Zusatzmotivation und vor allem eine sehr schöne Figur für das Regal und erst dadurch steigt der Preis des Spiels im Handel. Im Endeffekt muss man also offen zugeben: Nintendo, vielleicht im Bewusstsein, dass es sich bei Chibi-Robo um eine Figur handelt, die nur eine gewisse Nische anspricht und weit nicht so populär ist, wie andere Nintendo Franchises, verkauft das Spiel günstiger, als sie könnten, merklich sogar. Darf so etwas die Wertung beeinflussen? Eigentlich nicht und es wird im Kontext dieses Reviews auch nicht geschehen. Fans von Nintendos Ministatuen sowie Figuren im allgemeinen können am Ende gerne einen Punkt ergänzen, wenn sie vorhaben sich das Amiibo-Bundle zu besorgen. Die exzellente Verarbeitung der Figur sowie die Freischaltung zusätzlicher Collectibles, immer noch zum gängigen Preis eines 3DS-Spiels, sollen zumindest soweit anerkannt werden.

Fazit

Hier wurde nun einiges über Nintendos kleinsten Helden und sein neues Abenteuer gesagt, aber bei so vielen Punkten die man als Pro und Kontra auslegen kann, womit steht man am Ende da? Mit einem sehr guten, wenn auch sehr einfachem Jump ’n‘ Run, welches einige grandiose Ideen und Gameplaypassagen mit teilweise ernüchternden Einfällen kombiniert. Auch wenn dem Tempo durch den zu langsamen Power-Wurf regelmäßig geschadet wird und das Reiseroulette bestenfalls unnötig und schlimmstenfalls lästig ist, zu oft erwischt man sich dabei, wie man einfach nur wirklich viel Spaß hat wenn man sich durch die Level kämpft. Man tut nicht schlecht daran sich genauer zu überlegen ob man zugreifen will, da das Spiel aber ohnehin günstiger ist (oder man einen der hübscheren Amiibo dazubekommt, je nachdem welche Version man sich zulegt), kann man das Risiko auch eher eingehen.

Vor allem für Jump ’n‘ Run Fans die all die anderen Hits schon lange durchgespielt haben und sich an dem niedrigeren Schwierigkeitsgrad nicht stören kann Chibi-Robo! Zip Lash der Retter sein, der sie durch den Winter bringt. Wer aber ohnehin noch ein paar Marios offen und an Sammelfiguren sowieso kein Interesse hat, der ist an anderer Stelle wahrscheinlich besser bedient.

7punkte

Release Date: 6.11.2015
Plattform: 3DS
Genre: Jump ’n‘ Run
Publisher: Nintendo
Entwickler: skip, Vanpool
PEGI: 7

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