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Coasts: „Wir waren in der Minderheit.“

Coasts: „Wir waren in der Minderheit.“

Im Rahmen des Waves Festivals hatten wir die Chance, zwei Bands zu interviewen, die es 2016 vermutlich weit bringen werden. So schleppten wir uns am Freitagmorgen, nach der ersten durchtanzten Nacht, ins 25hours Hotel und trafen als ersten Interviewpartner die britische Indie Band Coasts (Facebook). Nachdem die fünf Bandmitglieder so unglaublich sympathisch waren und wir uns noch ewig hätten unterhalten können, war die Müdigkeit wie weggeblasen und – nach einem sündhaft teuren Cappuccino in der Bar – die Motivation für den zweiten Tag des Festivals wieder da.

Was die Musik von Coasts ausmacht, warum England die EM vermutlich nicht gewinnen wird und noch viel mehr über König Fußball könnt ihr hier nachlesen. Und außerdem dann nächstes Jahr, wenn sie den internationalen Durchbruch feiern, all euren Freunden erzählen, dass ihr schon 2015 auf enemy.at von dieser großartigen Band erfahren habt!

Hallo und Willkommen in Wien. Seid ihr zum ersten Mal in Österreich? Und hattet ihr schon Zeit, etwas von der Stadt zu sehen?
James:
Ja, es ist unser erstes Mal in Österreich. Wir haben nur ganz wenig von der Stadt gesehen, nur dieses eine Gebäude, ich weiß nicht mehr genau, wie es heißt – ein großer, weißer Dom.

Ich glaube, ihr sprecht von der Karlskirche.
Chris: 
Oh ja, genau. Aber sonst haben wir noch nicht viel gesehen, nur im Porgy & Bess waren wir schon gestern Abend.

Das wollte ich euch sowieso fragen, ich habe dich dort gesehen, Chris. Habt ihr Oddisee gesehen?
Chris: 
Ja, es war so gut, die Musik war super und der Sound war sehr gut.

Wie ihr gestern vielleicht schon gesehen habt, lieben es die Österreicher zu tanzen und man fühlt meistens viel Energie bei Liveshows. Aber was können sich die Besucher von einem Coasts-Gig erwarten?
Ben: 
Genau das Gleiche. Wir geben 100 Prozent auf der Bühne und haben sehr viel Spaß bei unseren Konzerten. Hoffentlich überträgt sich das auf das Publikum und es hat genauso viel Spaß.
Chris: Wir wollen eine gute Zeit auf der Bühne haben und Songs schreiben, die wir gerne hören, um andere Menschen mit unserer Begeisterung anzustecken.

Ich habe in einem eurer Interviews gelesen, dass das Leben auf Tour das Beste am Leben in einer Band ist. Würdet ihr noch immer sagen, dass das so ist? Ist es nicht stressig, so viel herumzutouren?
Dave: 
Nein, wir haben einen super Tourmanager, der alles punktgenau organisiert. Früher war es viel stressiger als heute. Am Anfang hatten wir einen Freund, der zwar alles organisiert hat, aber eigentlich kaum wusste, was was zu tun ist. Jetzt läuft alles viel geschmierter.
Liam: Die ersten drei Male, wo wir in Europa getourt sind, sind wir selbst im Van gefahren und haben in kleinen Venues gespielt und sind dann wieder zurückgefahren. Das war auch großartig, aber es ist jetzt angenehmer.

Ihr beschreibt eure Musik oft als tropisch und ich denke, dass Trop-Pop mit einem kleinen Einfluss von Disco es wirklich gut trifft. Wie ist es möglich, wenn man aus einem Land wie England kommt, wo es ständig regnet und Nebel Normalität ist, solche Musik zu machen?
James: 
Wir haben das gebraucht, sonst wären wir verrückt geworden. Wenn man in England lebt, dann sind der Karneval und karibische Vibes eine Flucht aus der Realität des Alltags.
Ben: Ich bin der Drummer und ich liebe Sachen wie Calypso, Soul und Samba Drumming, aber das funktioniert irgendwie nicht auf dem westlichen Markt. Deshalb möchte ich das ein wenig zurückbringen in unsere Musik.
Chris: Bristol hat ein karibisches Feeling. Wenn du Die Schatzinsel gelesen hast, dann erfährst du, dass Bristol der Hafen war, von wo die Seefahrer nach Amerika aufgebrochen sind. Es gibt also eine große karibische Community. Das hatte sicher Einfluss auf unser eigenes Songwriting.

 

Ich habe gelesen, dass ihr große Fußballfans seid. Jetzt ist euer Song Tonight auf dem Soundtrack von FIFA 16 vertreten. Ist euer großer Traum nun wahr geworden?
James: 
Ja, wir haben den Höhepunkt erreicht, wir können jetzt aufhören! (alle lachen) Wir sind alle aufgewachsen mit FIFA. Als ich 8 war, habe ich FIFA 96 zu Weihnachten bekommen und der Zyklus ist 2016 nun komplett.

Die FIFA Reihe hat auch immer großartige Soundtracks und es ist sicher hilfreich für euch, wenn 2016 alle Kids beim FIFA Spielen Coasts hören…
Dave: 
Als ich jünger war und FIFA 98 gespielt habe, habe ich sogar damals schon gedacht, dass die Musik großartig ist. Und jetzt ist es wirklich wunderbar, ein Teil dieses Soundtracks zu sein!

Österreich war lange nicht wirklich ein großes Fußballland, aber im Moment spielen wir ziemlich gut und haben uns zum ersten Mal für die EM qualifiziert. Sollte es ein Match gegen England geben, wie wird es ausgehen?
James: 
Österreich wird vermutlich gewinnen, vielleicht ein Unentschieden. Oder nein, wir werden ein Tor schießen und dann in der zweiten Halbzeit nur verteidigen. Also 1:0.
Chris: Wir haben gestern ein paar Kids gesehen beim Fußballspielen im Park und die waren viel besser als die Jugendlichen in England. Eigentlich hätten wir ein Interview geben sollen, aber es war lustiger, ihnen zuzusehen und ihnen eine Taktik zuzurufen.

Wie stehen die Chancen, dass England die EM gewinnt?
Chris: 
Null, keine Chance. Hast du sie schon einmal spielen gesehen?

Ja, ich bin Fan vom Englischen Team und es hat mich wirklich traurig gemacht, ihnen bei der letzten WM zuzusehen. Was ist passiert?
Ben: 
Das Problem ist, dass die meisten Leute aus England so niedrige Erwartungen haben. Die Mannschaft ist einfach nicht gut genug am Ball, die Spieler haben nicht das nötige Selbstvertrauen.

Ich habe das Gefühl, dass die Engländer ohnehin die Premier League als viel wichtiger ansehen als das Nationalteam.
James: 
Ja, auf jeden Fall. Es ist mir egal, was das Nationalteam macht. Bei der EM 1996 haben wir das Halbfinale verloren und das hat Dave das Herz gebrochen.
Dave: Ja, seitdem habe ich kein einziges England Spiel mehr gesehen. Nur noch Liverpool.
Liam: Wobei das auch nicht sehr viel besser läuft! (alle lachen)

 

coasts-interview-2015-1

Zurück zur Musik: Ihr habt sehr viele EPs veröffentlicht, aber im Jänner kommt euer erstes Album. Warum habt ihr euch so lange mit dem Album Zeit gelassen? Wollt ihr eure Musik quasi noch ofenfrisch herausbringen?
Dave: 
Wir wollen einfach, dass so viele Leute wie möglich unsere Songs hören. Wenn wir unser Album schon herausgebracht hätten, hätten es ein paar gekauft, aber wir möchten, dass uns so viele Leute wie möglich kennen. Es braucht Zeit, um seinen Namen unter die Leute zu bringen.

Ihr habt in der BBC Live Lounge ein wunderbares Cover von Glitterball und Hold Back The River gespielt. Wenn ihr jetzt einen Song covern müsstet, was würdet ihr gerne machen?
Alle gemeinsam: 
Vermutlich BlackstreetNo Diggity.

 

In euren Musikvideos transportiert ihr sehr viele Emotionen und Energie. Wie wichtig ist für euch die Kombination von bewegten Bildern und Ton?
Ben: 
Es ist sehr schwierig, Videos richtig zu machen. Wir haben so viele furchtbare Musikvideos gesehen, die den Song ruiniert haben. Aber dann gibt es auch so viele Videos, die besser sind als das Lied selbst und das führt dazu, dass man dann den Song auch mehr schätzt.
Dave: Wenn man den richtigen Regisseur findet, der seinen eigenen Weg geht, dann kann es absolut spektakulär werden. Aber wenn man – wie wir – eine sehr enge Beziehung mit dem Song hat, dann ist es schwierig, weil es schwierig wird, etwas Aufregendes für das Video zu entwerfen. Wir haben eine ungefähre Idee, wie wir das Video wollen, aber man muss anderen Menschen vertrauen können.
James: Als wir angefangen haben, haben wir alle Videos selbst gemacht und das erste Video war furchtbar. Wir haben dafür tausende Leuchtstäbchen gekauft, die im Endeffekt überall rumgelegen sind. Es war aber immerhin eine gute Nacht.

Welche Musik hört ihr im Van im Moment?
Chris: 
Sehr viel Hip-Hop und R’n’B. Das neue Album von The Weeknd zum Beispiel, Kwabs, Bring Me The Horizon. Eigentlich alles, was neu ist. Wir mögen so viel verschiedene Musik und deshalb probieren wir alles aus. Sobald es releast ist, hören wir rein.

Kennt ihr irgendwelche österreichischen Bands?
Liam: 
Hmm, kommt Robin Schulz aus Österreich oder Deutschland?

Deutschland.
Chris: 
Okay, dann nein, sorry. Singen die Bands in Deutsch oder Englisch?

Manche in Deutsch, manche in Englisch.
James: 
Es ist sehr schwierig in England, weil der Markt sehr geschlossen ist. Es ist nicht fair, dass Bands aus dem Ausland oft keine Chance bekommen. Aber wir fühlen uns sehr privilegiert, dass wir aus einem Land kommen, wo jeder in Musik interessiert ist.

Ihr könnt eigentlich froh sein, besonders in Bristol, weil die Musikszene dort ja sehr lebendig ist.
Ben: 
Als wir in Bristol angefangen haben, waren wir überrascht, dass es eigentlich keine Indie Bands gegeben hat. Wir waren mit unserer Musik ganz klar in der Minderheit in der Szene.

Okay und meine letzte Frage: Warum sollten sich die Festivalbesucher heute Abend Coasts ansehen?
Chris: 
Weil sie unglaublich viel Spaß haben werden. Und ich glaube, dass sonst heute Abend keine Band spielt. (alle lachen) Wir werden eine gute Zeit haben und eine gute Liveshow auf die Bühne bringen.

Das klingt überzeugend. Vielen Dank für das Interview und bis heute Abend!

Photos: (C) Yavuz Odabas

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