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Das war die Oscar Verleihung 2015

Das war die Oscar Verleihung 2015

I can’t believe it. Jetzt schreibe ich schon wieder über die Oscar Verleihung. Mein Bericht vom letzten Jahr war durchtränkt mit Kaffee, Pharrell Williams Lobeshymnen und eher enttäuschenden Musikacts. Ich bin schon gespannt, was die Academy Awards dieses Jahr zu bieten haben. Für die Nachlesenden, hier eine kleine Einführung:

Warum heißt der Oscar eigentlich so?

In der englischsprachigen Welt ist die Verleihung auch bekannt als Academy Award of Merit, so auch der hochoffizielle Name. Das klingt aber etwas umständlich und deshalb steht in den Geschichtsbüchern der Veranstaltung, dass schon seit dem Jahr 1931 der Spitzname „Oscar“ verwendet wird. Wer aber der genaue Namensgeber ist, weiß keiner so genau. Vier verschiedene Theorien werden aber häufig genannt:

1. Die Sekretärin war’s: Margaret Herrick, ehemalige Vorstandssekretärin, soll beim Anblick der Statue gesagt haben: „Der sieht ja aus wie mein Onkel Oscar!“
2. Die Schauspielerin war’s: Bette Davis, amerikanische Schauspielerin, soll immer wieder betont haben, dass die Statue sie an ihren ersten Mann erinnere.
3. Der Filmkolumnist war’s: Sidney Skolsky behauptete, der Namensgeber gewesen zu sein.
4. Walt Disney war’s: Als die Akademie der Trophäe einen Namen geben wollte, sei Oscar einer der Vorschläge gewesen. Walt Disney glaubte, dass dies bereits der offizielle Name sei, und habe sich bei der Verleihung 1932 für seinen „Oscar“ bedankt.

Wie dem auch sei, fokussieren wir auf die diesjährige Verleihung: Zum 87. Mal werden am 22. Februar 24 kleine Oscars in mehr oder weniger wichtigen Kategorien vergeben. Gastgeber ist kein geringerer als How I Met Your Mother-Legende Neil Patrick Harris. Freunde von Overstatement, Einhörnern und Regenbögen dürfen deshalb super-excited sein, denn bei der Verleihung der Tony Awards 2013 (Theater- und Musicalpreis) hat ebendieser eine grandiose Opening-Nummer aufs Parkett gezaubert:

So, genug Information, alle weiteren Infos finden Interessierte ohnehin im Internet. Ich schlaf jetzt noch ein wenig vor, heiz die Kaffeemaschine an und bete, dass der Livestream funktioniert.

Gossip vom Roten Teppich

Es ist jetzt 00:13 und ich hab es endlich geschafft, den abc-Stream zum Laufen zu bringen. Hoffentlich bleibt das auch so. Wir befinden uns live auf dem Red Carpet, wo es regnet und ich warte gespannt auf meine ersten Stars. Im Standard Liveticker herrscht bereits beste Stimmung, Conchita Wurst wird gefeiert und allerlei mögliche neue Filmnamen für sie kreiert.

Einen meiner ersten Red Carpet Momente erlebe ich mit Dakota Johnson, eventuell besser bekannt als Anastasia Steele aus 50 Shades of Grey. Das fühlt sich ein bisschen falsch an, nachdem die Nominierten dieses Jahr doch sehr hochqualitative Filme sind. Wenigstens kommt gleich danach ein Interview mit Marion Cotillard, die einzige fremdsprachige Schauspielerin, die für einen Oscar als beste Hauptdarstellerin nominiert ist.

Kurz darauf kommt endlich der Mann mit der besten Stimme der Welt: Benedict Cumberbatch, der Alan Turing in The Imitation Game so großartig spielt. Für den Oscar wird es vermutlich nicht reichen, aber man muss diesen Briten einfach lieben. Noch 40 Minuten, bis das Spektakel am Teppich vorbei ist. Das Gartenbaukino postet auf Twitter schon Bilder vom Frühstücksbuffet. Ich bin neidisch. Der Stream stürzt laufend ab.

Taya Kyle, die Witwe von dem besten Sniper des US-Militärs, Chris Kyle, ist auch anwesend, weil Clint Eastwood dessen Lebensgeschichte in American Sniper verfilmt hat. Man mag hier auf keinen Fall pietätlos sein, aber ich hoffe wirklich, dass dieser Film keinen Oscar gewinnt. So tragisch es auch ist, dass Chris Kyle erschossen wurde, rechtfertigt sein Tod nicht die Geschichte, wie sie im Film erzählt wird. An dieser Stelle soll nicht gespoilert werden, aber meiner Meinung nach verharmlost Eastwood die Geschichte eines Mannes, die so sicher nicht hätte erzählt werden sollen. Bradley Cooper spielt aber trotzdem ganz gut, muss man fairerweise anmerken, nachdem er gerade beim Interview steht.

Die Verleihung

Lange dauert es nun wirklich nicht mehr bis zum Beginn der Veranstaltung und ich bin aufgeregt. Chris Evans hat auf die Frage, was er zum Moderator des Abends sagt, geantwortet: „We are going to see a Show.“ Hoffentlich hat er recht, die Türen zum Theater schließen sich bald und Neil Patrick Harris wird sie eröffnen, die 87. Academy Awards. Zum ersten Mal habe ich bereits vor den Oscars alle Filme gesehen, die für die wichtigen Kategorien nominiert sind und ich kann mich auf keinen Favoriten festlegen. Boyhood, Birdman, Whiplash, The Theory of Everything, The Imitation Game – alles großartige Filme, die ein riesiges Spektrum abdecken. Mein geheimer Favorit ist vielleicht Boyhood, aber möglich ist alles.

Rasch wird der erste Oscar an den Mann gebracht: Bester Nebendarsteller. Großer Favorit in dieser Kategorie ist J.K. Simmons für seine Rolle in Whiplash, der diesen Oscar hochverdient gewinnt. Glücklicherweise ergibt sich bald die erste Gelegenheit, die Kaffeetasse neu zu füllen: Maroon 5 performen. Und – was noch viel schlimmer ist – Frontmann Adam Levine ist sogar für einen Oscar nominiert, für den Song Lost Stars aus dem Film Begin Again. Soviel zur Qualität der nominierten Songs.

Den nächsten Oscar darf ein Film entgegennehmen, der sich im Laufe des Abends noch über einige weitere Statuen freuen dürfen wird: The Grand Budapest Hotel von Wes Anderson schnappt sich den Preis in der Kategorie Kostümdesign. Auch in der Make-Up und Haar-Kategorie räumt das Hotel in Budapest ab, Sieg Nummer 2! Wir gehen in eine Werbepause. Host Harris ist bisher nur mäßig lustig, hoffentlich wird das noch besser.

Schlechte Livestreams und schräge Auftritte

Nicole Kidman und Chiwetel Ejiofor verleihen die Kategorie bester fremdsprachiger Film. Wie bereits im letzten Jahr ist der Livestream so schlecht, dass ich aus dem Ticker bereits den Gewinner weiß, bevor ich alle Nominierten im Schnelldurchlauf gesehen habe. Der polnische Film Ida darf sich über die begehrte Trophäe freuen.

Marion Cotillard kündigt Tegan & Sara an, die Everything Is Awesome aus The Lego Movie performen und den schrägsten Auftritt des Abends auf die Bühne bringen. Viele haben sich beschwert, dass der Film in keiner einzigen Kategorie außer dem besten Filmsong nominiert ist. Sie nehmen es aber mit Humor und verteilen Lego Oscars für alle.

Es mag nicht wirklich Stimmung aufkommen bei der Verleihung heute Nacht, sehr viele spannende Momente hat es noch nicht gegeben. Auch die Tatsache, dass Harris als Michael „Birdman“ Keaton in Unterhosen auf der Bühne steht, macht es nicht viel besser. Aber weiter im Programm: Whiplash gewinnt seinen zweiten Oscar in der Kategorie Ton. Das freut das Schlagzeugerherz in mir. Der Oscar für den besten Tonschnitt freut mich hingegen weniger, es ist der Erste für American Sniper. Auf Maschinengewehre ist beim Sound Editing offensichtlich Verlass.

Der Nebenrollenoscargewinner aus dem Vorjahr, Jared Leto, ehrt dieses Jahr die beste Nebendarstellerin. Hier kommt nun endlich der erste Oscar für Boyhood, Patricia Arquette packt die Trophäe hochverdient ein für ihre Darstellung der Mutter im Film. Bei den visuellen Effekten gewinnt Christopher Nolans Interstellar. Auch das freut mich sehr, denn meiner Meinung nach geht dieser Film ein wenig unter und hätte durchaus in mehr Kategorien nominiert sein können.

Leider kriecht die Verleihung noch immer ein wenig dahin, es gibt nicht viel Spannendes zu berichten. Goldene Statuen werden verliehen, Neil Patrick Harris wirkt nicht sehr entspannt.

Nach der Werbepause darf The Grand Budapest Hotel schon wieder feiern. Auch der Oscar für das beste Produktionsdesign geht an den Film. Birdman gewinnt nun auch endlich die erste Statue in der Kategorie Kamera. Das war ein Favoritensieg, Kameramann Lubezeki gibt den Zuschauern das beeindruckende Gefühl, dass sich der gesamte Film in einem einzigen Take entfaltet.

Den Oscar für die beste Dokumentation nimmt Citizenfour entgegen, ein Film über Edward Snowden. Es ist einerseits ein schönes Zeichen von der Academy, dass sie diesen Film auszeichnen und andererseits würdigt es das Werk von Snowden, Glenn Greenwald und Filmemacherin Laura Poitras. Neil Patrick Harris gelingt auch endlich mal ein treffender Seitenhieb: „Unfortunately, the subject of Citizenfour, Edward Snowden, couldn’t be here tonight for some treason.“

The Sound of Music

Den besten Filmsong gewinnt Glory für den Film Selma, der Momente davor gerade erst live auf der Bühne performt wurde und auch ein würdiger Gewinner für eine unglaublich schwach besetzte Songkategorie ist.

Darauf folgend kommen ein paar Minuten Österreichbezug: Zuerst singt Lady Gaga ein Medley über den Musicalfilm, den kein Österreicher gesehen hat, The Sound of Music und dann feiert The Grand Budapest Hotel den nächsten Oscar. Was hat der Film aber mit Österreich zu tun? Ganz einfach: Er wurde von Stefan Zweigs Buch „Die Welt von Gestern“ inspiriert.

Wir sind bei den richtig spannenden Kategorien angekommen und langsam habe ich Angst, dass mein Favorit, Boyhood, viel leerer ausgeht, als ich erhofft hatte. Birdman gewinnt in der Kategorie Bestes Originaldrehbuch. Damit schnappt sich der Film den zweiten Oscar des Abends in einer wichtigen Kategorie und ist ein heißer Anwärter auf Best Picture. Man darf gespannt bleiben.

Ben Affleck läutet die vier letzten Kategorien ein und überreicht den Award für den besten Regisseur an Alejandro G. Iñárritu, womit Birdman nun bei drei Oscars hält. Es tut mir wirklich leid, dass Richard Linklater (Birdman) hier leer ausgeht, diese Kategorie hätte ihm gehören müssen.

Wir kommen zur Kategorie bester Hauptdarsteller, die an Eddie Redmayne für seine Rolle als Stephen Hawking in The Theory of Everything geht. Für die weibliche Hauptrolle gab es bereits vor den Oscars eine anscheinend klare Gewinnerin und sie hat sich auch bewahrheitet: Juliane Moore gewinnt für ihre Darstellung einer Alzheimer Patientin in Still Alice.

Wir kommen zur letzten Kategorie, bester Film. Alle Zeichen deuten auf Birdman, ich hoffe noch immer auf Boyhood. Sean Penn hat die Ehre, diese Auszeichnung zu verleihen und der Gewinner ist – ich mache es kurz, es ist schon spät – Birdman. Nun, es ist ein großartiger Film und es ist verdient – mehr kann ich nicht hinzufügen.

Die Sonne geht auf

Das waren sie, die Academy Awards 2015 – der Vorhang fällt und die Sonne geht wieder auf. Es war sicher nicht die spannendste Oscarverleihung und Neil Patrick Harris war nicht mehr als ein mittelmäßiger Host. Die einzig richtige Entscheidung des Abends traf mal wieder Benedict Cumberbatch, der einen Flachmann dabeihatte. Wie auch immer: Ich leg mich mal schlafen. Gute Nacht und bis nächstes Jahr!

Hier noch einmal die Gewinner im Überblick (in der Reihenfolge der Verleihung):

[checklist]

  • Bester Nebendarsteller: J.K. Simmons (Whiplash)
  • Bestes Kostümdesign: Milena Canonero (The Grand Budapest Hotel)
  • Bestes Make-Up und Haare: Frances Hannon & Mark Coulier (The Grand Budapest Hotel)
  • Bester fremdsprachiger Film: Ida (Polen)
  • Bester Kurzfilm: The Phone Call (Mat Kirkby & James Lucas)
  • Bester Dokumentar-Kurzfilm: Crisis Hotline: Veterans Press 1 (Ellen Goosenberg Kent & Dana Perry)
  • Bester Ton: Whiplash
  • Bester Tonschnitt: American Sniper
  • Beste Nebendarstellerin: Patricia Arquette (Boyhood)
  • Beste visuelle Effekte: Interstellar
  • Bester animierter Kurzfilm: Feast
  • Bester Animationsfilm: Big Hero 6
  • Bestes Produktionsdesign: The Grand Budapest Hotel
  • Beste Kamera: Emmanuel Lubezki (Birdman)
  • Bester Schnitt: Tom Cross (Whiplash)
  • Beste Dokumentation: Citizenfour
  • Bester Filmsong: Glory (Selma)
  • Beste Filmmusik: The Grand Budapest Hotel
  • Bestes Originaldrehbuch: Birdman
  • Bestes adaptiertes Drehbuch: The Imitation Game
  • Beste Regie: Alejandro G. Iñárritu
  • Bester Hauptdarsteller: Eddie Redmayne
  • Beste Hauptdarstellerin: Juliane Moore
  • Bester Film: Birdman

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